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Besseres Ansehen für Jäger

1962
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Im Zuge ihrer Bachelorarbeit in Kommunikationsdesign an der Hochschule Rhein-Main in Wiesbaden, entwickelte Lisa Grunau eine Imagekampagne für die Jagd in Deutschland.

Lisa Grunau
Lisa Grunau sagt: „Die Jagd hat ein veraltetes Image und es ist nicht leicht, einem Nichtjäger die Notwendigkeit der Jagd und die Aufgaben transparent zu beleuchten. Genau dieser Problematik habe ich mich angenommen und eine transparente Kampagne entwickelt, die nicht in der „Jäger-Sprache“ mit der Zielgruppe kommuniziert.“
 
Die große Problematik für das Image der Jagd lasse sich aus ihrer Sicht in zwei Punkten erläutern:
  1. Die Zielgruppe habe grundsätzlich kein Interesse, sich mit der Jagd auseinanderzusetzen, habe aber dennoch, durch Erzählungen oder Missverständnis ein negatives Bild der Jagd.
  2. Die Sachverhalte der Jagd seien so komplex, dass die Zielgruppe die Thematik gar nicht richtig versteht.
Aus diesen Gründen, hat sie eine Sprache gewählt, die für den Nichtjäger leicht verständlich ist und ist gezielt auch in die neuen Medien gegangen und hat eine Website entwickelt. Die Bildsprache ist eine zeitgemäße Darstellung, ohne märchenhafte Versprechungen zu machen.
 
WILD UND HUND hat mit der der Akademikerin gesprochen.

Interview mit Lisa Grunau

Sie haben eine moderne Image-Kampagne für die Jägerschaft entworfen. Wie sind Sie als Nicht-Jägerin dazu gekommen?

Mein Vater war Jäger und ich habe dadurch sehr positive Erfahrungen mit der Jagd gemacht. Die Nähe zur Natur, die Liebe zu Tieren und auch die Unausweichlichkeit des Todes, beim Fleischverzehr- all das war bei uns selbstverständlich. Wenn ich allerdings davon erzählt habe, bin ich ab und zu auf Widerstände gestoßen. Auch mit Vorurteilen und falschen Bildern über Jäger wurde ich konfrontiert. Das hat mich oft etwas verärgert, aber ich konnte auch Niemandem einen Vorwurf machen, schließlich ist es ein sehr komplexes Thema. Es kursieren auch viele Gerüchte und wie will man sich als Nichtjäger oder auch Jagd-Uninteressierter damit ausreichend auseinandersetzen, wenn ansprechendes Informationsmaterial fehlt!? Das hat mir den den Anstoß dazu gegeben, Informationsmaterial zu konzipieren, welches für Nichtjäger interessant aufbereitet ist.


Image Kampagne Jagd


Was war Ihnen bei der Kampagne besonders wichtig?

Die Dinge nicht ausschließlich positiv darzustellen, sondern zu versuchen, einen neutralen Raum für den Leser zu schaffen. Damit war meiner Meinung nach schon viel positive Aufklärung möglich. Die Kampagne benötigte gar nicht den vor Freude strahlenden Jäger, der das Kitz aus dem Feld rettet. Also dem Leser/Betracher Freiraum für Meinungsbildung zu schaffen, das war mir wichtig. Im Fokus meiner Kampagne steht die Transparenz der Jägerschaft. Alle Tätigkeiten des Waidwerkes möglichst komprimiert und objektiv zu vermitteln – das war mir ein Anliegen.


Image-Kampagne für die Jägerschaf


Worin unterscheidet sich Ihre Kampagne zu den bisherigen Aktivitäten?

Für mich war von Anfang an klar, dass ich eine Kampagne mache, für eine Zielgruppe, die grundsätzlich gar kein Interesse für das Thema Jagd hat. Und ich glaube, das ist auch das größte Unterscheidungsmerkmal zur bisherigen Herangehensweise. Wie sehr man sich auch bisher bemüht hatte, Inhalte zu vermitteln, so sehen sie doch immer wieder aufs Neue sehr nach „Jagd“ aus. Sie sprechen Jäger an, aber nicht Nichtjäger. Vor allem die Option, meine primären Kommunikationsmaßnahmen auch als Nichtjäger schnell erfassen zu können, also gezielt auf Jägersprache zu verzichten, damit der Lesende nicht schon nach den ersten Zeilen denkt „ Ja, ja, Halali und Horrido“, lag mir am Herzen. Ich bin mit der Jagd umgegangen, als wäre es ein Produkt, das bisher niemand kennt und das in den Markt eingeführt werden muss.


Image-Kampagne für die Jägerschaft


Was bedeutet das, „Nichtjäger-Sprache“?

Das bedeutet einen Kommunikationsweg zu finden, der die Zielgruppe auch anspricht.  Als ich meine Arbeit entwickelte bin ich immer wieder in den Dialog mit Jägern gegangen. Das bedeutet in diesem konkreten Fall überwiegend mit der Jägerschaft Wiesbaden, die mich tatkräftig unterstützte. Und ich habe dabei möglichst immer zwei Seiten Informationsmaterial  auf fünf Zeilen versucht zu kürzen, denn da sehe ich einen Knackpunkt in der Kommunikation. Um die Nichtjäger zu überzeugen, bedarf es jetzt erst mal keine Romane, die unbebildert und im jagdlichen grün daher kommen. Es bedarf Fakten, die man erst ein mal schnell erfassen kann: Der Wald ist nicht mehr wild (Punkt). Seuchen können ausbrechen (Punkt). Jäger schützen das Wild (Punkt). Und wenn man diese Fakten primär kommuniziert hat und Interesse geweckt hat, muss es natürlich auch sekundär die Möglichkeit für die Zielgruppe geben, sich genauer einzulesen.


Image-Kampagne für die Jägerschaft


Es ist Ihre Bachelorarbeit. Möchten Sie die Kampagne real umsetzen? Mit welchen finanziellen Mitteln?

Eine reale Umsetzung der Kampagne wäre wünschenswert, da sie im Vergleich zu bisherigen Maßnahmen anders ist und vielleicht genau deswegen gut funktionieren kann. Aber für eine Umsetzung benötige ich noch Investoren, die etwas für die Jagd und den Wald tun möchten.


Image-Kampagne für die Jägerschaft


Wie ist die Kampagne in der Jägerschaft angenommen worden?

Überraschend gut, ich habe mit so viel Zuspruch gar nicht gerechnet. Vor allem hätte ich nicht gedacht, dass das moderne Erscheinungsbild bei Jung- und Altjägern gleichermaßen gut ankommt. Und es scheint mir, dass die Jäger viel weiter und viel bereiter für neue Kommunikationswege sind, als ich vorerst dachte. Also: Lasst uns was tun!


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