Hausgemachte Hundepfeife – Der Kniff mit dem Pfiff

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Die Hundepfeife gehört zum Hundeführer wie der Hut zum Jäger. Über beides machen wir uns nicht viel Gedanken, sondern kaufen oft das Erstbeste. Dabei lohnt es sich, vor allem bei den Pfeifen genauer hinzusehen. Der Tüftler Thomas Schuhmann hat eine Pfeife entwickelt, mit der man auf ein und demselben Mundstück pfeifen und trillern kann. Julia Numßen hat sich bei ihm in der Werkstatt umgesehen.

Die Büffelhornpfeife funktionierte nicht. Thomas Schuhmann hatte sie sich gerade in einem Jagdgeschäft besorgt. Der Triller war kein richtiger Triller, und der Pfiff hörte sich eher wie ein heulender Teekessel an. Er reinigte die Von-der-Stange-Pfeife, besserte sie nach, aber sie klang immer noch nicht schrill genug. Außerdem schmeckte das Büffelhorn komisch, und das Mundstück war zu breit. Nein, mit so einem Ding um den Hals wollte er mit seinem jungen schwarzen Labradorrüden „Sammy“ nicht in die Hundeschule gehen. Welch ein Glück für uns Hundeführer, denn nun setzte sich Schuhmann in seine kleine Werkstatt und schnitzte Pfeifen, sowie er es als Junge von seinem Vater gelernt hatte. Lange, kurze,

Pfeifen
Fotos: Julian Nussen

knuffige, gedrechselte, mal aus Mirabellen-, Buchen- oder Fliederholz, mal aus Rehbockgehörn. Feine sogenannte „Normal-Pfiff-Pfeifen“, die im Deutschen Retriever Club, in dem Schuhmann und „Sammy“ die Hundeschule absolvierten, Aufsehen erregten. „Wo hast du die denn her. Schaut ja toll aus. Wo kann man sowas kaufen?“ Und so setzte sich derMann aus der Rhön in seine Werkstatt und schnitzte und drechselte pfiffige Instrumente für seine Hundeführerfreunde.

Eigentlich ist Schuhmann gelernter Landbau-Techniker, betreut aber jetzt gemeinsam mit Behinderten einen Friedhof. „Ich bin selbstständiger Dienstleister – und Hundepfeifenbauer.“ Am liebsten werkelt er mit blau- oder rotblühendem Fliederholz. „Das Kernholz ist, wenn’s abgelagert ist, hart und dicht. Es ist lebendig gemasert und hat eine tolle Färbung.“ Aber es ist schwierig zu bekommen, denn dicke Fliederstämme gibt’s nicht an jeder Ecke.

Deshalb heißt es für Schuhmann und „Sammy“ beim Spazierengehen immer „Augen auf“. Der Pfeifenbauer: „Das Holz darf auch ein paar Verwachsungen haben, die sorgen für entsprechenden Schwung in der Maserung. Bloß bei der Mirabelle muss man aufpassen. Das Holz sieht anfangs sehr schön aus, dunkelt aber stark nach und schwupps, ist die Maserung weg.“ Doch so hübsch die Rhöner-Unikate waren, sie hatten ein Problem: Man konnte mit ihnen nur pfeifen, nicht trillern. Aber der Triller mit dem dazugehörigen „Down“-Kommando ist auch für die Retriever-Ausbildung ein Muss. Schließlich kam der Jäger Ellmar Meder auf den „Daniel Düsentrieb“ aus der Rhön zu und sagte: „Ist doch blöd, dass man die normale Kombi-Pfeife immer drehen muss, je nachdem ob man trillern oder pfeifen will. Eine Pfeife, die beides kann, aber nur mit einem Mundstück, das wär’s doch, oder?“ Schuhmann und Meder gingen in die Werkstatt. Kann doch nicht so schwer sein, dachten sich die beiden. Sie tüftelten und tüftelten. Wochen und Monate vergingen. „Ich hab’s mit eingebauten Klappen versucht, mit speziell gebohrten Strömungskanälen, anderen Materialien – keine Chance.“ Dann endlich, nach einem Jahr Pfeifenarbeit, hatte Schuhmann den Kniff raus. Die Lösung war ganz einfach:

Ein Loch an die Unterseite in den langen Strömungskanal gebohrt, Korkkugel hinein, fertig. Für den Normalpfiff einfach hinein pusten, für den Triller das Loch mit dem Daumen zuhalten. Kein hastiges Drehen mehr – wie bei den herkömmlichen Pfeifen von vorne nach hinten und umgekehrt –, sondern nur Daumen rauf oder Daumen runter. „Der Triller bei unseren Kombi-Pfeifen entsteht dadurch, dass das Loch vom Strömungskanal zugehalten wird. Die Luft kann dort nicht raus, verwirbelt die leiche Korkkugel und schon trillert’s.“ Natürlich haben sich Meder und Schuhmann diesen Trick patentieren lassen.

Das war der Durchbruch. Egal, wo Schuhmann sich mit seinen Normal-Pfiff-und Kombi-Pfeifen blicken ließ, ob bei Hunde-Workingtests der Retriever oder auf kleinen Jagdmessen – sie wurden ihm aus den Händen gerissen. Die geschwungene Form, die eingearbeitete Daumenmulde, die Beißrille – über 1 000 solcher Pfeifen bringt er im Jahr an die Hälse der Hundeführer. Trotzdem bleibt Schuhmann noch genügend Zeit, Sonderwünsche zu erfüllen. „Ein Hundezüchter hatte in seinem Zwingernamen die ,Eule’ mit eingebaut und wollte deshalb gern Hundepfeifen in dieser Vogel-Form.“ Also schnitzte er Eulen. Auch Elfenbein verarbeitet der 48-Jährige gern. „Sieht wirklich schmuck aus und ist äußerst stabil.“ Als einmal ein Kunde anrief und den Tüftler fragte, was er alles für Materialien verwendet, und der prompt antwortete: „ab und zu auch Elfenbein“, legte der andere einfach den Telefonhörer auf. „Dabei ist das doch alles offiziell aus- und eingeführt.“

Initialien hineinschnitzen oder reinbrennen, kleine Gravuren auf Stahlplättchen, Hornpfeifen kombiniert mit Holz, feine Elfenbeinpfeifen – alles kein Problem. Und wer einen etwas tieferen Pfeifton bevorzugt, der wird ihn hier bekommen. Wenn Schuhmann seine Pfeifen in der kleinen Werkstatt ausprobiert, muss man sich die Ohren zuhalten. Doch „Sammy“, der dort häufig auf den Holzbohlen ausgestreckt liegt, macht das schon lange nichtsmehr aus. „Das Problem ist nur, dass er dann draußen manchmal nicht mehr hört. Nachdem Motto: Schon wieder Triller, schon wieder Pfiff; du pfeifst doch eh den ganzen Tag.“

Der Renner unter den Rhöner-Hunde-pfeifen ist die Kombi-Pfeife. Leider ist in dem Preis nicht in begriffen, dass Ihr Hund dann auf Pfiff auch wirklich zu Ihnen kommt und beim Trillerklappmesserartig ins „Down“ zusammenfällt

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