Corona-Drückjagd

1974

In diesem Jahr durchkreuzte, wie allen anderen Jägern im Land auch, das Virus unsere seit Anfang des Jahres bestehenden Drückjagdpläne. Da hieß es, kurzfristig umzudenken.

Markus Deutsch

Strecke der Corona-Drückjagd im Wild & Hund Testrevier
Foto: Johannes Ruttmann

Sollen wir überhaupt? Oder besser das Ganze in diesem Jahr abblasen? Als die Neuinfektionszahlen immer weiter hochschnellen, je näher der Drückjagdtermin am 31. Oktober rückt, tragen wir uns mehr und mehr mit dem Gedanken, die Jagd abzusagen: Rund 40 Jäger und Hundeführer sollen eigentlich anreisen, teilweise aus verschiedenen Regionen der Republik. In diesen Zeiten ein großes Risiko! Zudem arbeiten 17 davon im Paul Parey Verlag. Sollte im Nachhinein nur ein Verdachtsfall auftreten, stecken ­womöglich auf einen Schlag alle 17 in Quarantäne. Aber die Sauenschäden im Revier und die schwelende ASP-Lage im Osten sprechen für das Durchführen ­einer Drückjagd. Also: In den sauren ­Apfel beißen!

Die externen Gäste werden kurzfristig wieder ausgeladen – darunter leider auch eine sieben Kopf starke Hundemeute, die mit dem WuH-Schweißhund-Spezialisten Stefan Mayer aus Baden-Württemberg anrollen sollte. Wir beschränken uns in diesem Jahr auf Verlagsmitarbeiter, die sich ohnehin regelmäßig im selben Gebäude aufhalten, und deren Vierläufer. Somit versammeln sich am Morgen des 31. Oktobers 12 Schützen, 5 Durchgeher und 4 Hunde auf dem Speditionsparkplatz am Ortseingang von Ober­tiefenbach. Er bietet genügend Platz, damit alle Teilnehmer ausreichend ­Abstand voneinander halten können. Außerdem trägt jeder eine Maske. Die Gruppen ­bestehen meist nur aus ­Ansteller und einem Gast. Nach dem Begrüßen und dem Verkünden aller wichtigen Informationen zum Ablauf, rücken die Teilnehmer einzeln in ihren Wagen ab ins Revier.

Modisch einwandfrei bemundschutzt, erläutert Jagdleiter Markus Deutsch vor Beginn des Treibens den Ablauf unter Ausnahmebedingungen.
Foto: Agnes M. Langkau

Natürlich können wir bei einer so kleinen Truppe nur ausgewählte Stände besetzen. Das ist sehr schade, denn auch in diesem Jahr findet das Jagen rund um die Weiseler Höhe revierübergreifend statt. Wir liegen quasi im Herzen der sieben beteiligten Reviere. Somit kann zu jeder Zeit und nahezu überall im Testrevier Wild anwechseln. Wir konzentrieren uns auf zwei Schwerpunkte: Die Stände oberhalb des Steinbruchs und den Bestand östlich der Plätzer Mühle. Im letzteren streckte der im vergangenen Jahr gekürte Jagdkönig drei Sauen. Dazwischen liegen fast nur Stangenholz bzw. Hochwald und eine ehemals mit Fichten bestockte Parzelle, die nach dem käferbedingten Kahlschlag einer Mondlandschaft gleicht. Die wird das Wild nur in allergrößter Not als Fluchtwechsel annehmen.

Kurzhaarteckel „Carl“ bekommt seine Schutzweste bereits am Sammelplatz verpasst.
Foto: Johannes Ruttmann

Als sich die Treiberwehr in Bewegung setzt und die Hunde schnallt, dauert es gar nicht lange: Mit kräftigem Geläute bringen Kurzhaarteckel „Finn“, Steirische Rauhhaarbracke „Arthus“, Kleiner Münsterländer „Brennecke“ und Deutsch-Drahthaar „Delta“ das erste Wild in Wallung. Eine Ricke mit Kitz ist kurz in den Buchenrauschen zu sehen. Mit blitzenden Spiegeln flüchten sie in Richtung der Schützenlinie unweit der Plätzer Mühle. Gespannt wartet die Treiberschar auf einen Schussknall, aber es bleibt ruhig.

Durchgeher Moritz Englert, Hans Jörg Nagel und Max Sattler (v. l.) verschnaufen kurz, bevor es weiter durch den Bestand geht.
Foto: Johannes Ruttmann

Nach einem Nord-Ost-Schwenk gehts in Richtung Steinbruch vor. Schüsse waren bisher nur wenige und entfernt zu hören. Als sich die Treiber ohne weiteren Wildkontakt schon etwas entmutigt der noch erhaltenen Fichtenschonung unterhalb des Steinbruchs nähern, kommt Bewegung in die Sache: „Da oben ist gerade eine ­Bache mit sechs Frischlingen über die Rückegasse ­gewechselt. Das war aber für mich zu weit“, weist uns Kollege Falk Haacker ein.
Wir richten uns noch einmal aus, dann gehts ins Sauenversteck. Allerdings hält es die Schwarzkittel nicht lange. Bereits als wir die ersten Schritte in den Busch setzen, ruft Falk: „Die sind gerade auf demselben Wechsel wieder raus und beim Nachbarn rein.“

Welche Revierecken die besenderte Rauhhaarbracke „Arthus“ bereits durchstöbert hat, ist auf dem Display zu sehen.
Foto: Agnes M. Langkau

Nach einer kurzen Tränkpause für Hund und Mensch am Bunker vorm Steinbruch gehts in den zweiten Abschnitt. Von dort waren einige Schüsse zu hören. Mal sehen, ob das im Test­revier oder im Forst war.
Auf dem ersten Stand oberhalb des Steinbruchs hatte Dr. Karl-Heinz Betz bereits Waidmannsheil: Ein Frischling und ein Fuchs gehen auf sein Konto. Überhaupt scheint heute in dieser Ecke des Reviers mehr los zu sein. Die Hunde sind im dichteren Unterholz viel interessierter dabei als im ersten Abschnitt.

Die erfolgreichen Jäger müssen in diesem Jahr, wenn möglich, allein bergen, um unnötige Kontakte zu vermeiden.
Foto: Johannes Ruttmann

Insgesamt kommen fünf Schwarzkittel, drei Rehe und ein Fuchs im Testrevier zur Strecke – alle um den Steinbruch. Die Plätzer-Mühle-Gruppe geht diesmal leider leer aus. Für die kleine, aber feine Jagdgesellschaft trotzdem ein gutes Ergebnis. Im Ganzen werden in den teilnehmenden Revieren 28 Sauen, 2 Stück Damwild, 16 Rehe und ein Fuchs erlegt. Auf Streckelegen und Schüsseltreiben verzichten wir in diesem Jagdjahr notgedrungen und schweren Herzens, aber das ­Feiern holen wir einfach im nächsten nach!

Weitere Artikel rund um das Geschehen im WILD & HUND-Testrevier gibt es hier.

Den Film zur Corona-Drückjagd sehen Sie ab dem 14. Januar auf PareyGO.

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