Bayern: Kampf ums Muffelwild

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Nicht nur das Rotwild wird im Landkreis Kronach mit allen Mitteln verfolgt: Jetzt sollen auch fünf Muffelschafe, die sich natürlich in der Region Tschirn angesiedelt haben, abgeschossen werden.

Seit zwei Jahren wird die Population vom Revierpächter nach Abschussplan bejagt. Jetzt steht eine Ausrottung zur Debatte. (Foto: S. Müller/vk)

Das hat der Kronacher Jagdbeirat einstimmig beschlossen. Seit 2017, so berichtet der betroffene Revierpächter, hielten sich fünf Wildschafe aus der benachbarten thüringischen Population in seinem Revier auf. Sie bewegten sich auf unter zehn Hektar, seien tagaktiv und richteten keine Schälschäden an. Die Jagdgenossenschaft dulde sie bei einem maximalen Bestand von fünf bis sieben Stück, die bislang geringen Schäden habe sie erstattet.

Seit zwei Jahren wird die Population vom Revierpächter nach Abschussplan bejagt. Trotz dieser guten Einigung unter den Verantwortlichen hat der Jagdbeirat nun die Ausrottung beschlossen. Als Argumente benennt die Untere Jagdbehörde einen Ministeriumserlass aus dem Jahr 1984, der die Hege von Muffelwild untersagt, sowie die Gefahr, dass die Klauen des Wildes im zu weichen Boden nicht ausreichend abgenutzt würden. Sie hat die Frage, ob das Wild ausgerottet werden soll, der Bezirksregierung sowie dem Ministerium zur Entscheidung vorgelegt. Letzteres hat sie an die Untere Jagdbehörde zurück delegiert, will allerdings informiert werden, falls kein Abschuss verfügt wird.

In einem ähnlichen Fall 2016 bei Ingolstadt hatte die Oberste Jagdbehörde kurzfristig über alle Köpfe hinweg, entgegen einer vor Ort getroffenen Einigung und trotz einer anderslautenden örtlichen Petition den Abschuss einer kleinen Muffelpopulation angeordnet. Ob dies unter Staatsministerin Michaela Kaniber ähnlich laufen kann, ist fraglich. Sie hat erst vor Kurzem in ihrer Regierungserklärung zur Landwirtschaft deutlich gemacht, dass der Erhalt der Artenvielfalt sowie die Meinung der Gesellschaft gegen ein „Weiter so“ ihr Handeln bestimmen.

Im Raum Kronach meldet sich die örtliche Bevölkerung massiv zu Wort. Ein Zeitungsbericht im Kronacher Tagblatt über die Muffel und ihre Situation vom 30. April, in dem ein Bauernobmann die Abschussforderung vertrat, habe „eingeschlagen wie eine Bombe“, heißt es aus der Redaktion. Grundaussage der Leser und Facebook-User sei, die Tiere sollten geschützt und nicht getötet werden.

vk

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