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Frettchen als Jagdhelfer

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Liebenswerte Stinker
Beißend, kratzend, stinkend – über Frettchen existieren jede Menge Vorurteile! Bei artgerechter Haltung sind sie jedoch angenehme Haustiere und hervorragende Helfer bei der Kaninchenjagd. RÜDIGER KLOTZ gibt Tipps zur Haltung, Zucht und Ausbildung.

Mit zwölf Jahren bekam ich von Jakob, dem ortsansässigen Jagdpächter, mein erstes Frettchen geschenkt – wohl in der Hoffnung, endlich einen Dummen gefunden zu haben, der für ihn bei der Karnickeljagd das Frettchen setzt. Um es vorweg zu nehmen: Er hatte den Dummen gefunden und fürs Leben mit dem „Frettchen-Virus“ infiziert. Wenig später kam noch ein Iltis- Rüde dazu. Damals kam ich gar nicht auf den Gedanken, die beiden zusammen in einem Kasten zu halten. Alte, „erfahrene“ Jäger hatten mir nämlich gesagt, Frettchen müssten allein in einer Art Kaninchenstall untergebracht sein. Andernfalls würden sie bissig. Aus demselben Grund sollte man sie auch nur mit Milch und Weißbrot füttern. Was für ein Blödsinn!
Ohnehin geisterten damals wahre Mordgeschichten um diese kleinen Raubtiere, weshalb ich einen Riesenrespekt vor den nadelspitzen Zähnen hatte und anfangs immer nur mit dicken Lederhandschuhen zum Füttern ging. Nun will ich die vor über 40 Jahren gemachten Fehler
nicht alle aufzählen, denn rückblickend könnte ich mir die Ohren lang ziehen. Unsere Frettchen haben es heute aufgrund artgemäßer Unterbringung sowie Ernährung besser und danken es damit, dass sie der Familie und den Nachbarkindern harmlose Haustiere und mir zuverlässige Jagdhelfer sind. Vegetierten meine ersten Frettchen noch in Einzelhaft in ausgedienten Kaninchenställen dahin, so stellen wir unseren kleinen Stinkern heute „ein Doppelhaus mit zwei Schlafzimmern, zwei Essräumen und Frettchenklo sowie einen Abenteuerspielplatz mit Ferienhütten“ zur Verfügung. Aber im Ernst: Von Natur aus ist der
Iltis sehr standorttreu. Er beansprucht nur einen kleinen Lebensraum, der aber sehr vielfältig gestaltet sein muss. Die Frettchenhaltung sollte sich daran orientieren. Unsere „Zwingeranlage“ steht an der Südwand der Garage. Frettchen lieben die Wärme. Wenn die Sonne zu stark scheint, wird ein Sonnenschirm aufgespannt. Auf einer Grundfläche von 300 x 60 Zentimetern (cm) befinden sich an beiden Stirnseiten zwei nur etwa 30 cm breite
Schlafkammern, die noch einmal mittig unterteilt sind. Der hintere Raum ist doppelwandig isoliert und wird im Winterhalbjahr mit (Farn-)Stroh und Federn ausgepolstert. Übrigens: Getrockneter Farn enthält einen Naturwirkstoff gegen Flöhe. Den entstandenen Vorraum nutzen die Frettchen gern als Fressplatz. Die Räume sind durch kreisrunde Schlupflöcher (8 cm) miteinander verbunden. Zwischen den beiden Schlafkammern befindet sich ein Drahtauslauf, in dem die Frettchen ständig ihr Frischwasser und einmal täglich ihr Futter finden. Der Auslauf kann mittig durch einen Schieber unterteilt werden – wichtig im Falle
des Züchtens, damit die Fähe ihre Ruhe hat. Im Drahtauslauf steht eine Schale mit Kleintier-Einstreu, weil die Stinker schnell daran gewöhnt werden können, immer dieselbe Ecke als Losungsplatz zu benutzen. Anfangs muss die Losung lediglich immer wieder in die gewünschte Ecke gelegt werden. So wird die Geruchsbelästigung erträglich gehalten, zumal der Kot einmal täglich entfernt wird.

Von oben lässt sichder Doppelzwinger durch vier Klappen öffnen, damit Schlafräume und etwa sieben Quadratmeter große Voliere führt. Die Frettchen lieben dieses Rohr, dass sie mehrmals am Tag ohne ersichtliliegen. Ein geschlossener Kasten mit Schlupfloch wird vor allem im Sommer gern als Schlafplatz genutzt. Mittig platziert dienen Baumwurzeln und ein hängendes PVC-Rohr als Klettergedas wird von den spielfreudigen Haustieren begeistert angenommen. Den Clou bildet im Hochsommer ein alter mit Wasser gefüllter Bräter, den die Ratze als Swimmingpool „missbrauchen“.

Gelegentlich toben vier Generationen Frettchen, Rüden und Fähen miteinander in der Voliere. Ein unterhaltsames Schauspiel, was mich immer wieder darin bestärkt, die selbst gezogenen Frettchen nur paarweise unter Zusicherung der Volierenhaltung abzugeben. Eine Einzelhaft ist für diese geselligen Tiere nicht artgerecht!
Erwirbt man nun (mindestens) zwei Frettchen, vertragen sich Rüde und Fähe am besten. Bei Geschwistern ist aber dann eine Nachzucht unerwünscht, weshalb der Rüde zum Ende des ersten Lebensjahres vom Tierarzt kastriert werden sollte. Dadurch verringert sich übrigens auch der arttypische Geruch. Allerdings sollten die „Stinkdrüsen“ auf keinen Fall
entfernt werden. Sie sind für das körperliche Wohlbefinden, zur Hautpflege und die soziale Beziehung wichtig. Doch auch das Halten gleichgeschlechtlicher

Tiere ist erfahrungsgemäß unproblematisch. In jedem Fall wird dadurch die Dauerranz
der Fähe vermieden. Wird diese nämlich heiß und nicht gedeckt, kann es dazu führen, dass die Schnalle nicht mehr abschwillt. Ursache ist eine Östrogen-Überproduktion, die auf Dauer das Tier schwächt und sogar zum Verenden führen kann. Alle Frettchen leben bei uns zusammen in einer Volierenanlage. Nur wenn die Fähen heiß werden, trennen wir sie von den Rüden, bis die Schnalle abgeschwollen ist. Die Kondition der Tiere steht und fällt
mit einer artgerechten Ernährung. Einseitige Fütterung führt zu Durchfällen und Mangelerscheinungen. Anzeichen dafür äußern sich in stumpfem Balg und mangelhafter
Ausdauer. Beim Füttern sollte das vielfältige Beutespektrum des Iltis beachtet werden. So häufig wie möglich können also ganze Kleintiere, wie überfahrene Vögel, aber natürlich auch Aufbruch von Wild gereicht werden. Auf Drückjagden eimerweise gesammelte Innereien können dazu portionsweise eingefroren werden. Von der Familie verschmähtes, überreifes Obst ist für die Frettchen ein besonderer Leckerbissen. Grundsätzlich werden die Grundbedürfnisse der kleinen Jagdhelfer aber durch Katzentrockenfutter und frisches Wasser gedeckt. Das täglich frische Nass wird in schweren, flachen Tongefäßen angeboten.
Allerdings muss darauf geachtet werden, dass keine Futterreste übrig bleiben. Bei ständigem Fraßangebot werden die kleinen Jagdhelfer zu fett und somit nicht alt. Doch auch wenn die Ernährung stimmt, kann es zu Erkrankungen kommen. Manche
Frettchenhalter empfehlen deshalb eine jährliche Schutzimpfung gegen Staupe und Tollwut. Weitaus wichtiger ist aber der Schutz vor Parasiten, wie Würmern, Flöhen und Zecken. Mindestens halbjährig werden die Tiere mit einem Antiparasitica behandelt. Wöchentlich wird das Stroh gewechselt und die Anlage wird einmal jährlich desinfiziert. Das Züchten der Frettchen ist relativ unproblematisch. Die Ranz beginnt im März/April. Bei der Fähe macht sich dies durch eine anschwellende Schnalle bemerkbar. Hat sie ungefähr die fünffache
Größe erreicht, ist der geeignete Deckzeitpunkt gekommen. Das lautstarke und grobe Vorgehen des Rüden bei der Paarung ist nichts für sensible Naturen. Er packt dabei keckernd die schreiende Fähe im Genick. Die Tiere hängen längere Zeit, ähnlich wie Hunde. Vor dem Wölfen wird die Fähe isoliert und die Wurfkiste mit frischem Stroh ausgepolstert,
in dem sich die Fähe ein Nest baut.

Nach rund 40 bis 44 Tagen Tragzeit werden vier bis acht Welpen nackt und blind gewölft. Zu dieser Zeit sollte man die Wurfkiste nur kurz zur Kontrolle öffnen und vorher die Fähe durch Futter ablenken. Vorsicht: Manche Fähen reagieren äußerst allergisch auf diesen Eingriff in ihre Intimsphäre! Das kleinere Übel wäre der Biss, das größere das Töten der Jungen. Nach etwa zehn Tagen öffnen die Welpen die Seher. Spätestens wenn sie die Wurfkiste krabbelnd verlassen, sollte man mit der Zufütterung beginnen. Anfangs eignet sich ein leicht mit Wasser verdünntes Hundewelpen-Milchpulver. Danach erst püriertes, später unbehandeltes Katzendosenfutter, dann eingeweichtes Trockenfutter. Das frühe Zufüttern entlastet die Fähe spürbar. In den ersten zwei Wochen wird viermal täglich
gefüttert, was dann langsam reduziert werden kann. Sobald die Welpen richtig laufen können, darf das ganze Rudel zusammenkommen. Bereits in der Wurfkiste sollten die Welpen auf den Menschen geprägt und bei jeder Gelegenheit – auch mit der Fähe zusammen – in die Hand genommen werden. Es muss ein Vertrauensverhältnis entstehen, denn die Ausbildung besteht vornehmlich in der Gewöhnung an die Hand. Die Kleinen
erhalten Fraßbrocken aus der Hand und spüren schon bald, dass der Mensch ihnen nichts Böses will. Junge Frettchen liegen ruhig auf der ganzen Handfläche. Später trägt man sie, indem die Vorderläufe zwischen Zeige- und Ringfinger und der Daumen über das Genick fasst. So hängen sie in einer Art Tragschlaffe, als wenn die Fähe sie mit Genickbiss
schleppt. Wichtig ist, dass man nicht zu fest zupackt. Je stärker der Druck, umso mehr
windet sich das Tier, versucht zu kratzen und zu beißen, um dem unangenehmen
Gefühl zu entkommen. Handscheue und Bissigkeit sind die Folge. Gerade junge Frettchen beißen aber gern in alles, was sich bewegt. Mit Aggressivität hat das aber nichts zu tun. Es ist lediglich ihre Art, die Umwelt zu erfahren. Allerdings ist das Beißen gegenüber Menschen
natürlich unerwünscht. Reicht ein Pusten gegen die Nase nicht aus, schnippt man ihm vorsichtig mit dem Zeigefinger dagegen. Auf diese Art bekommt man erfahrungsgemäß
alle Frettchen handzahm. Einen Teil der jagdlichen Ausbildung übernehmen die Alttiere im abwechslungsreich gestalteten Zwinger.  Das Drainagerohr gewöhnt die Kleinen schon früh an das Schliefen, wenn sie den Großen folgen. Auch das Kommen auf den „Futterpfiff“ des Jägers lernen die Jungen von den Alten, wenn sie ihnen nachrennen. Dieser Pfiff ertönt
bei jeder Fraßgabe und ruft die Frettchen auch während der Jagd vom Bau ab. Große Freude macht man Frettchen auch, wenn sie frei über Wiesen oder Stoppelfelder tollen
dürfen. Es ist erstaunlich, wie schnell die Ratze in ihrem Buckelgalopp werden können. Einfangen ist kein Problem, sofern vorher die Lektionen „Handzahm“ und „Futterpfiff“
trainiert wurden. In der jagdarmen Zeit können Frettchen immer wieder einmal Futterschleppen arbeiten. Dabei werden quer durch den Garten, erst nur wenige Meter, Gescheideteile oder Kleintiere an einer Schnur geschleppt. Am Ende liegt die Beute. Bereits nach kurzer Zeit können die kleinen Räuber diese Schleppen perfekt ausarbeiten, vor allem
wenn sie zusätzlich aus der Hand mit Leckerlis, wie unbehandelten, aufgequollenen Rosinen oder Trockenobst belohnt werden. Bei dieser Arbeit geht es weniger um die Nasenleistung, als um eine sinnvolle Sommerbeschäftigung, um die Tiere zu bewegen, an den Partner Mensch zu gewöhnen und sie auf ihren jagdlichen Einsatz vorzubereiten.

Was sind eigentlich Frettchen?

Ursprung: Domestiziert aus Europäischem Waldiltis (Gattung der Stinkmarder), durch Mutation wurden Albinos selektiert, später kamen wieder andere Farbnuancen dazu.
Gewicht: je nach Zucht zwischen 800 und 2 500 g
Lebenserwartung: 7 bis 9 Jahre
Geschichtliche Erwähnungen:
Plinius (23–79 n. Chr.) beschrieb, wie Kaiser Augustus „Viverrae“ auf die Balearen entsandte, um dort der Kaninchenplage Herr zu werden. Auch Aris toteles berichtete im 4. Jahrhundert v. Chr. von Frettchen, die er „Ictis“ nannte. Diese Tiere fressen gern Honig und Vögel, seien aber auch hervorragende Jagdgehilfen, auch gegen Ratten und Mäuse. Als dann von den Römern die Kaninchen mit in das nordwestliche Europa genommen wurden, erschienen in ihrer Folge auch Iltis und Frettchen. Im 13. Jahrhundert wurden dann erstmals weiße, marderähnliche Tiere in Deutschland, aber auch England als Jagdhelfer erwähnt.

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