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„Generell geht vom Wolf keine Gefahr aus“

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Während das niedersächsische Umweltministerium eine Sitzung nach der anderen zum Thema Wolf abhält und fleißig Pressemitteilungen verschickt, werden die Wölfe nördlich von Hannover immer dreister.

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(Foto: Shutterstock)
Nachdem im Februar und Anfang März in den Landkreisen Vechta und Nienburg Wölfe durch ihre geringe Scheu vor dem Menschen aufgefallen waren und in Wildeshausen sogar ein Wolf durch eine Siedlung lief, gab es am 18. März im Heidedörfchen Ehlbeck eine weitere Begegnung mit Isegrim am hellen Nachmittag auf der Dorfstraße. Dort – am Rande des Wolfsreviers Truppenübungsplatz Munster – sollen die Wölfe schon häufiger in Ortsnähe gesichtet worden sein. Der Bürgermeister des Ortes verlangt nun von der rot-grünen Landesregierung Maßnahmen, um die Wölfe aus dem Ortsbereich zu vertreiben. Eltern würden ihre Kinder nicht mehr allein im Garten spielen lassen.
 
Zeitnah tagte dazu am 26. März im von Minister Stefan Wenzel (Grüne) geführten Umweltministerium in außerordentlicher Sitzung der Arbeitskreis Wolf. Anwesend waren nicht nur die Akteure auf Landesebene, sondern auch Wolfsexperten aus Sachsen, der Wildbiologe Ulrich Wotschikowsky aus dem bayerischen Oberammergau sowie per Videoschalte ein schwedischer Wolfsforscher. Wotschikowsky hatte im Vorfeld der Sitzung bereits vehemente Kritik am Wolfsmanagement des Landes geäußert. Die Landesregierung hätte viel zu spät auf die Übergriffe auf Schafe durch Wölfe reagiert und die Bevölkerung schlecht informiert. Eine Woche zuvor hatten die Oppositionsparteien CDU und FDP genau dies der Landesregierung im niedersächsischen Landtag vorgeworfen. Die Menschen würden mit ihren Sorgen alleingelassen.
 
Auch die angedachte Strategie des Umweltministeriums zur Vergrämung verhaltensauffälliger Wölfe hatte Wotschikowsky als nicht zielführend bezeichnet. Kritisiert wurde außerdem die lange Dauer der DNA-Analysen nach einem Angriff auf Nutztiere.
 
Das Umweltministerium hat sich die Kritik offensichtlich zu Herzen genommen, denn direkt nach der Sondersitzung des Arbeitskreises Wolf veröffentlichte es eine umfangreiche Mitteilung, in der es auf die bisherigen Maßnahmen, Arbeitskreise und das Netzwerk der mehr als 100 Wolfsberater in Niedersachsen hinweist.
 
Auch fünf Leitsätze zum Umgang mit dem Wolf wurden veröffentlicht:
  1. Der Wolf ist nach europäischem und nationalem Artenschutzrecht streng geschützt.
  2. Entsprechende Schutzmaßnahmen sind zu gewährleisten.
  3. Bei allen in diesem Zusammenhang zu veranlassenden Maßnahmen steht die Sicherheit des Menschen an erster Stelle.
  4. Die Interessen der Nutztierhalter müssen gewahrt bleiben.
  5. Alle Sichtungen werden überprüft und dokumentiert. Zeigt sich gegebenenfalls ein auffälliges Verhalten, sind die dafür geeigneten Maßnahmen zu ergreifen. Entsprechende gesetzliche Regelungen finden sich im Bundesnaturschutzgesetz und in den Leitlinien des Bundesamtes für Naturschutz.
Allerdings gilt auch nach den jüngsten Zwischenfällen mit Wölfen inmitten von Ortschaften für das Umweltministerium, dass gelegentliche Sichtungen in der Nähe von oder gar in Siedlungen nicht automatisch als auffällig einzustufen seien. Generell gehe von einem Wolf keine Gefahr aus, hieß es. Gleichwohl könne aber beim Umgang mit Wildtieren keine hundertprozentige Sicherheit garantiert werden.
 
mh
 

Fakten zum Wolfsmanagement in Niedersachsen

 
» Wolfskonzept des Umweltministeriums Niedersachsen
(regelt das Wolfsmanagement in Niedersachsen)
 
(regelt Förderung von Präventionsmaßnahmen)
Nutztierrisse durch Wölfe werden in ganz Niedersachsen zu 100% ausgeglichen. Präventionsmaßnahmen werden für Nutztierhalter in Landkreisen unterstützt, die in der Förderkulisse Herdenschutz verortet sind. Die Förderkulisse wird dynamisch angepasst.
 
(Wolfsmonitoring und Protokollierung von Nutztierrissen)
Das Land hat bisher über 100 Wolfsberater benannt und geschult, die professionell durch die Wolfsbeauftrage der Landesjägerschaft koordiniert werden. Die Wolfsberater sind Ansprechpartner vor Ort und beraten auch Nutztierhalter bei Herdenschutzmaßnahmen.
» Niedersächsischer Landesbetrieb für Wasserwirtschaft, Küsten- und Naturschutz (NLWKN, regelt die amtliche Feststellung über den Verursacher von Nutztierrissen Bearbeitung, von DNA-Nachweisen sowie Beratung zum Herdenschutz, ist dem Umweltministerium zugeordnet, stellt bei Bedarf Herdenschutzmaterialien als Soforthilfe zur Verfügung)
 
Der Arbeitskreis Wolf, in dem Nutztierhalter, Wissenschaft, Umweltverbände, Landesjägerschaft und weiter relevante Gruppen, berät das Land regelmäßig in grundsätzlichen Fragen zum Wolf. Derzeit bereitet das Umweltministerium gemeinsam mit Nutztierhaltern ein Pilotprojekt vor, bei dem die Einsatzmöglichkeit des Esels als Herdenschutztier erforscht wird. Das Konzept zum Umgang mit Wölfen in Niedersachsen wird aktuell unter Einbeziehung des AK-Wolf überarbeitet und an die aktuelle Situation angepasst. Eine erste Erörterung dazu erfolgte im November 2014.
 
Das Umweltministerium Niedersachsen bietet auf seiner Website umfangreiche Informationen zum Wolf mit allen Pressmitteilungen, Reden und Hinweisen bei einer Begegnung mit dem Wolf.
 
Monitoring von Großraubtieren in Deutschland, Projektteam „Grundlagen für Managementkonzepte für die Rückkehr von Großraubtieren – Rahmenplan Wolf“

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