GUT GEGRUNZT – Rottumtaler Schwarzwildlocker

1989
Rottumtaler Schwarzwildlocker

ROTTUMTALER SCHWARZWILDLOCKER
Nach langer Entwicklungsphase wagt sich WuH-Experte Klaus Demmel mit zwei neuen Lockinstrumenten auf Hochwildterrain. Wir stellen sie vor und geben Tipps, wann ihr Einsatz besonders Erfolg versprechend ist. Peter Schmitt

Das revierübergreifende Treiben läuft bereits eine halbe Stunde. Weit entfernt ertönt Hundelaut – dann ist wieder Ruhe. Plötzlich knackt es in der angrenzenden Dickung. Immer
wieder brechen kleine Äste an ungefähr der gleichen Stelle. Erfolglos versucht der Schütze, den Dickungsrand mit seinen Blicken zu durchdringen. War da nicht ein leises Grunzen? Der Jäger greift zum Saulocker, den er für alle Fälle parat hat. Verhalten und monoton
klingen seine nachgeahmten Grunzer. Kurze Pause – noch mal das Gleiche. Eine Bewegung am Einstandsrand, und drei Überläufer trollen Richtung Stand. Als sie auf etwa zwanzig Meter heran sind, reißt es den ersten in den Schnee. Repetieren, mitschwingen, und auch der zweite Schuss sitzt. Die dritte Wutz kommt ungeschoren davon. Milde Winter, teils ohne Schnee, gestalten die Jagd auf das ständig zunehmende Schwarzwild nicht gerade einfach. Zudem durchschauen die lernfähigen Wutzen immer öfter unsere Jagdstrategien. Wohl der Hauptgrund, weshalb WuH-Lockjagdexperte Klaus Demmel über Jahre mit einer
Frage förmlich bombardiert wurde: „Kann man Sauen akustisch locken?“ Hier gehen die Meinungen in der Jägerschaft weit auseinander. Auch Demmel stand der Sache anfangs
sehr skeptisch gegenüber. Jedoch ließ ihm das Thema keine Ruhe. Und so begann er schon vor einigen Jahren – ganz im Stillen – in seiner Rottumtaler-Werkstatt zu basteln. Ein Lockinstrument zu entwickeln, ist die eine Sache, das Wissen, es auch richtig einzusetzen, eine ganz andere. „Es ist nicht meine Art, einen Locker zu bauen und die Jäger einfach
drauflos grunzen zu lassen. Ohne Hintergrundwissen geht es bei der Lockjagd nicht, bei Sauen ohnehin nicht“, so der Experte. „Das Verhalten und die Lautäußerungen des Wildes
wollten sorgfältig studiert sein.“ Was der Profi zu diesem Zeitpunkt allerdings noch nicht ahnte: Es sollte ein immens zeitraubendes Unterfangen werden, die verschiedenen Laute der Schwarzkittel zu sammeln, zu deuten und nachahmen zu können.

Zum Glück stand ein etwa 700 Hektargroßes, naturnahes Jagdgatter zur Verfügung. Alleine in freier Wildbahn, wo Sauen in der Regel meist nachtaktiv sind, wären diese Studien
mit Sicherheit nicht möglich gewesen. Schnell war klar, dass die Borstenträger aufgrund ihres ausgeprägten Sozialverhaltens auch über einen enormen „Sprachschatz“ verfügen. Zeitgleich lief in der Rottumtaler-Werkstatt die Entwicklung des neuen Lockers auf Hochtouren. Schließlich mussten die neu gewonnenen Erkenntnisse auf das Instrument
„übertragen“ werden. Aber es war technisch nicht möglich, alle Laute vom geringen Frischling bis hin zum groben Keiler in einem Locker zu vereinen. Da Demmel aber der festen Überzeugung war, dass sich auch mit Frischlingslauten schussbare Sauen locken lassen, musste ein zweiter Locker her – der „Spezial-Frischling“. Bei beiden Rottumtaler Schwarzwildlockern werden laut Hersteller hochwertige, UV-beständige Materialien
verwendet, die selbst Minustemperaturen im zweistelligen Bereich standhalten sollen. Als Klangkörper dienen flexible Stretch-Schläuche. Das hat den Vorteil, dass Sauen verschiedener Altersklassen nachgeahmt werden können. Gegenüber starren Rohren passt der Rottumtaler in jede Jackentasche.
Reh- oder Hirschhorn fand dieses Mal beim Bau keine Verwendung. Es mag ein kleiner Stilbruch sein, doch für Demmel stehen Funktion und Praxistauglichkeit im Vordergrund.

Für den Stand am Dickungsrand führt Demmel den Locker auch bei Drückjagden

Die Töne beider Instrumente klangen vorerst vielversprechend. Doch was würden die Sauen davon halten? Der Praxistest sollte für Klarheit sorgen. Über Wochen kamen die Locker im Großgatter in verschiedenen Situationen zum Einsatz, und das Schwarzwild reagierte auf die Laute. Aber würden sie auch bei Wutzen in freier Wildbahn funktionieren? Nach zahlreichen Ansitzen und Drückjagden verschiedener Tester stand fest, dass auch sie, genau wie ihre Artgenossen im Großgatter, reagierten. Der immense Aufwand hatte sich gelohnt.

Tipps für die Praxis
Damit auch Ihnen die Rottumtaler Schwarzwildlocker Waidmannsheil bescheren, verriet uns Klaus Demmel Kniffe, die wir Ihnen keinesfalls vorenthalten wollen.
Es ist bekannt, dass Sauen nicht besonders gut äugen, jedoch ein außerordentlich gutes Gehör haben. Sie können auf kürzere Distanz Geräuschquellen sehr gut lokalisieren. Daher wissen sie auch, dass ihre Artgenossen nicht von den Bäumen grunzen. Also gilt: Je weniger Sichtfeld, desto niedriger sollte der Sitz sein. Im Wald haben sich niedrige Drückjagdböcke und die Jagd vom Sitzstock bestens bewährt. Im Feld, wo in der Regel weite Sicht gegeben ist, ist die Höhe vom Sitz eher zweitrangig. Egal, von wo gelockt wird, die Laute sollten immer Richtung Boden gespielt werden. Von dort aus werden die Schallwellen weitergeleitet, und das Ganze wirkt auf das Schwarzwild natürlicher.
Bei der Blattjagd oder der Reizjagd auf Reineke dreht sich alles um Paarung oder Beute. Bei der Lockjagd auf Schwarzwild muss der Jäger umdenken. Sie ähnelt eher der auf
Krähen. Ob Rabenvögel oder Schwarzkittel: Intelligent sind sie beide, und beide haben ein ausgeprägtes Sozialverhalten sowie einen vielfältigen „Sprachschatz“. Diese komplexe Kommunikation macht sich der Jäger zunutze. Schafft er es, den Sauen eine bestimmte Situation vorzugaukeln, weckt er deren Vertrauen und lenkt sie zu sich.

www.klaus-demmel.de
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