Der Sauenkalender

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Sauenkalender

WO, WANN UND WIE
Wer weiß, welche Flächen das Schwarzwild im Jahresverlauf bevorzugt, wird mehr Jagderfolg haben. Prof. Dr. Hans-Dieter Pfannenstiel hat dafür einen Leitfaden erarbeitet.

Januar/Februar
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Rottenstruktur: Im Normalfall sind Rotten im Januar bunt gemischt: Altbachen, jüngere und Überläuferbachen mit ihren Frischlingen. Auch reine Frischlingsrotten können vorkommen, deren Bache erlegt worden ist oder sich bereits zum Frischen zurückgezogen hat. Vor allem aber wird es Überläuferbachen einzeln oder in kleinen Rotten geben, die meist alle beschlagen sind. Die Rauschzeit geht dem Ende entgegen oder ist bereits beendet. Keiler werden deshalb oft nicht mehr bei den Rotten stehen. Einige Überläuferkeiler sind einzeln oder in Trupps anzutreffen. Im Februar sind die Rotten allenfalls kleiner geworden. Das macht es wahrscheinlicher, dass sich mehrere kleine zusammenschließen oder einzelne Stücke die Rotte wechseln. Beschlagene Überläuferbachen sind in dieser Zeit noch besser als solche anzusprechen.

Dort stecken die Sauen:
Die Feldfluren sind abgeräumt und bieten kaum mehr Deckung. Selbst die Winterbegrünung der Schläge wird durch Schnee und Frost so weit  zusammengebrochen sein, dass das Wild dort keine Deckung mehr findet. Es wird also von den Tageseinständen im Wald oder in größeren Feldgehölzen auf die Felder ziehen, wenn hier noch Erntereste liegen. Insbesondere auf der Wintersaat können dabei beträchtliche Schäden entstehen, wenn dort zuvor Mais gestanden hat und die Sauen nun Kolben
und Körner ausgraben. Grünland ist in dieser Zeit ebenso schadensanfällig, da Schwarzwild auf ihm nach Würmern und Insektenlarven bricht. Im Wald wird es weiter nach Mast suchen.
Jagd: Bei Schnee kann Schwarzwild auch nachts bejagt werden. Gerade im Offenland lässt es sich gut anpirschen. Die Leitbache erkennt man meist daran, dass sie unruhiger ist, etwas abseits steht und gelegentlich ihre Rotte umkreist. Erfolg versprechend sind auch Ansitze an den Wechseln von den Tageseinständen zu den Fraßplätzen. Im Wald kann man tagsüber gelegentlich in Dickungen mit Reihenpflanzung die Stücke im Kessel liegen sehen und anpirschen. Wenn man bei Schnee einige fest hat, sollte mit einem spontanen Standtreiben reagiert werden. Große Drückjagden sollten ab Januar nicht mehr stattfinden, da dann auch wiederkäuende Schalenwildarten beunruhigt werden würden. Das Hauptaugenmerk gilt den Frischlingen und Überläufern. Beschlagene Überläuferbachen sollten ebenfalls ins Visier genommen werden. Das ist keineswegs unwaidmännisch. Denn Es gibt keinen Tag im Jahr, an dem eine Bache nicht beschlagen ist oder führt oder beides. Es ist allemal besser, sie zu erlegen, bevor sie gefrischt haben. Auch im Februar sollten weiterhin Frischlinge und die gut anzusprechenden beschlagenen Überläuferbachen vorrangig erlegt werden. Besondere Vorsicht ist aber angesagt, bevor ein einzelnes Stück beschossen wird. Es könnte eine Bache sein, die bereits gefrischt hat. Diese sind meist wegen ihres aufgeregten und unsteten Verhaltens gut zu erkennen.

Schnee bietet Erfolgschancen: Diese Rotte sucht nachts nach Mast auf dem Boden. Einer der Frischlinge wäre passend.

März/April
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Rottenstruktur: Obwohl die Fortpflanzungsperiodik nicht mehr so streng ist wie früher, werden jetzt viele Bachen frischen. Man sollte aus Sicherheitsgründen keine allein ziehenden Stücke erlegen. Es sei denn, man kann sie sicher als Keiler oder noch beschlagene Bache ansprechen. Zunehmend tauchen im März auch Frischlingsrotten auf, deren Bachen sich zum Frischen abgesondert haben. Ende April sollten ältere Bachen, deren Rauschzyklus relativ fest an die Tageslängen gekoppelt ist, gefrischt haben. Nach Verlassen der Wurfkessel, etwa eine gute Woche nach dem Frischen, haben sich die Rotten
neu formiert und bestehen, neben den Bachen mit ihren Frischlingen, aus den Überläufern.
Auch einzelne Bachen mit ihren Frischlingen kommen vor. Überläuferkeiler können die Rotten bereits verlassen haben und vagabundieren einzeln oder in kleineren Trupps umher. Sie wandern oft weit aus ihrem ursprünglichen Lebensraum ab. Diese Tendenz verstärkt sich noch in den Folgemonaten. Die zweijährigen und älteren Keiler leben ganzjährig außerhalb der Rauschzeit als Einzelgänger.
Dort stecken die Sauen: Auf den Feldern finden die Sauen im März Ernterückstände.
Starker Frost kann aber im Spätwinter das Brechen erschweren. Lässt man das Schwarzwild gewähren, können gerade jetzt auf der Wintersaat und den Wiesen erhebliche
Schäden entstehen. Im Spätwinter ist tägliche Kontrolle der potenziellen Schadflächen angesagt. Im Laubwald finden sie zudem noch Mast. Mit der Klimaveränderung geht ein früherer Beginn der Vegetationszeit einher. Die Sauen finden daher im April neben Waldmast und Ernterückständen bereits frisches Grün. Das wird gerne aufgenommen, vor allem von säugenden Bachen. Schon Ende April kann die Vegetation so hoch und dicht sein, dass die Schwarzkittel in der Feldflur ihren Tageseinstand einnehmen. Vor allem Rapsfelder werden oft schon attraktiv für sie.
Jagd: Auf Schadflächen, etwa bei frisch gelegtem Mais, muss bei schlechtem Licht sehr genau hingeschaut werden, ob stärkere Stücke kleine Frischlinge dabei haben. Bei Frischlingsrotten ohne Bache sollte im März jede Chance genutzt und auch die Gestreiften erlegt werden. Wenn wir Frischlinge nicht so früh und scharf wie möglich bejagen, werden wir nämlich die Forderung der Wildbiologie nach Abschuss von 80 Prozent eines jeden Frischlingsjahrgangs nie erfüllen können. Das ist unabhängig davon, ob man sie verwerten kann oder nicht. Das Erlegen eines Frischlings einer Rotte auf einer Schadfläche führt außerdem dazu, dass der Verband diese Fläche für Tage oder gar Wochen meidet. Von den
leicht zu bejagenden, weil unstet umherstreifenden Überläuferkeilern sollte man einige leben lassen, damit später reife Keiler im Bestand vorhanden sind. Ziehen nicht  beschlagene und nicht führende Überläuferbachen einzeln oder in kleinen Rotten umher, muss man sich auf diese fokussieren. Doch Vorsicht: Bei einzelnen Stücken kann es sich um Bachen handeln, die gefrischt haben und deren Nachwuchs im Wurfkessel liegt. Solche
Stücke sind oft besonders unruhig und aufgeregt.

Bereits im April können Rapsschläge den Sauen als gute Tageseinstände dienen.

Mai/Juni
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Rottenstruktur: Die Zusammensetzung ändert sich kaum. Frischlinge können Ende Mai schon zehn Kilogramm wiegen. Die meisten Überläuferkeiler haben die Rotten endgültig verlassen. Je nach den Gegebenheiten wechseln die Verbände noch häufig zwischen den Tageseinständen in Wald oder Schilf und der Feldflur, wo sie Fraß suchen. Später bleiben sie oft wochen- oder monatelang dort. Frischlinge können nun jeden Monat rund fünf Kilogramm zulegen. Die Rottenstruktur ändert sich auch im Juni kaum, obwohl einzelne
Stücke durchaus die Rotte wechseln können. Die Dynamik in und zwischen ihnen ist größer als bisher vermutet.
Dort stecken die Sauen: Gelegentlich hat Schwarzwild schon im Mai im Wintergetreide
seine Tageseinstände. Der Raps ist in voller Blüte oder bereits verblüht. Darin fühlen sich die Schwarzkittel genauso wohl. Gerne graben laktierende Bachen auf Wiesen oder an Wegrändern Löwenzahnwurzeln aus. Auf den Feldern wird das Getreide im Laufe des Sommers reif. Gerade in der Milchreife von Hafer und Weizen muss ständig kontrolliert werden, ob die Sauen dort zu Schaden gehen. Auch im Mais nehmen sie ihren Einstand, sobald er genügend Deckung bietet. Und wenn die Kolben langsam heranwachsen,
ist dort mit erheblichen Schäden zu rechnen.
Bejagung: Fehlstellen in Feldkulturen, Grabenränder und Wiesen sind die Orte, an denen mobile Ansitze hilfreich sind, falls man Sauen dort bestätigt. Die Nächte sind nun bereits so
kurz, dass die Dunkelphase dem Schwarzwild nicht ausreicht, um satt zu werden. Es streift vor allem morgens noch bei gutem Licht umher. Das Hauptaugenmerk muss nach wie vor auf den Frischlingen liegen. Wegen der hohen Vegetation wird es aber immer schwieriger, kleine Frischlinge zu sehen. Größte Vorsicht ist daher geboten, will man dem Nachwuchs nicht das Muttertier wegschießen. Für führungslose, schwache Frischlinge würde dies
unendliches Leid bedeuten. Die Wechsel zwischen Tageseinständen und Fraßstellen auf den Feldern muss man auskundschaften und sich dort ansetzen. Sobald Schwarzwild in den Kulturen zu Schaden geht: Ansitzböcke an Ein- und Auswechsel aus kleineren Schlägen, in denen die Sauen nur nachts zu Schaden gehen, platzieren. Wenn sie in großen Schlägen auch ihren Tageseinstand haben, können Spritzspuren oder Fehlstellen erfolgreiche  Jagdplätze sein. In großen Schlägen werden Sauen rasch tagaktiv. Das sollte beim Ansitz berücksichtigt werden. Im Getreide und im Raps muss auch besonders sorgfältig geschaut werden, ob Bachen Frischlinge führen. Keinesfalls darf jedes anscheinend einzelne Stück beschossen werden. Wenn sich Schwarzwild im Sommer vorwiegend im Wald aufhält,
sollten sie hier in dieser Zeit mit Rücksicht auf die Feldreviere nicht bejagt werden.

Erlegt in der Fehlstelle. Ab Juni kann der Weizen in die Milchreife kommen. Dann ist Vorsicht geboten.

Juli
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Rottenstruktur: Inzwischen ziehen Überläuferkeiler allein oder in Trupps unbekümmert
durch die Gegend. Dieses sorglose Verhalten macht sie zur leichten Beute des Jägers und führt zu ihrem relativ hohen Streckenanteil. Im Verhältnis dazu werden zu wenige Überläuferbachen geschossen. Die Frischlinge haben ihre Streifen verloren oder verlieren
sie gerade. Frühgefrischte können schon an die 20 Kilogramm wiegen. Mehrere Bachen mit ihren Frischlingen bilden teils recht kopfstarke Rotten.
Dort stecken die Sauen: Die Rotten halten sich tagsüber gern in großen Feldschlägen auf, wo sie Deckung und Fraß im Übermaß finden. Sauen im Wald sollte man jetzt mit
Rücksicht auf die Feldreviere und die dortigen Wildschäden nicht bejagen. Je mehr Raps- und Getreideschläge im Juli abgeerntet werden, desto stärker konzentrieren sich die Sauen im Mais, sobald er genügend Deckung bietet. Wenn die Kolben langsam heranwachsen,
ist dort unter Umständen mit erheblichen Schäden zu rechnen.
Jagdtipps: Gehen die Sauen nur nachts auf Feldern auf Fraßsuche, sind an bekannten
Ein- und Auswechseln Ansitzböcke oder -leitern das Mittel der Wahl. Morgens dürften die Chancen besonders groß sein. Hält sich Schwarzwild auch tagsüber im Feld auf, können Spritzspuren oder Fehlstellen geeignete Ansitzplätze sein. In großen Schlägen werden Sauen tagaktiv. Das muss der Jäger beim Ansitz dort berücksichtigen. Im Getreide und im Raps ein Stück erst beschießen, wenn es zweifelsfrei als nicht führend angesprochen wurde. Im Juli kann schon die Raps- oder Getreideernte einsetzen. Erntejagden lohnen dann durchaus. Dabei müssen aber einige Dinge strikt beachtet werden: Solche Jagden
muss man sehr sorgfältig vorbereiten und mit dem Landwirt besprechen. Jeder Schütze hat eine Ansitzeinrichtung zur Verfügung, keiner steht auf dem Boden. Niemals wird in den Schlag hineingeschossen. Es ist jederzeit auf die Standorte der Nachbarschützen und
vor allem auf die Erntemaschinen zu achten. Niemals wird von einem Mähdrescher oder einem Häcksler aus geschossen. Es lohnt sich übrigens, nach dem Abzug der Erntemaschinen abends noch eine Stunde auf dem Schlag zu bleiben, da die Sauen gerne mal die bereits abgeernteten Flächen „besichtigen“.

In den Sommermonaten sollte man den Rotten im Wald Ruhe gönnen.

August
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Rottenstruktur: An der Rottenstruktur ändert sich im Hochsommer wenig. Die scharfe und frühe Frischlingsbejagung, die gerade jetzt im Zeichen der herannahenden Afrikanischen Schweinepest besonders wichtig ist, sollte die Rotten schon ausgedünnt haben. Überläuferkeiler können weiterhin einzeln oder in kleinen Rotten umherziehen.
aber einige Dinge strikt beachtet werden: Solche Jagden muss man sehr sorgfältig vorbereiten und mit dem Landwirt besprechen. Jeder Schütze hat eine Ansitzeinrichtung
zur Verfügung, keiner steht auf dem Boden. Niemals wird in den Schlag hineingeschossen. Es ist jederzeit auf die Standorte der Nachbarschützen und vor allem auf die  Erntemaschinen zu achten. Niemals wird von einem Mähdrescher oder einem Häcksler aus
geschossen. Es lohnt sich übrigens, nach dem Abzug der Erntemaschinen abends noch eine Stunde auf dem Schlag zu bleiben, da die Sauen gerne mal die bereits abgeernteten Flächen „besichtigen“.
Dort stecken die Sauen: Nach wie vor tummeln sich die Schwarzkittel vor allem in der Feldflur. Große Maisschläge sind nun bevorzugte Einstände. Ziehen die Sauen nur nachts zur Fraßaufnahme dorthin, muss man die bevorzugten Tageseinstände und Wechsel suchen. Dichte Feldgehölze, Dickungen oder Schilfpartien in der Nähe werden gern  angenommen.
Jagdtipps: Das Suhlen ist für die Sauen gerade im Sommer wichtig. Man muss sie dort ja nicht unbedingt bejagen. Aber auf dem Wechsel zur und von der Suhle kann man versuchen, den einen oder anderen Frischling zu erlegen. Die Schwarzkittel kommen nun auch oft zum Schöpfen an Gräben oder andere Wasserstellen. Dort muss rechtzeitig
mit dem Freischneider für Schussfeld gesorgt werden. Gerne ziehen die Sauen nachts auch mal über Stoppeläcker und suchen nach Mäusenestern, besonders gerne, wenn das Stroh noch nicht gepresst ist. Selbst bei schwachem Mond lassen sich Rotten auf den hellen Stoppeln dann anpirschen, wobei guter Wind das A und O ist. Sind im Mais bereits Schadstellen vorhanden, kann man sich auf einer Leiter dort bei passendem Wind ansetzen. Nach wie vor brauchen die Frischlinge die Führung der Bache. Fehler lassen sich dabei vermeiden, indem aus den Rotten nur Frischlinge erlegt werden. Selbst wenn diese keine Streifen mehr haben, sollten Sie keine ältere Bache aus der Rotte erlegen. Streckt man eine Frischlingsbache, so schöpft man den gesamten potenziellen Reproduktionserfolg dieses Stückes ab. Eine ältere Bache hat vielleicht nur noch ein oder zweimal Frischlinge, spielt also „bevölkerungspolitisch“ keine so große Rolle mehr.

September
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Rottenstruktur: Bis in den Herbst gibt es jetzt kaum mehr Veränderungen in den Rotten, es sei denn, eine Leitbache wurde erlegt oder die eine oder andere Bache hat sehr spät gefrischt.
Dort stecken die Sauen: Tageseinstände sind immer noch Maisschläge, falls vorhanden.
Ansonsten ziehen die Sauen früh morgens vom Feld in den Wald.
Jagdtipps: Erfolg versprechend sind Ansitz an den Wechseln und Pirsch auf Stoppeläckern.
Ohne Mond dürfte die Jagd frühmorgens günstiger sein. Gegen Ende September wird
teilweise bereits Silomais gehäckselt. Legt der Landwirt vorher Schneisen im Mais an, lohnt sich dort der sofortige Ansitz, da Sauen gerne gleich nachschauen, was sich in ihrem Einstand verändert hat und oft bei bestem Licht auf den Schneisen „flanieren“. Entweder darf nur ein Schütze in einer Schneise ansitzen oder zwei Schützen sitzen Rücken
an Rücken und schießen nur in jeweils entgegengesetzte Richtung. Sind Maisschläge nicht zu groß, können sie mit geeigneten Hundemeuten durchgedrückt werden. Auch hier
dürfen Schützen nicht auf ebener Erde stehen. Leicht transportierbare Ansitzböcke sind dafür gut geeignet.

Oktober
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Rottenstruktur: Gut konditionierte Frischlingsbachen können bereits geschlechtsreif sein. Man kann also damit rechnen, dass schon mal ein Keiler mal bei den Rotten „vorbeischaut“.
Dort stecken die Sauen: Der noch stehende Mais ist der Hauptanziehungspunkt. Sie werden aber auch wieder verstärkt im Wald oder in geeigneten Feldgehölzen ihre Tageseinstände suchen und finden.

Sind die Erntemaschinen weg, halten Sauen Nachlese. Der Jäger sollte den Stoppeln also auch mal einen Besuch abstatten.

November/Dezember

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Rottenstruktur: In den Rotten sollten Frischlinge jetzt 30 Kilogramm oder mehr haben. Sie sind nicht mehr von der eigenen Mutter abhängig, bedürfen aber nach wie vor der Führung durch eine erfahrene Bache. Es kann zu dieser Zeit auch reine Überläuferbachenrotten geben. Mit reinen Frischlingstrupps ist ebenfalls zu rechnen, wenn deren Mütter Fehlabschüssen oder Verkehrsunfällen zum Opfer gefallen sind. Die Rauschzeit bringt viel Unruhe, und die Rotten sind oft auch tagsüber unterwegs.
Dort stecken die Sauen: Die Feldflur ist abgeerntet. Schwarzwild steckt nun vor allem
im Wald, bevorzugt dort, wo Mast zu finden ist. Vollmasten sind mit der globalen Erwärmung ja in immer kürzeren Abständen zu beobachten. Seit einigen Jahren werden
auch Felder in zunehmendem Maße durch Winterzwischenfrucht begrünt. Diese teilweise über einen Meter hohen Kulturen nimmt das Wild ebenfalls sehr gerne an.
Jagdtipps: Stecken die Sauen in der Winterbegrünung, dann sind Bejagungsschneisen unabdingbar. Ansonsten heißt es auf scharfen Frost warten, der die Vegetation zusammenbrechen lässt. Immer noch wird ein Großteil der Schwarzkittel in Deutschland an der Kirrung gestreckt. Wenn die Kirrung nicht in Fütterung ausartet, ist dagegen nichts einzuwenden. Gegen die auf den abgeernteten Schlägen liegen gebliebenen  Ernterückstände sind die Futtermengen bei sachgerechter Kirrung nämlich tatsächlich „Peanuts“. In Mastjahren nehmen die Sauen erfahrungsgemäß die Kirrung schlecht an. Revierübergreifende Bewegungsjagden sind bei entsprechenden naturräumlichen Gegebenheiten das Mittel der Wahl. Revieregoismus und Jagdneid müssen in den  Hintergrund treten. Über Reviergrenzen hinweg sollte bei der Schwarzwildbejagung übrigens ganzjährig gemeinsam gehandelt werden. Jetzt werden bereits Drückjagden im Wald durchgeführt. Nach wie vor kann man versuchen, die Sauen auf dem Wechsel zwischen Fraß und Tageseinstand abzupassen. Keiler aller Altersklassen können jetzt rauschig sein. Das ist stets der Fall, wenn sie sich bei der Rotte aufhalten. Das
Wildbret solcher Keiler darf wegen des geschlechtsspezifischen Geruchs nicht in Verkehr kommen. Wenn jetzt Körnermais geerntet wird, können die Sauen dabei unter den üblichen Sicherheitsstandards bejagt werden. Bei zunehmendem Mond verspricht die Pirsch auf den abgeernteten Feldern spannende und oft Erfolg versprechende Jagd.

Schilf oder Feldgehölze sind außerhalb des Waldes immer ein Hotspot für Sauen.
Schneisen im Mais ziehen die neugierigen Schwarzkittel an. Vielleicht lässt sich Ihr Landwirt auch dazu überreden.
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