Immer am Mann: Erste-Hilfe-Set für Hundeführer

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Besonders in der Drückjagdsaison, aber auch im normalen Jagdalltag, ist ein Unfall schnell passiert. Was gehört in das Notfall-Paket eines Hundeführers?

Hund auf dem Arm seines Hundeführers
(Foto: Michael Woisetschläger)

Jeder Jäger kennt die aufregende Situation, wenn bei der Jagd geschlagene oder sonst wie verletzte Hunde in aller Eile versorgt und schnellstmöglich in die nächste Klinik abtransportiert werden. Unsere Vierläufer werden im Jagdbetrieb bisweilen großen Gefahren ausgesetzt, und trotz aller Sicherheitsvorkehrungen kann immer etwas passieren. Ganz gleich, ob auf Drück- oder Baujagd, bei der Arbeit auf der Roten Fährte oder am Wasser: Erste Hilfe rettet Leben.

Es geht nicht darum, den Besuch beim Tierarzt oder – in schlimmeren Fällen – gar in der Tierklinik zu sparen, sondern ausschließlich um die Erstversorgung des Hundes. Blutungen stoppen, weitere Verletzungen vermeiden und soweit möglich Schmerzen lindern, bis der Profi im weißen Kittel sich um den Jagdkameraden kümmern kann.

Im Internet finden sich viele Infos zum Thema Erste-Hilfe-Ausrüstung für Hundeführer. Oft wird sich aus Mitteln bedient, die wir aus dem Auto-Verbandskasten kennen. Das ist praktisch, denn die meisten Jäger kennen diese Produkte noch aus dem Erste-Hilfe-Kurs für den Führerschein. Auf die Grundausstattung eines

Verbandskastens aufgebaut, kann mit wenigen Zutaten ein praktisches Set zusammengestellt werden, das im Notfall lebensrettende Sofortmaßnahmen ermöglicht.

Versorgt der Blutkreislauf die Organe des Hundes nicht ausreichend, kann es zu schwersten oder bleibenden Schäden kommen. Darum ist Eile geboten. Der Hund muss schleunigst zum Tierarzt!

Am schnellsten reagieren kann der Hundeführer, wenn er vor der Jagd eine Kopie der Revierkarte mit markierten, schnellen Abfahrtswegen ausgehändigt bekommt. Darin sind gegebenenfalls auch Stellen vermerkt, an denen das Mobilfunknetz funktioniert. Gerade in ausgedehnten, abseits gelegenen Waldgebieten ist eine Netzabdeckung in Deutschland keine Selbstverständlichkeit. Sinnvollerweise enthält die Kartenkopie gleichzeitig eine Telefonliste mit Nummern und Adressen nahe gelegener Tierarztpraxen oder -klinken mit Notdienst. Bei Gesellschaftsjagden ist es sinnvoll, wenn diese Praxen schon im Vorfeld rechtzeitig über den Jagdtermin und mögliche Notfälle informiert wurden.

Notfall-Set Erste Hilfe für den Hund

Maulschlinge

Eine Maulschlinge, die eine Gefährdung der Ersthelfer durch Bisse verhindert, kann aus einer Hundeleine, einer Mullbinde oder einem Band hergestellt werden. Dazu wird zuerst etwa mittig eine Schlaufe gebildet. Diese wird dem Hund so über den Fang gestreift, dass beide Enden nach oben zeigen. Beim Zuziehen darauf achten, dass sich die Zunge im Fang befindet und der Vierläufer nicht draufbeißt! Danach werden die beiden freien Enden unter den Fang geführt und dort erneut verschlauft. Anschließend die beiden freien Enden im Nacken mit einer Schleife fest zusammenbinden.

Selbstgebaute Maulschlinge für Hunde.
(Foto: Dr. Heike Hesse)

Vorsicht: Eine Maulschlinge darf nur angebracht werden, wenn der Hund keine Atemnot hat, nicht überhitzt ist und nicht erbrochen hat. Gut ist, wenn während des Anlegens gleichzeitig eine zweite Person den Hund fixiert und beruhigt.

Stilles Wasser

Sind Körperhöhlen geöffnet oder drängt Darm aus dem Bauch heraus, sollte man den Darm säubern. Gut eignet sich stilles Mineralwasser aus einer frisch geöffneten Flasche. Einen Drittel- oder halben Liter sollte jeder Hundeführer dabei- haben.

Drängt der Darm durch ein kleines Loch, kann er abgeschnürt werden. Deshalb kann es in diesem Fall sinnvoll sein, dass man ihn zurückschiebt. Dazu sollte man ihn kurz mit Wasser abspülen. Das befreit von Dreck und macht zudem die Oberfläche gleitfähig. So können die Darmschlingen leichter zurückgeschoben werden. Dabei ist Vorsicht geboten: Der Darm ist sehr druckempfindlich.

Säuberung eines hervorgetretenen Darms aus einer Verletzung.
(Foto: Dr. Heike Hesse)

Vital-Check

Ein schneller Gesundheits-Check kann auch dem ärztlichen Laien schnell Auskunft darüber geben, wie ernst die Situation ist. Dazu nachfolgend einige Normwerte und Methoden zum Überprüfen des Vitalstatus des Vierläufers.

 

Atemfrequenz: 15 bis 40 Atemzüge pro Minute
Für die Messung die Hand auf den Brustkorb des Hundes auflegen, 10 s die Atemzüge zählen und mit 6 multi- plizieren.

Puls: 60 bis 100 Schläge pro Minute bei großen Hunden, 70 bis 120 Schläge pro Minute bei kleinen Hunden
Mit den Fingern die Schlagader an der Innenseite des Oberschenkels fühlen, alternativ auf der linken Brustseite, etwa 4 bis 5 cm hinter dem Ellbogen, zwischen zwei Rippen. 10 s die Schläge zählen und mit 6 multiplizieren.

Mit dem Handy Puls beim Hund messen.
(Foto: Dr. Heike Hesse)

Herz-Kreislauf in Ordnung?

Mit dem Finger auf das Zahnfleisch drücken. Der dadurch verursachte helle Fleck sollte binnen 2s verschwunden sein. In gesundem Zustand ist die

Schleimhaut im Fang rosarot, glänzend und feucht.

Körpertemperatur: 38 bis 39 °C
Mit einem (digitalen ) Fieberthermometer im After messen.
Vorsicht: Ab 41 °C ist Fieber lebensbedrohlich.

 

Ausreichend Flüssigkeit im Körper?

Eine Hautfalte mit zwei Fingern aufziehen und wieder loslassen. Die Falte muss sofort wieder verschwinden. Bleibt sie etwas stehen, leidet der Hund an akutem Flüssigkeitsmangel. Auch trockene Schleimhäute können Anzei- chen für Dehydration sein.

Rettungsdecke

Rettungsfolie aus dem Verbandskasten.
(Foto: Dr. Heike Hesse)

Bei schwerem Blutverlust wird der Puls schwach, bis er fast nicht mehr gefühlt werden kann. Der Hund wird unruhig, beginnt zu zittern, und die Schleimhäute werden blass. Solche Kreislaufbeschwerden kann man ermitteln, indem man die Lefze hebt und den Finger auf das Zahnfleisch drückt. Spätestens zwei Sekunden nach dem Loslassen sollte es wieder rosafarben sein. Ist es hingegen porzellan-weiß, ist die Durchblutung mangelhaft. Der Vierläufer steht möglicherweise unter Schock.

Liegt ein Schock vor, werden Gehirn und Organe zu wenig mit Blut versorgt, die Situation ist lebensbedrohlich.

Der Hund muss warm gehalten werden. Das geht gut mit einer Rettungsfolie. Die hat keine wärmedämmende Funktion gegen kalten Boden, sondern reflektiert lediglich die Körperwärme. Dafür dreht man die silberne Seite zum Vierläufer und wickelt ihn komplett in die Folie ein, sodass nur der Kopf frei bleibt. Am besten erfüllt die Decke ihre Funktion, wenn sie nicht zu eng aufliegt und etwas Luft lässt.

Vorsicht: Unsichere Hunde werden durch das Rascheln der Decke zusätzlich aufgeregt, sodass in diesen Fällen eine Jacke die bessere Wahl sein kann!

Nylonstrumpf

Nylonstrumpfverband beim Hund.
(Foto: Dr. Heike Hesse)

Bei schwerem Blutverlust wird der Puls schwach, bis er fast nicht mehr gefühlt werden kann. Der Hund wird unruhig, beginnt zu zittern, und die Schleimhäute werden blass. Solche Kreislaufbeschwerden kann man ermitteln, indem man die Lefze hebt und den Finger auf das Zahnfleisch drückt. Spätestens zwei Sekunden nach dem Loslassen sollte es wieder rosafarben sein. Ist es hingegen porzellan-weiß, ist die Durchblutung mangelhaft. Der Vierläufer steht möglicherweise unter Schock.

Liegt ein Schock vor, werden Gehirn und Organe zu wenig mit Blut versorgt, die Situation ist lebensbedrohlich.

Einfach, aber wirkungsvoll lassen sich aufgerissene bzw. von Sau, Fuchs oder Waschbär zerbissene Behänge mit einer Strumpfhose verbinden. Zunächst wird die Blutung mit einer Kompresse, einer Mullbinde oder notfalls einem Ta- schentuch mit Druck auf die Wunde gestillt.

Um eine erneute Blutung beim Kopfschütteln zu vermeiden, wird aus einem Nylonstrumpf durch Abtrennen des Fußteils ein Schlauch hergestellt, der – über den Hundekopf gezogen – den Verband sicher fixiert und den Behang an den Schädel drückt.

Mullbinden/Wundgaze

Laufblutung beim Hund abbinden mit Quickclot zur Blutstillung.
(Foto: Dr. Heike Hesse, Hersteller)

Auf Körperstellen, auf denen man keinen Druckverband anlegen kann, legt man eine dünne Wundgaze und drückt sie mit einem oder zwei Fingern fest an. Ist die Blutung nach einigen Minuten nicht gestillt, muss abgebunden werden. Dazu kann man eine Mullbinde benutzen. Falls nötig, fädelt man einen Ast ein, dreht und nutzt ihn als Hebel. Die Uhrzeit wird notiert und die Stauung etwa alle zehn Minuten kurz gelöst, damit die Gliedmaße nicht abstirbt oder vergiftet wird. Bei den Läufen nie an oder direkt über einem Gelenk abbinden.

Tipp: Eine spezielle Gaze, die durch ihren Wirkstoff Kaolin blutstillend wirkt, wird von QuikClot in den USA hergestellt und ist im Internet erhältlich.

Frischhaltefolie

Offene Bauchverletzung beim Hund mit Frischhaltefolie.
(Foto: Dr. Heike Hesse)

Quellen Eingeweide heraus, können sie hängen bleiben, einreißen oder verschmutzen. Damit dies nicht passiert, kann man sie mit Frischhaltefolie fixieren, die mehrfach um den Hundebauch gewickelt wird. Alternativ eignen sich ein Dreiecktuch oder die Rettungsfolie aus dem Verbandskasten.

Auch ein geöffneter Brustkorb lässt sich so verschließen. Merke: Eine Brustverletzung reduziert das nutzbare Lungenvolumen. Man erleichtert dem Hund das Atmen, wenn er auf die Körperseite gelegt wird, auf der sich die Verletzung befindet.

Taschentuch

Beatmung eines Hundes.
(Foto: Dr. Heike Hesse)

Wenn der Hund nicht mehr atmet, kann man versuchen, ihn zu reanimieren. Dazu werden der Fang geöffnet, eventuelle Fremdkörper entfernt und der Kopf überstreckt. Bei leicht herausgezogener Zunge wird der Fang mit der Hand geschlossen. Dann – der Hygiene wegen durch ein Taschentuch – 6 bis 10 Mal pro Minute in eines oder beide Nasenlöcher blasen. Bei fehlendem Herzschlag kann man in Seitenlage für 6 bis 8 s den Brustkorb 10 bis 15 Mal in der Herzgegend hinter dem Ellbogen mit der flachen Hand komprimieren. Danach 2 bis 3 Mal beatmen. Dies abwechselnd wiederholen. Hat sich nach maximal 10 Minuten kein Erfolg eingestellt, ist die Wiederbelebung aussichtslos.

Binden/Israeli Bandage

Mullbinde aufdrücken, bei verletztem Hund.
(Foto: Dr. Heike Hesse, Hersteller)

Bei Wunden wird zuerst grober Schmutz entfernt. Bei starken Blutungen wird ein Päckchen Verbandmull auf die blutende Stelle gedrückt und fest mit einer elastischen Binde umwickelt.

Praktisch und für wenige Euro im Internet zu haben, ist die militärerprobte Israeli-Bandage. Diese besteht aus einer kräftigen, nicht klebenden Wundauflage, einem dehnbaren Gewebeband und einer Klammer, durch die Druck aufgebaut werden kann. Durch die Machart dieses Verbandes kann der Druck auch regelmäßig verändert und angepasst werden.


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