10 Kniffe für den Jagderfolg

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LOCKJAGD

Um auf der Gänsejagd Strecke zu machen, kommt es auf Kleinigkeiten an. Worauf zu achten ist, verrät Lockjagdexperte Alexander Busch.

Alexander Busch

1. Schlechte Vorbereitung der Jagd
In der Praxis sieht man häufig, dass das Lockbild auf beliebigen Ackerflächen aufgebaut wird, die bequem per PKW erreichbar sind. Haben die Jäger eine längere Anfahrt ins Revier, wollen sie ihren zwei- bis dreitägigen Urlaub mit möglichst viel Jagd verbringen. Trotzdem lohnt es sich, etwas Zeit in die Vorbereitung der Gänsejagd zu investieren. Zunächst ist es wichtig, das Verhalten der Gänse zu kennen. So übernachten Wildgänse in der Regel auf größeren Schlafgewässern und streichen morgens zu ihren Fraßplätzen. Je nach Jahreszeit können dies die unterschiedlichsten sein. Zu Beginn der Jagdzeit ist das Wild oft auf frischen Getreidestoppeln anzutreffen, später auch auf Maisstoppeln, Wintergetreide, Raps oder Grünland.

Durch Beobachten kann der Jäger herausfinden, welche Flächen die Gänse bevorzugen. Werden sie nicht gestört, kehren sie häufig am Folgetag an die gleichen Stellen zurück. Ebenso sollte unbedingt die Hauptflugrichtung des Flugwildes ausgekundschaftet werden. Lohnenswert ist übrigens auch, den Wetterbericht stets im Auge zu haben. Je konstanter Wetter und Wind sind, desto größer ist die Chance, dass die Gänse ihr Verhalten beibehalten. Starker Wetterumschwung und drehender Wind führen oft zu einer Änderung der Flugrouten und Futterplätze.

Vor der Jagd gilt es, Gänse auf ihren Fraßplätzen zu bestätigen. Wichtig dabei ist, das Flugwild nicht zu stören. Foto: Alexander Busch

2. Mangelhafte Tarnung
Wie aufmerksam Gänse sind, weiß jeder, der schon einmal versucht hat, sie anzupirschen. Nicht ohne Grund wurden sie im Römischen Reich als Wachtiere eingesetzt. Umso überraschender ist es aber, wenn sich Jäger im grünen Mantel an eine Schilfkante stellen und auf einfallende Gänse warten. Die potenzielle Beute dreht natürlich bereits weit außerhalb der Schussentfernung ab. Tarnung ist damit oberstes Gebot. Zu viel davon gibt es auf der Gänsejagd nicht! Neben der obligatorischen Tarnkleidung, wie Jacke und Hose, sollten vor allem Gesicht und Hände mit einem Kopfnetz und Handschuhen getarnt werden. Wird aus einer Gänseliege gejagt, muss diese zusätzlich mit ortsüblichem Material verblendet werden. Am einfachsten lässt sich dies noch zu Beginn der Jagdzeit auf Getreidestoppeln bewerkstelligen. Pro Schirm reicht dann schon ein kleiner Strohballen. Besonders mühselig ist das Tarnen der Gänseliege im Winter auf Grünland oder Wintergetreide. Besonders effektiv ist dazu das Einreiben der Liege mit einem Erde-Wasser-Gemisch. Die Erde sollte natürlich von exakt dem Acker stammen, auf dem auch gejagt wird. Tarnt man die Liege bereits am Vortag, gerät man nicht in Zeitnot, falls zu wenig natürliches Tarnmaterial vorhanden sein sollte.

So nicht! Offene Gänseliegen, unnötige Bewegungen und im Lockbild umherlaufender Jäger – Misserfolg garantiert! Foto: Alexander Busch

3. Falscher Standort
Ein weiterer Fehler ist, das Lockbild am Rand eines Ackers, womöglich sogar noch an einer Hecke oder in der Nähe von Bäumen, aufzubauen. Wildgänse haben ein extremes Sicherheitsbedürfnis und wählen einen gewissen Abstand zu Bäumen, Hecken und Wegen. Zum Äsen fallen sie häufig in die Mitte großer Schläge ein. Genau dort, wo sie auch an den Vortagen eingefallen sind, muss das Lockbild aufgebaut werden. Gewiss ist das etwas beschwerlicher, weil die Ausrüstung oft etwas weiter getragen werden muss. Die Erfahrung hat aber gezeigt, dass dies deutlich erfolgreicher ist.

Der Jagdhelfer muss absolut ruhig in seiner Tarnhütte verharren.
Ansonsten sollte er mit in die Gänseliege genommen werden. Foto: Alexander Busch

4. Lockvögel zu eng aufgestellt
Unnatürlich eng nebeneinander sitzende Lockvögel machen anstreichende Gänse skeptisch. Die Attrappen sollten aufgelockert platziert werden. Auf der windabgewandten Seite lohnt es sich, eine Landezone frei zu lassen. Diese lädt die Gänse förmlich zum Einfallen ein. Somit kreisen sie nicht ewig außer Reichweite.

5. Zu wenig Lockvögel
Genügend Decoys sind die Grundvoraussetzung für den Erfolg. Manche Jäger nutzen nur vier bis fünf Lockvögel. Sinnlos, weil eindeutig zu wenig! „Viel hilft viel“, lautet die Devise. Über die Anzahl der Lockvögel entscheidet letztlich aber auch die Jahreszeit und vor allem die Größe der Flüge, in denen die Gänse auftauchen. Je größer diese sind, desto mehr Lockvögel werden benötigt. Mitunter kann man im August mit zehn bis 15 Attrappen erfolgreich auf Graugänse jagen. Wird aber im Winter auf Bless- und Saatgänse gewaidwerkt, sollten es schon mindestens 30 bis 50 Lockvögel sein.

Negativbeispiel: So unnatürlich eng aufgestellte Lockvögel machen jede Gans misstrauisch. Foto: Alexander Busch

7. Zu viel Bewegung
Jäger, die sich dauernd bewegen, aufstehen und in die Ferne spähen, sind bei den Gänsen enorm beliebt. Weniger bei ihren Mitjägern. Denn solche Zeitgenossen wirken wie eine Vogelscheuche und kündigen dem Flugwild bereits auf große Entfernung an, dass „Gefahr“ droht. Während der Jagd gilt es förmlich zu erstarren und ruhig zu beobachten. Bewegungen sorgen auch auf größere Distanz dafür, dass die Gänse sofort abdrehen. Besonders kritisch ist der Moment, wenn die Gänse das Lockbild erspäht haben und sich bereits bis auf weniger als hundert Meter genähert haben. Sie kommen dann immer dichter und kreisen in der Regel ein- bis dreimal, bevor sie auf Schrot schuss entfernung ins Lockbild einschwenken. Jede Bewegung in dieser Phase, und sei es nur eine Kopfdrehung, um den Gänsen hinterher zu schauen, muss vermieden werden.

Jagt man mit mehreren Jägern, kann einer alleine den Erfolg der ganzen Gruppe ruinieren. Deshalb ist es besonders wichtig, die Mitjäger auf absolute Regungslosigkeit einzuschwören. Die Gänseliege sollte während der Jagd nur zum Einsammeln erlegter Gänse verlassen werden. Ansonsten muss der Gänsejäger still und ohne Bewegung in seiner Liege verharren.

Die Gänseliege sollte gewissenhaft mit ortsüblichem Material verblendet werden. Foto: Alexander Busch

9. Schussentfernung und Schrote
Eine Grau- oder Kanadagans erscheint selbst auf 50 Metern Distanz noch riesig. Geschossen werden darf auf diese Entfernung mit Schrot jedoch keinesfalls. Die Deckung, beziehungsweise die Energie der Schrote, ist dann einfach zu gering. Aus Gründen der Waidgerechtigkeit sollte man nicht weiter als 30 Meter schießen. In dieser Entfernung getroffene Gänse verenden schlagartig.

Für Einsteiger ist es mitunter sinnvoll, lebensgroße Gänsesilhouetten auszuschneiden und von einem Mitjäger in verschiedenen Entfernungen platzieren zu lassen, um anschließend die Distanz zu schätzen. Auch die Schrote sollten keinesfalls zu grob gewählt werden. 3 bis 3,2 Millimeter (mm) sind ideal. In Ausnahmefällen auch 3,5 mm. Gröberes Bleischrot sollte auf keinen Fall verwendet werden, weil die Deckung einfach zu gering ist. Sofern gesetzlich vorgeschrieben, sollten bei der Verwendung von Weicheisenschroten ruhig ein bis zwei Nummern gröbere Vorlagen gewählt werden (3,5 bis 3,7mm). Hier kann auch die Verwendung von Magnumpatronen (Kaliber .12/76 oder .10/89) die ballistischen Nachteile gegenüber Blei kompensieren.

Zwei Graue im Landeanflug. Die kleinste Kopfdrehung würde die Jäger jetzt verraten. Der erfahrenste gibt das Kommando zum Schuss Foto: Alexander Busch

10. Der unerfahrene Hund
Gänsejagd mit dem Lockbild stellt hohe Anforderungen an den Jagdgebrauchshund. Muss er sich doch ähnlich wie sein Herr absolut still und regungslos verhalten. Dies gilt umso mehr, wenn er in einem eigenen Schirm liegt. Da sich der Schirm stets hinter den Liegen der Schützen befindet, hat man keinerlei Kontrolle über den Vierläufer. Er darf keinesfalls aus seiner Hütte herausschauen, sondern muss regungslos in dieser verharren. Das muss im Vorfeld immer wieder geübt werden, auch unter Ablenkung. Wichtig ist ebenso, dass der Hund lernt, auf Befehl in seiner Hütte zu verschwinden. Wenn die Gänse streichen und sich am Horizont bereits der nächste Flug ankündigt, muss alles sehr schnell gehen und es bleibt keine Zeit für Hundeerziehung. Bei eher unerfahrenen Vierläufern empfiehlt es sich, diese mit in die Gänseliege zu nehmen. Der Hund sollte dabei unter der Rückenlehne des Schützen abgelegt werden.

Foto: Alexander Busch
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