BAYERISCHER GEBIRGSSCHWEISSHUND – RASSE PORTRÄT – Der Spezialist

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Volle Konzentration auf die Fährte, gepaart mit dem absoluten Willen, ans Stück zu kommen, um es mit der nötigen Wildschärfe zu stellen. Damit wird nicht nur das Wesen des Bayerischen Gebirgsschweißhundes beschrieben, sondern seine Lebensaufgabe. Der Spezialist auf der Wundfährte löst bei Jägern Begehrlichkeiten aus. Warum der BGS immer eine Rarität bleiben wird, erklärt Reinhard Scherr.

Der Bayerische Gebirgsschweißhund wurde aus den Wildbodenhunden und Bracken des Gebirges und den Hannoverschen Schweißhunden gegen Ende des 19. Jahrhunderts herausgezüchtet. Die Beweggründe für die Rasseneugründung waren im engen Zusammenhang mit dem Untergang des herrschaftlichen Jagdsystems im Gebirge zu sehen. Durch die zunehmende Verwendung von weit reichenden Kugelwaffen wurde Ende des 19. Jahrhunderts der Einsatz von Schweißhunden auch für die Bergjagd immer notwendiger.
Man erinnerte sich an die hohe Leistungsfähigkeit der Gebirgsbracken und ihre Geländetauglichkeit. Sie waren nicht zu schwer, besaßen gerade, sehnige Läufe mit kurzen geschlossenen Pfoten und einen nicht zu langen Rücken, damit die Hunde gut wenden und klettern konnten. Ihr dichtes, harsches Haarkleid trotzte den rauen Witterungsbedingungen der Berge. Vor allem aber der absolute Fährtenwille, gepaart mit Fährtensicherheit und -treue, sowie Hetzfreude, Fährtenlaut und Wildschärfe zeichneten die Bracken aus. So kreuzte man Ende des 19. Jahrhunderts diese Gebirgshunde in Hannoversche Schweißhunde ein. Eine neue
Rasse entstand. Unter dem Namen „Bayerischer Gebirgsschweißhund“ (BGS) wurde die neue
Rasse 1883 eingetragen. Sie fand durch gezielte Abgabe von Welpen zuerst bei Bergjägern Verbreitung, später auch bei vielen Liebhabern der Rasse. Leistungsüberprüfungen fanden in der damaligen Zeit nur in der Praxis statt, ein zielgerichtetes Prüfungswesen gab es nicht. 1912 wurde schließlich der Zuchtverein, der „Klub für Bayerische Gebirgsschweißhunde 1912“, gegründet. Es war eine unglückliche Zeit, denn kurz darauf brach der 1. Weltkrieg aus und brachte viele der gerade anlaufenden Vereinsaktivitäten zum Stillstand.
Jährlich werden zwischen 60 und 80 Bayerische Gebirgsschweißhunde gewölft. Bereits früh dürfen sich die späteren Spezialisten mit den Umweltreizen beschäftigen, denen sie später auf der Nachsuche „leibhaftig“ begegnen
Die wenigsten der damals gezüchteten Hunde hatten Elterntiere, die auf einer Kunstfährte oder geschweige denn einer Naturfährte geprüft waren. Meist waren die zur Weiterzucht verwendeten Tiere lediglich auf einer Zuchtschau vorgestellt worden. Erst ab dem Jahre 1939 erließ die unter dem nationalsozialistischen Regime gegründete „Fachschaft für bayerische Gebirgsschweißhunde“ Bestimmungen, wonach ausschließlich leistungsgeprüfte Hunde eine Zuchtgenehmigung erhalten konnten.
Die Zucht des Bayerischen Gebirgsschweißhundes stagnierte etwas in den Jahren zwischen den Kriegen. Wohl waren die Hunde sehr ausgeglichen in ihrem Aussehen, aber die hochqualifizierten Leistungen beschränkten sich auf wenige von ihnen. Anlässlich der Neugründungsversammlung 1949, an der 15 Jäger und Hundezüchter teilnahmen, hielt Rudolf Frieß einen vielbeachteten Vortrag zum Stand der Zucht des Bayerischen Gebirgsschweißhundes, der richtungsweisend für das Handeln der nächsten Jahre war. Schonungslos ging er auf die züchterischen Fehler in der Vergangenheit ein, zeigte aber auch einen Weg aus der Misere auf. Er verlangte, dass man sich auf die Ursprünge der Rasse besinnt und auf die alten Schweißbracken des Hochgebirges zurückgreift, um eine Blutauffrischung mit diesen stockhaarigen roten Hunden vorzunehmen. Seiner Beurteilung nach war diese Blutauffrischung mit den alten Bracken, die ja größtenteils als reine Schweißhunde auf Hirsch und Gams im Berg geführt wurden, nicht nur nötig, sondern auch unbedenklich und in jeder Hinsicht erfolgversprechend. Aus heutiger Sicht hatte er mit dieser Einschätzung völlig Recht. Weiterhin forderte Frieß, dass in Zukunft scharfe Fährtenlautprüfungen, wenn möglich auch Vor- und Hauptprüfungen durchgeführt werden sollten, um auf diesem Weg die vorhandene Hundepopulation auf ihre Erbanlagen zu überprüfen und züchterisch zu selektieren. Genauso scharf wie man die Hunde musterte, wurden auch die Führer in die Pflicht genommen. Einige Hundeführer mit ihren Zufallszuchtprodukten wurden von den Prüfungen wieder nach Hause geschickt und dadurch auch verärgert. Die Besten unter ihnen wurden geschult und für die Sache gewonnen. Es handelte sich um Jäger, die sich der Schweißarbeit „200-prozentig“ verschrieben hatten.

Durch die Zucht des BGS und auch durch den Klub selbst ging in der Nachkriegszeit ein regelrechter Ruck. Überall war eine unglaubliche Aufbruchstimmung zu verspüren. So blieb die Leistung der Gebirgsschweißhunde auch den Jägern andernorts nicht verborgen, und schon bald fand man die Rasse auch in mittel- und norddeutschen Revieren. Anfang der 80er Jahre stieg die Angst, dass die Rasse sich inflationär vermehren würden, denn die Nachfrage nach Gebirgsschweißhunden konnte nicht mehr erfüllt werden. Wie in den frühen Jahren kamen immer mehr Hunde in die Hände von Führern, die aufgrund ihrer Revierverhältnisse eigentlich keines BGS bedurft hätten. Konnte kein Welpe im Inland beschafft werden, holte man ihn sich bei ausländischen Zuchtvereinen – egal ob mit oder ohne ordnungsgemäße Papiere. Viele dieser Hunde führten zwar ein gutes „Hundeleben“, wurden aber jagdlich wenig eingesetzt und waren von den eigentlichen Schweißspezialisten weit entfernt. Von Seiten des Zuchtvereins wurden strengere Bestimmungen für die Vergabe von Welpen und für die Mitgliederaufnahme erlassen. Auch die Anforderungen an die Zuchttiere wurden konsequent eingehalten, selbst wenn dadurch in einigen Jahren nur wenige Würfe fielen.

Der erfahrene Nachsuchenführer erkennt oft schon am Anschuss, ob er mit einer Totsuche oder einer langwierigen Riemenarbeit sowie anschließender Hetze rechnen muss. Wichtig ist in jedem Fall, dass er sich auf seinen Bayerischen Gebirgsschweißhund verlassen kann. Das geht nur mit einer ordentlichen Ausbildung und regelmäßigen Einsätzen. Willeund absolute Fährtentreue sind insbesondere nach Bewegungsjagden mit Verleitfährten gefordert.
Zu Beginn der 90er Jahre waren es ein paar unzufriedene Hundeführer, die keinen BGS bekommen konnten. Aber ihre Zahl stieg im gleichen Verhältnis wie die Schalenwildstrecke. Mittlerweile hatten sich Kanäle im Osten geöffnet, deren Ergiebigkeit von einigen Hundehändlern genutzt wurde. Es gründeten sich kleine Splittergruppen von Jägern und sonstigen Schweißhundfreunden. Alle wurden mit Schweißhunden versorgt. Jagdliche
Verhältnisse spielten dabei keine oder nur eine untergeordnete Rolle. Dem traditio-
nellen Klub war diese Entwicklung ein Dorn im Auge und man reagierte mit Ablehnung und starrem Festhalten an alte Gepflogenheiten. Man befürchtete – und tut dies heute noch – die hohen Ansprüche an qualifizierter Schweißhundearbeit einzubüßen.

Schweißhundearbeit ist nicht vergleichbar mit der Arbeit von Stöber- oder Vorstehhunden vor dem Schuss. Um keine falsche Interpretation aufkommen zulassen: Die Arbeit anderer Gebrauchshundeschläge ist auf keinen Fall abzuqualifizieren. In jeder Rasse gibt es viele Hunde, die ihre Arbeit auf hohem Niveau erfüllen. Der schlecht ausgebildete oder wenig geführte Schweißhund, der seinen hohen Grad an Spezialisierung nicht erreicht, ist ethisch anders zu bewerten. Versagt er bei der einzigen Aufgabe, wegen der er gehalten wird, nämlich das kranke Wild zu finden, eventuell zu hetzen und zu stellen, so bleibt in der Dickung ein Stück und damit verwertbares Wildbret liegen. Oder ein krankes Tier mit schlimmsten Verletzungen hat qualvolle Tage, Wochen oder Monate vor sich, bis es schließlich elendig eingeht. Solche Hunde haben das „w“ in ihrer Rassenbezeichnung nicht verdient. Wichtig ist heute, dass für die engagierten Führer genug Gebirgsschweißhunde aus Leistzungszucht zur Verfügung stehen. Das derzeitige Zuchtpotenzial im Klub besteht aus zirka 50 bis 60 zuchttauglichen Hunden – Tendenz steigend –, die alle in der Zuchtordnung geforderten Kriterien erfüllen. Gezüchtet werden pro Jahr zirka 10 bis 14 Würfe, die durchschnittlich 60 bis 80 Welpen hervorbringen. Ziel des Klubs ist es, ein jährliches Zuchtaufkommen von etwa 100

Welpen zu erreichen. Diese Anzahl reicht, um den Bedarf innerhalb eines Jahres abzudecken und die Rasse ohne Inzucht zuerhalten.
Der Bayerische Gebirgsschweißhund ist ein leichter, sehr beweglicher, muskulöser mittelgroßer Hund. Die Rüden (Bild) haben ein Stockmaß zwischen 47 und 52, die Hündinnen zwischen 44 und 48 Zentimetern. Das Haar soll dicht und glatt anliegen sowie mäßig rau sein. Es gibt den BGS in den Farben tiefrot, hirschrot, rotbraun und rotgelb – seltener fahlgelb bis semmelfarben. Fang und Behang sind dunkel

Die Zuchtstrategien des Klubs sind primär darauf ausgerichtet, die Rasse genetisch gesund zu erhalten. Das bedeutet dass auf Inzucht verzichtet wird, es werden keine Wiederholungswürfe durchgeführt und man bemüht sich, aus jedem Wurf wieder einen Hund in die Zucht zu bringen. Alle Zuchttiere sind gesund und auf Form, Wesen und Leistung (Vor- und Hauptprüfung) durchgeprüft. Trotz der hohen Ansprüche an die Zuchttiere werden die Welpen zum vergleichweise niedrigen Preis von 650 Euro abgegeben. Um die Zuchtstrategien der Zukunft festzulegen, muss man erkennen, für welche Aufgaben der BGS gebraucht wird und wie sich die derzeit herrschenden jagdlichen Verhältnisse entwickeln werden. Der Hauptanteil des Schalenwildabschusses erfolgt über die Ansitzjagd. Und obwohl die verwendeten Jagdwaffen eine hohe technische Reife besitzen, werden häufig Nachsuchen verursacht, weil die Jagdausübung nur noch in den späten Die Zuchtstrategien des Klubs sind primär darauf ausgerichtet, die Rasse genetisch gesund zu erhalten. Das bedeutet dass auf Inzucht verzichtet wird, es werden keine Wiederholungswürfe durchgeführt und man bemüht sich, aus jedem Wurf wieder einen Hund in die Zucht zu bringen. Alle Zuchttiere sind gesund und auf Form, Wesen und Leistung (Vor- und Hauptprüfung) durchgeprüft. Trotz der hohen Ansprüche an die Zuchttiere werden die Welpen zum vergleichweise niedrigen Preis von 650 Euro abgegeben. Um die Zuchtstrategien der Zukunft festzulegen, muss man erkennen, für welche Aufgaben der BGS gebraucht wird und wie sich die derzeit herrschenden jagdlichen Verhältnisse entwickeln werden. Der Hauptanteil des Schalenwildabschusses erfolgt über die Ansitzjagd. Und obwohl die verwendeten Jagdwaffen eine hohe technische Reife besitzen, werden häufig Nachsuchen verursacht, weil die Jagdausübung nur noch in den späten Dämmerungsstunden und in der Nacht ausgeübt werden kann. Zusätzlich finden in vielen, hauptsächlich größeren Revieren mit steigender Tendenz Bewegungsjagden statt. Auf 500 Hektar und mehr werden die Jäger auf Wechseln positioniert und das Wild in den Einständen durch den Einsatz einer stattlichen Anzahl von Hunden in Bewegung gebracht. Das Wild – auch krankes – wird also auf großer Fläche immer wieder durch die suchenden Hunde hochgemacht und findet erst nach langen Wechseln wieder ruhige Einstände.

Die Anforderungen, die heute und in der nahen Zukunft an den Bayerischen Gebirgsschweißhund gestellt werden, sind daher absolute Fährtensicherheit und Fährtentreue. Denn der Einsatz der Schweißhunde nach Bewegungsjagden wird durch das ständige Anrühren des Wildes und einer Vielzahl von Verleitungen sehr schwer. Absolute Wesensfestigkeit gepaart mit hundertprozentiger Wildschärfe, damit der Gebirgsschweißhund sich von den zunehmenden Umweltreizen nicht ablenken lässt. Die Härte am Wild muss von dem Hund so konsequent angewendet werden, dass sich Hetzen möglichst auf wenige 100 Meter verkürzen. Ausdauernde Hetzer finden in vielen Fällen den Tod auf der Straße. Ebenso muss der Härte am Schwarzwild zukünftig ein besonderes Augenmerk für die Zuchtauswahl gewidmet werden. Fährtenlaut oder mindestens Sichtlaut ist unabdingbar. Ein weiterer Schwerpunkt wird auf die Prüfung des Wesens gelegt. Wohlwissend, dass Mängel die sich in diesem Bereich in eine Population einschleichen, fast nicht mehr zu tilgen sind. Wenn der Bayerische Gebirgsschweißhund heute weit über die Grenzen des Freistaates hinaus Anerkennung findet, liegt das an den vielseitigen Bemühungen, seine spezialisierte Fähigkeit auf der Wundfährte im Sinne einer waidgerechten Jagdausübung zu erhalten und zu fördern. Voraussetzung hierfür ist vor allem die überzeugende Arbeit der vielen engagierten BGS-Führer in den Revieren.

Information

Klub für Bayerische Gebirgsschweißhunde 1912, Andreas Wengert, 1. Vorsitzender, Schopfloher Str. 11 A, 86742 Fremdingen, Telefon: 0 90 86/3 99, E-mail: info@kbgs.de, www.kbgs.de. Der KBGS ist Mitglied im Jagdgebrauchshundverband, Verband für das Deutsche Hundewesen und Gründungsmitglied des Internationalen Schweißhundverbandes. Er hat ca. 900 Mitgliederin acht regionalen Arbeitsgruppen.
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