Anschussknigge Hetze oder nicht?

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Wird mit dem Hund nachgesucht, kann es zu einer Hetze kommen. Was man beachten sollte, bevor man seinen Vollgebrauchshund schnallt, erklärt STEFAN MAYER in der letzten Folge dieser Serie.

Der Knackpunkt bei vielen erschwerten Nachsuchen liegt darin, den Hund im richtigen Moment zu schnallen. Viel zu häufig wird in der rauen Praxis zu früh geschnallt. Entweder aus Bequemlichkeit oder Hilflosigkeit. Ein Beispiel: Der Bewuchs ist nass, dicht, dornig oder anderweitig unangenehm. Der zappelige Hund verfängt sich andauernd mit dem Riemen.  Kurzerhand wird er geschnallt. „Ohne Riemen findet er sowieso viel besser“, lautet die  vielzitierte Erklärung, die eher eine Entschuldigung ist. Und so wird ein ums andere Mal gegen die wichtigste Regel der Schweißarbeit verstoßen:

Merke: Nur am letzten, noch warmen Wundbett wird geschnallt oder dann, wenn das sichtbar verletzte Stück hoch wird.

Darüber hinaus dürfen nur geeignete Hunde geschnallt werden. Dies sind Vierläufer, die entsprechenden Hatzwillen, Geschwindigkeit und Wildschärfe besitzen. Für die Hatz völlig ungeeignet sind niederläufige Hunde, wie Teckel. Auch wenn sie ansonsten bei der Riemenarbeit hervorragende Leistungen bringen, mangelt es ihnen naturgemäß an der entsprechenden Physis, ein Stück Schalenwild einholen und abtun zu können. Ebenso dürfen keine halbscharfen Vierläufer geschnallt werden. In aller Regel führt dies dann zu einer „Hütehatz“, bei der das kranke Stück regelrecht in die Ferne gehütet wird, weil der Hund nicht entschlossen genug zupackt. Das Argument, dass ja irgendwie herausgefunden werden muss, ob der Hund entsprechenden Hatzwillen und Wildschärfe besitzt, ist nur teilweise richtig. Das „Irgendwie“ ist entscheidend, aber bitte nicht ohne Netz und doppelten Boden! Um dies herauszufinden, sollte dem betreffenden Hund ein erfahrener
hatzstarker und scharfer Artgenosse beigeschnallt werden. So wird schnell klar, was der junge Hund zu leisten vermag. Unter Umständen kann er sogar vom erfahrenen Hund etwas dazulernen. Dabei ist der Hundeführer gefordert – unerfahrene, hatzschwache oder nicht wildscharfe Hunde dürfen nur für Totsuchen eingesetzt werden. Alle anderen Suchen
sind Nachsuchen, also Schweißarbeit, und diese ist vor allem Riemenarbeit. Am Riemen muss der brauchbare Schweißhund den Führer zum warmen Wundbett führen. Kann ein Hund das nicht, fehlt es ihm an der Grundvoraussetzung eines Schweißhundes: der
„Riemenfestigkeit“. Leider erlebt man häufig, dass die viel gerühmten Totverbeller
oder Bringselverweiser nicht konsequent genug am noch lebenden Wild arbeiten.
Das kranke Stück legt noch einmal eine große Strecke zurück, bis es sich wieder niedertut. Totverbellen und Bringselverweisen sind auch kein Freibrief für die freie Suche des Hundes.
Viel eher sind sie als Abschluss einer soliden Riemenarbeit zu sehen. Folgende Grundsätze sollten bei der Hetze beachtet werden:
1. Nur bei Tag wird der hatzstarke und wildscharfe Hund am warmen Wundbett geschnallt.
2. Mit einem unerfahrenen Hund wird die Hetze am Wild nie allein „probiert“!
3. Geländesituation und Infrastruktur der Umgebung beachten! Eine Hetze verbietet sich, wenn die Flucht des Wildes über Straßen geht. Wird der Vierläufer geschnallt, trägt der
Hundeführer ein hohes Maß an Verantwortung dem Hund und dem Wild gegenüber.
Denn wie schon der bekannte Rüdemann Rudolf Frieß schrieb: „Die Kugel, die aus dem Lauf, der Hund, der vom Strick ist, gehören dem Teufel!“

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