Bayern: Landesjägertag lässt viele Fragen offen

811

Der Landesjägertag des Bayerischen Jagdverbands am 6. April in Passau verlief gewohnt harmonisch – und das, obwohl die Delegierten hinnehmen mussten, dass die Bilanz 2018 des Verbands von einem unabhängigen Wirtschaftsprüfer überprüft und deshalb noch komplett unter Verschluss gehalten wird. Schatzmeisterin Mechtild Michaela Maurer erhielt für diese Entscheidung aber fast uneingeschränkte Zustimmung. Ihr Haushaltsplan für 2019 wurde von den Revisoren empfohlen und von der Landesversammlung beschlossen. 

Am späten Nachmittag des 6. April befürwortete die Landesversammlung den Haushaltsplan 2019 der Schatzmeisterin.
Foto: Vivienne Klimke

WuH hatte vorab über die ungewöhnlichen Vorgänge rund um die Finanzen im BJV berichtet. BJV-Präsident Jürgen Vocke hatte die Redaktion daraufhin scharf angegriffen und intern ein Papier an die Kreisvereine verschickt, das diese dementieren sollte und sehr schnell an die Presse gelangte. Ein Papier, das selbst Falschaussagen aufstellt und Fakten ignoriert. Auf dem Landesjägertag in Passau bestätigten sich die WuH-Recherchen. So hatte WuH berichtet, Bilanz und Haushaltsplan seien nicht fristgerecht verschickt worden. Vocke zitierte falsch mit „es gebe keinen Haushaltsplan“ und kritisierte dann „eine krasse Fehlinformation“. Doch die Bilanz wurde tatsächlich nicht verschickt, und der Haushaltsplan laut BJV am 21. März, also 16 Tage vor der Landesversammlung. Die Satzung des Verbands sieht für die Einladung zur Landesversammlung mit Tagesordnung jedoch eine Frist von einem Monat vor. Auf die Aussage von WuH, es könne keine Entlastung erfolgen, gab der Präsident an, diese sei auch vorerst gar nicht beantragt. Doch der Punkt stand sowohl im verschickten Programmheft als auch in der veröffentlichten Tagesordnung in der Mitgliederzeitschrift „Jagd in Bayern“ – und wurde in Passau in der Landesversammlung ganz offiziell von der Tagesordnung genommen.

Dass er selbst als Präsident sich einem Erklärungszwang ausgesetzt sieht, dementierte Vocke in seinem Papier und schob den Schwarzen Peter stattdessen weiter an den ehemaligen Schatzmeister, Dr. Wolfgang Schiefer, der vor einem Jahr „keine hinreichende Übergabe“ an seine Nachfolgerin Mechtild Michaela Maurer durchgeführt habe. WuH hatte angesichts der eklatanten Vorgänge eine Sonderdelegiertentagung als unumgänglich bezeichnet, was in Passau wohl auch die Revisoren des BJV so sahen, als sie den Delegierten Zustimmung zum Haushaltsplan 2019 empfahlen, den sie im Übrigen als „transparent“ lobten. Die Entlastung „muss im Rahmen einer außerordentlichen Landesversammlung nachgeholt werden“, hieß es da. Später wurde diese Aussage von BJV-Justiziar Dr. Peter Greeske zu einem „kann“ korrigiert. Immerhin: Eine Erhöhung des Mitgliedsbeitrags, wie von WuH prognostiziert, wurde in Passau tatsächlich nicht beantragt. „Wir wollen keine Beitragserhöhung“, so Vocke jetzt in Passau zur Delegiertenversammlung, „wenn Ihr sie wollt, dann bitte.“ Die Erhöhung war aber in den Kreisgruppen angekündigt und von einzelnen, wie zum Beispiel Kaufbeuren, auch schon durchgeführt.

Auch drei hohe politische Ehrengäste nahmen an der Landesversammlung der bayerischen Jäger teil: Bundes-Innenstaatssekretär Stephan Mayer, Bayerns Stellvertretender Ministerpräsident Hubert Aiwanger und die Staatsministerin für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten, Michaela Kaniber. Mayer äußerte sich persönlich gegen die laufenden Bestrebungen aus Bayern, bei der Novelle des Bundeswaffenrechts die Nachtzielhilfen zu legalisieren (WuH berichtete). „Ich wäre hier unheimlich vorsichtig“, sagte er. Bisher stehe aber noch nichts dazu im Referentenentwurf.

Aiwanger brachte angesichts des Volksbegehrens Artenvielfalt einen Leinenzwang für Hunde ins Spiel. Er befürworte, dass ab dem Zeitpunkt, wo der Landwirt eine Fläche nicht mehr walzen dürfe, auch kein frei laufender Hund mehr die Bodenbrüter stören dürfe. Zudem brach er eine Lanze für mehr Technik bei der Jagd, wie Nachtzielhilfen und Drohnen zum Aufspüren von Wildschweinrotten. „Wir müssen hier nachziehen“, so seine Meinung. In dem verfahrenen Streit um die Schonzeitaufhebung bei der Gams plädierte er für konstruktive gemeinsame Waldbegänge: „Wir kommen nur gemeinsam aus dieser Nummer raus“, sagte er. Ansonsten drohe auf der einen Seite der Schonzeitabschuss, auf der anderen Seite aber vielleicht auch ein komplettes Jagdverbot. Eine Demonstration von Tierschützern, die während der Landesversammlung vor dem Gebäude stattfand forderte auf den Transparenten unter anderem ein Jagdverbot für die Gams für zwei Jahre, um die Verluste durch den harten Winter 2019 zu kompensieren.

Landwirtschaftsministerin Michaela Kaniber kündigte an, endlich ein Versprechen ihres Vorgängers Helmut Brunner wahrzumachen und die Wildlebensraumberatung in Bayern flächendeckend anzubieten. Ihr zufolge soll die Zahl der Wildlebensraumberater auf 47 erhöht werden – momentan sind es einer pro Regierungsbezirk sowie ein Landesverantwortlicher, also acht. Kaniber lobte den Bayerischen Jagdverband ausdrücklich dafür, dass er sich beim Volksbegehren Artenvielfalt auf die Seite der Landwirte geschlagen hatte, und dass er sich jetzt am Runden Tisch „herausragend“ einbringe. Sie kündigte an, gemeinsam mit Hubert Aiwanger „nach Brüssel fliegen“ zu wollen, um bei der EU-Kommission die Herabsetzung des Schutzstatus für den Wolf zu erreichen, „sonst kriegen wir das nicht in den Griff“. red.

Schatzmeisterin Mechtild Michaela Maurer lässt die Bilanz des BJV prüfen.
Foto: Vivienne Klimke
ANZEIGEAboangebot