International German RedFox Award 2013

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WILD UND HUND 5/2013

Füchse erlegen, bedrohte Arten schützen und Bälge nutzen. Mit dem zum einzigen Branchenpreis avancierten Kürschnerwettbewerb möchte WILD UND HUND einen Anreiz für Jäger und Kürschner schaffen, das heimische Haarraubwild wieder stärker zu verwerten.

Rotes Gold
Sachte spielt der Wind mit den roten Grannen. Sie geben ihm bereitwillig nach. Behutsam, wie bei einem Tanz, wiegt er sie hin und her – an Eleganz kaum zu überbieten. Eine Szene voller Weichheit und Wärme. Im Sucher leuchtet ein grellroter Punkt auf. Der Druck des Fingers wird entschiedener.
Ein kurzes Klicken, ein Blitz, und die Grannen erstarren in ihrer Bewegung. Die Bilder des Fotoshootings mit den Gewinnermodellen des International German RedFox Awards 2013 sind im Kasten. Und die darin eingefangene Kulisse aus französischem Kalkstein und Beton lässt die Protagonisten glänzen: Fuchsbälge aus heimischen Revieren.
Jährlich werden in Deutschland über eine halbe Millionen Füchse erlegt, aber nur ein Bruchteil davon wird zu Pelzen verarbeitet. Aktuellen Zahlen zufolge kaum über 5 000 Stück. Während international gesehen Wildpelz etwa 15 bis 20 Prozent des gesamten Pelzhandels ausmacht, fristet er hierzulande noch weitgehend ein Schattendasein. „Das mag zum einen daran liegen, dass wir bisher keine ausgeprägte Kultur der Nutzung heimischer Ressourcen haben, zum anderen daran, dass es für viele Lieferanten einfacher ist, Farmfelle zu kaufen“, vermutet Susanne Kolb-Wachtel vom Deutschen Pelz Institut. Insbesondere aber auch die vielfältigen Farbschattierungen der Bälge heimischer Rotfüchse veranlassen viele Kürschner bisher dazu, auf kanadische Füchse zurückzugreifen. Ihre Färbung ist einheitlicher.
Zudem merken die Kürschner an, dass die Mehrzahl der Füchse in den Frühjahrs- und Sommermonaten erlegt werden. Zeiten, in denen ihre Bälge für eine Weiterverarbeitung nicht verwendbar sind. Die Pelzverarbeiter benötigen in erster Linie eine große Zahl einheitlicher Bälge. Lange Zeit waren allerdings die Ankaufspreise im Keller – vorbei die Tage, in welchen man sich durch den Balgverkauf noch die eigene Flinte finanzieren konnte.

 


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Dass der gesamte Fuchsbalg einsetzbar ist, zeigt das Innenfutter eines Herrenparkas. Hierfür wurden die Fuchsläufe verarbeitet. (Foto: S. Obermeier)
Bereits in der Vergangenheit gab es einzelne regionale Initiativen, wie den Verein „Artenreiches Land – Lebenswerte Stadt“ in Feuchtwangen, die versuchten, mit einer engen Kooperation zwischen Jägern und Kürschnern die Verwertung reifer Bälge zu fördern. Zu einem bundes- oder gar europaweiten Modell haben sie es jedoch nie geschafft.
Allerdings könnte der International German RedFox Award zu einem werden. Sein Vorbild ist in Österreich zu finden. Seit sechs Jahren wird dort der Red Fox Austria Award vergeben. Dessen Resonanz ist alljährlich groß, und die Nachfrage nach Pelz aus heimischer Jagd ist bereits enorm angestiegen. Binnen von fünf Jahren hat sich in der Alpenrepublik die Anzahl gegerbter Bälge verdreifacht. Eine Entwicklung, die also auch für Deutschland als realistisch erscheint.
Wie vielfältig einsetzbar Rotfuchs ist, zeigte sich beim diesjährigen International German RedFox Award. Er wurde Anfang Februar im Rahmen der Messe „Jagd & Hund“ in Dortmund vergeben. Unter 37 Kreationen mit Fuchspelz von 27 Kürschnern aus aller Welt wählte eine internationale Jury, die sich aus Handwerkern, Modeschaffenden, Jägern und Designern zusammensetzte. Für den Wettbewerb durften die Kürschner nur Bälge wild lebender Füchse verwenden – Felle aus Zuchtfarmen waren tabu.
Und so stellt sich manchem Waidmann die Frage: Warum soll ich mir die Arbeit machen, wenn ich nur wenig dafür bekomme? Seitens der Jäger herrscht zudem allzu oft Unkenntnis beispielsweise über die Technik des Fuchsstreifens oder das Trocknen der Bälge. Vielen sind auch die unterschiedlichen Vermarktungsmöglichkeiten ihrer Rohware nicht bewusst.
Mit dem von WILD UND HUND ins Leben gerufenen International German RedFox Award sollen diese Vorbehalte überwunden werden und die verschiedenen Partner, wie Jäger, Gerber und Kürschner, zusammengebracht werden. „Wir wollen nicht nur, dass Jäger ihre erlegten Winterfüchse vermehrt verwerten, sondern auch, dass das Kürschnerhandwerk verstärkt auf die heimischen Produkte aus freier Wildbahn zurückgreift. Unser Ziel ist es, wieder einen echten Markt dafür zu schaffen. Und ein erster Erfolg zeichnet sich schon ab: Die Balgankaufspreise steigen an!“, so WuH-Chefredakteur Heiko Hornung.

 


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Grelle Blitze und rote Grannen Im Anschluss an den diesjährigen International RedFox Award fotografierte Christian Lünig die Gewinnermodelle 2013. Die Fotomodels kamen von der Agentur Kelly Faces.
Jedem teilnehmenden Kürschner stellte WILD UND HUND drei Bälge kostenfrei zur Verfügung. Sie konnten in Kombination mit allen Materialien zu Damen- und Herrenoberbekleidung oder Accessoires verarbeitet werden. Bewertet wurde nach dem optischen Gesamteindruck, Kreativität und Verarbeitung sowie Funktionalität der Handwerksstücke (siehe hierzu auch WILD UND HUND 4/2013, Seite 62).
Ob geschoren oder ungeschoren, ob zu gewachstem Leinen, Leder oder zu Loden – Fuchspelz macht in jeglicher Verarbeitungsweise und zu allem eine gute Figur. Der Wettbewerb verdeutlichte einmal mehr, dass das Kürschnerhandwerk mehr ist als schwere klassische Pelzmäntel – nämlich modern und innovativ. Nutzen und schützen. Das ist die Philosophie, die hinter dem von WILD UND HUND ausgelobten Preis steht.
Wie eng Artenschutz und Balgverwertung miteinander verknüpft sind, zeigt etwa auch das Beispiel „Aktionsplan Auerwild“ im Schwarzwald. Im Rahmen dessen wird an einem Fell-Label gearbeitet, das Käufern zeigt, dass es sich bei der Pelzware um ein natürliches und nachhaltig gewonnenes Produkt aus der heimischen Kulturlandschaft handelt. Zudem macht es deutlich: Fuchsjagd kommt dem bedrohten Auerwild und vielen anderen seltenen Arten der Hochlagen zugute.
Auch Heiko Hornung wird nicht müde zu betonen: „Fuchsbalg erfüllt mit seiner hervorragenden Öko-Bilanz alle Prinzipien der UN-Biodiversitätskonvention.“ Vermeintliche Alternativen wie Kunstfelle, sind keine Alternativen. Sie sind weder ökologisch oder nachhaltig, noch ressourcenschonend. Denn für ihre Herstellung wird vor allem eines benötigt: Unmengen von Erdöl. Die Folgen davon, Bohrinselbrände, verschmutzte Strände und zerstörte Gewässer, geistern in trauriger Regelmäßigkeit durch die Medien.

 


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Großer Auftritt auf der Messe „Jagd & Hund“: Egal ob zu Leder oder Loden (im Bild), Fuchspelz harmoniert mit vielen Materialien. (Foto: Peter Schmitt)
Weltweit steigt die Nachfrage nach Pelz. Mit einem Handelsvolumen von circa 15 Milliarden US-Dollar wurden in den vergangenen Jahren Höchststände erreicht. Allerdings ist der größte Anteil davon Zuchtpelz. Der positive Einfluss auf Wildbälge bleibt trotzdem nicht aus. Insbesondere Einkäufer aus China und Russland dominieren die großen Pelzauktionen in Hongkong, Mailand oder Kopenhagen. Die Felleinkäufer aus dem Osten haben durch den immensen Bedarf die Preise in die Höhe schnellen lassen, teilweise sogar vervierfacht.
Dadurch ist auch der heimische Rotfuchs wieder interessant geworden. Balghändler, wie die Firma Hofstetter, bieten bereits jetzt wieder 20 Euro pro getrocknetem Balg. Anfang 2012 waren es lediglich 14 Euro.
Auch der Umsatz der Branche in Deutschland nimmt, nach leichten Einbrüchen in den 1990er-Jahren, kontinuierlich zu und liegt derzeit bei über einer Milliarde Euro. Dennoch beklagen Branchenkenner das durch diverse Anti-Pelzkampagnen verunsicherte Konsumklima. Ein Lichtblick: Gerade junge Kunden scheinen wieder verstärkt Freude an Pelz zu haben.
Die Rückbesinnnung auf das Nutzen von hierzulande erlegtem Wild liegt WILD UND HUND als Grundlage für den International German RedFox Award besonders am Herzen. Denn Öffentlichkeit und Transparenz schaffen letztlich auch ein positives Gefühl und Vertrauen beim Endverbraucher.

 


Das Ziel ist definiert: Eine flächendeckende, enge Kooperation zwischen Jägern und weiterverarbeitenden Betrieben in ganz Deutschland. Die Vorteile liegen klar auf der Hand: vorhandene Ressourcen werden vermehrt genutzt, kurze Transportwege der bei der Jagd gewonnen Rohware, große Auswahl für die Kürschner und gesicherte Abnahmekanäle für die Waidmänner.
Schlussendlich erhält der Kunde ein Produkt von frei lebendem Wild, das er mit Stolz und gutem Gewissen tragen kann. Ein Produkt, das die Prädikate ressourcenschonend, nachhaltig und ökologisch wahrlich verdient.

 

 


International German RedFox Award 2014

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WILD UND HUND wird zusammen mit dem Zentralverband des Kürschnerhandwerks auch 2014 im Rahmen der Messe „Jagd & Hund“ den International German RedFox Award 2014 vergeben –erweitert um einen Jugendpreis und die Kategorie „Accessoire“. Der Wettbewerb im kommenden Jahr wird durch die Prof.-Elsässer-Stiftung gefördert.
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