Brandenburg: Jagdgesetznovellierung im Blindflug

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Aufgrund zahlreicher ungeklärter Fragen im Rahmen der Gesetzesnovellierung haben die Verbände des FNB zwei kleine Anfragen vorbereitet, die der Landtagsabgeordnete Julian Brüning (CDU) an die Landesregierung gerichtet hat.

Wie eindimensional die komplexen Themen Waldumbau und Jagd innerhalb des zuständigen Referats des MLUK gesehen werden, zeigen die Antworten der Landesregierung auf kleine Anfragen des CDU-Landtagsabgeordneter Julian Brüning (Symbolbild: stefan/AdobeStock)

„Wie eindimensional die komplexen Themen Waldumbau und Jagd innerhalb des zuständigen Referats des MLUK gesehen werden, zeigen die nun vorliegenden Antworten“, so das Aktionsbündnis in einer Mitteilung von heute.

Die einzige Möglichkeit zum Schutz junger Bäume sei die intensive Bejagung von Schalenwild mit dem Ziel, deren Bestände im ganzen Land drastisch zu reduzieren. Dem Wild mit Wildäckern oder geeigneten Wintersaaten auf landwirtschaftlichen Flächen Alternativen zu bieten, werde vom MLUK ausgeschlossen. Das vorübergehende Einzäunen von Verjüngungsflächen im Wald werde pauschal als zu teuer abgelehnt. Kirrungen, die bisher ein wichtiges Hilfsmittel für eine erfolgreiche Jagd waren, sollen verboten werden.

Obwohl sich in den letzten zwanzig Jahren die Anbaufläche von Mais nahezu verdoppelt habe und inzwischen ca. 10 % der gesamten bejagbaren Fläche in Brandenburg ausmacht, sehe man im Umweltministerium den von Jägern auf Kirrungen ausgebrachten Mais als alleinige Ursache für die „historisch hohen Wildbestände“. Zugleich müsse jedoch eingeräumt werden, dass keine Informationen dazu vorlägen, welchen Anteil die Jagd an Kirrungen an der Gesamtjagdstrecke habe.

Dr. Dirk-Henner Wellershoff, Präsident vom Landesjagdverband Brandenburg e.V.: „Rehe und Hirsche werden vom MLUK nicht als wichtiger Teil des natürlichen Waldökosystems, sondern ausschließlich als Schädlinge wahrgenommen, wobei die Jäger zu Schädlingsbekämpfern degradiert werden. Wer sich einen Wald ohne Wild wünscht, verkennt die Natur.“ Die im Land nahezu flächendeckend vorkommenden Wölfe würden sich trotz vermeintlich hoher Wildbestände und enormer Ausgaben für den Herdenschutz schon jetzt zunehmend an Haus- und Weidetieren vergreifen. Dennoch sehe das Umweltministerium erst bei einer drastischen Reduzierung der Wildbestände die Gefahr weiter steigender Risszahlen. Zudem verweise man darauf, dass Wölfe bei abnehmender Wilddichte ihre Rudelterritorien vergrößern würden. Auch unter den Wölfen dürfte diese Sichtweise für Streit sorgen, denn die für sie zur Verfügung stehende Fläche im Land Brandenburg sei inzwischen fast vollständig besetzt.

Henrik Wendorf, Präsident vom Landesbauernverband Brandenburg e.V. sieht darin „ein Messen mit zweierlei Maß“: „Wenn die Existenz der Weidetierhalter durch zunehmende Wolfsrisse bedroht wird, rät man den Landwirten zu Herdenschutzmaßnahmen und schließt bestandsregulierende Entnahmen aus. Auch Fischer und Angler müssen die erhebliche Konkurrenz durch Kormorane hinnehmen. Beim Schutz der Knospen und Triebe junger Bäume gegen den natürlichen Verbiss wird dagegen ausschließlich auf die drastische Reduzierung des Schalenwilds gesetzt. Diese Diskrepanz löst bei den Betroffenen Unterverständnis aus und zerstört das Vertrauen in die fachliche Arbeit des MLUK.“

Dr. Sabine Buder, FNB-Geschäftsführerin zeigt sich irritiert über die vielen unbeantworteten Fragen und die den Antworten immanenten Widersprüche: „Die Antworten auf die beiden kleinen Anfragen offenbaren auch, dass das MLUK bei vielen relevanten Aspekten der Jagd keine Angaben machen kann, scheinbar frei von Wissen und Expertise über genau jene Sachverhalte ist, die in der Jagdgesetznovellierung aufgegriffen werden sollen.“

Anzahl der Jagdscheininhaber?, Organisation der Jägerschaft in Verbänden?, Anzahl und Organisation der Jagdgenossenschaften?, Fälle von unsachgemäßem Gebrauch von Kirrmaterial?, Zusammenhang zwischen wachsendem Nutzungsdruck auf die Wälder und den Problemen beim Waldumbau?, Wildschäden im Wald und auf landwirtschaftlichen Flächen? – dazu liegen dem MLUK keine Informationen vor, heißt es immer wieder.

Obwohl das MLUK in den Antworten auch darlege, dass viele geschützte Tierarten auf dem Speiseplan von nachtaktivem Raubwild stehen und dessen Bejagung dem Artenschutz diene, solle die Nachtjagd auf Raubwild verboten werden.

„Es drängt sich der Verdacht auf, dass im MLUK das Verständnis für ein gesundes Waldökosystem abhandengekommen ist und der Kompass auf dem Weg zu mehr Biodiversität und Artenvielfallt dringend nachjustiert werden muss. Umso wichtiger wäre ein moderierter Dialogprozess zur Anpassung des Landesjagdgesetztes an die aktuellen Erfordernisse, bei dem auch Fachleute mit Praxisbezug ihre Expertise einbringen können.“ so Buder.

PM FNB


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