Hasen taxieren

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Hasen taxieren

Aus dem WILD UND HUND-Testrevier

Ein guter Feldhasenbesatz im Frühjahr ließ uns auf eine kleine, winterliche Treibjagd hoffen. Nach den Zählungen im Herbst wollten wir eine Entscheidung fällen. FABIAN NEUBERT berichtet.

Das Testrevier ist kein typisches Hasenrevier, wie die am Rhein oder im niedersächsischen Flachland. Und doch fanden hier vor nicht allzu langer Zeit noch Treibjagden mit durchaus ansehnlichen Strecken statt, hört man. Bislang jagte die Redaktion hauptsächlich vom Ansitz auf den einen oder anderen Küchenhasen. Weil in jüngerer Zeit bei der Einzeljagd stets mehrere Mümmelmänner in Anblick kamen, spielten wir bereits im Frühjahr mit dem Gedanken, einige Feldhasen auf einer kleinen, redaktions internen Treib jagd zu erlegen. Deshalb zählten wir mittels Scheinwerfertaxation Anfang März den Stammbesatz. Damals kamen wir auf knapp 14 Hasen je 100 Hektar Feldfläche. Bei einer Offenland-Fläche von 339 Hektar bedeutet dies einen Revierbesatz von etwa 50 Hasen. Eine Zahl, die aufhorchen ließ, denn der diesjährige Zuwachs wird im Herbst noch zum Stammbesatz addiert. Eine Herbsterfassung sollte Klarheit über den Zuwachs und somit über den jagdlich nutzbaren Besatzanteil geben. Gespannt und voller Vorfreude auf eine kleine Streife zählten wir Mitte Oktober erneut. Doch bereits nach wenigen Kilometern verdrängte Ernüchterung unsere Euphorie. Auf der Revierkarte verzeichneten wir vier Feldhasen auf der Zählfläche. Das entspricht 2,6 Hasen je 100 Hektar Feldfläche oder neun Hasen im gesamten Revier. Können die Daten stimmen? Sollte unser Hasenbesatz tatsächlich um über 80 Prozent eingebrochen sein?

Ursachenforschung: Wo sind die Hasen? Der Lebensraum hat sich nicht verschlechtert. Landwirt Eckbert Drese ließ erstmalig sogar einige Stoppelbrachen bis Ende Oktober unbearbeitet. Das Wetter im März und April war jedoch vergleichsweise schlecht. Erfahrungsgemäß überlebt vom ersten Satz Junghasen aber ohnehin nur ein Bruchteil. Zu bedenken ist auch, dass die Methodik der Scheinwerfertaxation in den Mittelgebirgen nur bedingt funktioniert. Das kupierte Gelände, die Hecken am Wegesrand und der Schlagschatten einzelner Obstbäume auf den Feldern sorgen dafür, dass nicht alle Langohren erfasst werden. Für ein solch niederschmetterndes Zählergebnis können diese Ungenauigkeiten jedoch nicht verantwortlich sein. Ein weiterer Faktor könnte auch die Prädation sein. Im vergangenen Jagdjahr erbeuteten wir 30 Füchse, fünf Dachse und über 100 Rabenvögel. Dadurch war der Prädationsdruck speziell auf die Junghasen und Dreiläufer vergleichsweise gering und der Stammbesatz der Hasen im Frühjahr entsprechend hoch. In diesem Jagdjahr hingegen verzeichneten wir bis Redaktionsschluss drei Füchse und 23 Krähen im Streckenbuch.

Eine zweite Zählung bringt Gewissheit
Da wir uns das spärliche Ergebnis nicht erklären konnten, und uns ernsthafte Sorgen um unseren Feldhasenbesatz machten, sollte eine zweite Zählung Gewissheit bringen. Kaum zu glauben: 24 Hasen tauchten im Scheinwerferkegel auf. Nach der Hochrechnung bedeutet dies, dass sich etwa 16 Hasen je 100 Hektar, beziehungsweise 54 Stück auf der gesamten Feldfläche tummeln. Diese Zahl kam deutlich realistischer vor, zumal wir Doppelzählungen
definitiv ausschließen konnten.
Bei der frühen Erfassung zog der erste Nachtfrost des Jahres über den Taunus. Vermutlich waren die Hasen deshalb nicht auf den Läufen. Ob wir im Winter eine Treibjagd veranstalten, steht noch nicht fest. Einen radikalen Besatzeinbruch, wie nach der ersten Erfassung vermutet, können wir zum Glück ausschließen.
Nur drei Hasen sind nach der ersten Taxation auf der Revierkarte vermerkt. Die zweite Zählung bestätigte 24.