PUDELPOINTER Mit Bart und Stirnlocke

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Keine Geringeren als die Altmeister „Oberländer“ und „Hegewald“ ergriffen Ende des 19. Jahrhundert die Initiative und setzten sich mit viel Idealismus und Überzeugungskraft für eine neue Jagdhundrasse ein, den Pudelpointer.

Uwe Steinhauer
Deutlicher kann man es nicht ausdrücken, was die Rüdemänner um Altmeister „Hegewald“ (Freiherr von Zedlitz) gegen 1880 veranlasste und bewegte, sich sehr idealistisch mit der Schaffung einer ganz neuen Jagdhundrasse zu befassen, als Carl Rehfus, besser bekannt unter dem Pseudonym „Oberländer“. Er beschreibt 1904 im Vorwort zum Band I des Pudelpointer-Stammbuchs die hochgesteckten Ziele mit folgenden, recht kernigen Worten: „Heute wie damals spreche ich es offen aus, dass der Pudelpointer nur dann Existenzberechtigung hat, wenn er dem deutschen Vorstehhund nicht allein gleichkommt, sondern wenn er ihn in wichtigsten Arbeitsfächern übertrifft! Und heute wie vor einem Jahrzehnt bekenne ich mich zu der Überzeugung, dass es möglich ist, durch verständnisvolle Mischung geeigneten Pudel- und Pointerblutes, durch rationelle Bearbeitung der gezüchteten Hunde und Weiterzüchtung mit durchgearbeitetem Material Gebrauchshunde zu schaffen, welche hinsichtlich Dressurfähigkeit, Vielseitigkeit, Frühreife, hauptsächlich aber hinsichtlich Findigkeit beim Verlorenapportieren, Spursicherheit und Veranlagung zum Totverbellen den besten deutschen Vorstehhund übertreffen!“ 1897 hatte Oberländer bereits zur Gründung des Vereins der Pudelpointer-Züchter aufgerufen und wurde im Vorstand zu Hegewalds erstem Stellvertreter gewählt.

Mit dem Fall des alten, feudalen Jagdrechts durch die Revolution von 1848 und der daraus entstandenen Bindung der Jagd an Grund und Boden, blühte die Niederwildjagd in Deutschland in den 70er und 80er Jahren des 19. Jahrhunderts auf. Das Reviersystem und niederwildfreundliche Landbewirtschaftung führten zu wachsenden Wildbeständen und -besätzen und erforderten in vielen Fällen geänderte Jagdmethoden. Die Entwicklung ging weg von den großen Hetzjagden und hin zur Einzeljagd oder Jagd in kleinem Kreis. Man
benötigte nicht mehr die schweren Packer und Hetzhunde, sondern den sicher verloren
bringenden Vorstehhund. Auch die rasante Weiterentwicklung der Jagdwaffen hatte Auswirkungen auf das Jagdhundewesen. Flugwild wurde beispielsweise nicht mehr in Netzen gefangen, sondern vorm Hund mit der Flinte bejagt. Diesen Anforderungen waren die damals vorhandenen deutschen Jagdgebrauchshunde nicht gewachsen. Die Folge:
Man holte immer mehr Pointer und Setter aus Großbritannien und setzte sie in den
heimischen Revieren ein. Zeitgleich fand ein unkontrolliertes Kreuzen von „ungeeignetem
Zuchtmaterial“ statt. Solche, als Neudeutsche Jagdhunde bezeichneten Zuchtprodukte, kamen infolgedessen oft als „Pointerlinge, Feldflitzer und Blendlaternen“ in Verruf. Die aufkommende kynologische Bewegung versuchte gegen Ende der 70er Jahre des 19. Jahrhunderts, die Rassen rein vom Exterieur her zu ordnen und durch Zuchtbestimmungen zu festigen. Der von vielen bevorzugte und angestrebte Weg zurück zum alten deutschen
Vorstehhund, dem sogenannten Hühnerhund, gelang nicht. Man wollte einen Vollgebrauchshund.

Pudelpointer werden in den Farbschlägen dunkelbraun, braun mittelbraun/dürrlaubfarben) und schwarz gezüchtet FOTOS: CHRISTINE STEIMER

Etwa zu diesem Zeitpunkt trat Hegewald mit seiner revolutionären Idee von einer völlig neuen Gebrauchshund-Rasse auf den Plan. Diese Überzeugung hatte er bereits in seinem 1881 erschienenen grundlegenden Werk niedergeschrieben. Dort heißt es unter anderem: „Der Gebrauchshund zur Jagd als fermer Vorstehhund, unbedingt zuverlässiger Apporteur und Verlorenapporteur (speziell scharf auf Raubzeug), Stöberer bei gehorsamen Appell, totverbellender Schweißhund.“ Dieser Hund sollte „feinnasig, rücksichtslos gegen sich selbst, wasserfreudig, schnell, ausdauernd, rauhaarig und von gedeckter Farbe“ sein. Vor allem aber auch „dressurfähig, leichtführig und von gutem Charakter.“ Diese Eigenschaften werden bis heute züchterisch verfolgt. Da Hegewald die Basis der damals noch vorhandenen rauhaarigen Vorstehhunde für den Aufbau einer neuen Gebrauchshundrasse
nicht ausreichend erschien, rief er 1881 zur Zucht des Pudelpointers auf. Die Zusammenführung der beiden unterschiedlichen Ursprungsrassen, die des Pointers und die des großen kraushaarigen Pudels, rief jedoch nicht überall uneingeschränkte Zustimmung
hervor. Heftige Proteste wurden laut. Wie konnte man sich nur etwas davon versprechen,
diese beiden grundverschiedenen Jagdhundrassen zusammenzuführen? Auf der einen Seite dieser Verbindung der Pointer: Einst und heute der Klassiker gekonnter Feldarbeit. Der elegante Engländer mit der weitreichenden, nie versagenden Nase, seinem feurigen Temperament, enormer Ausdauer und Schnelligkeit, raumgreifender Suche und bestechenden Vorstehmanieren. Und auf der anderen Seite der große kraushaarige Pudel, der bis rensuche, Stöberpassion, Wasserfreude und Raubwildschärfe mit einbrachte. Viele
der großen, kraushaarigen Pudel wurden übrigens bevorzugt von Förstern geführt.
Nachdem sich bereits zufällige Gebrauchshundkreuzungen mit Pudelblut bewährt hatten, wurde 1881 allen Anfechtungen der damaligen Kynologie zum Trotz der Anfang gewagt. Der erste gezielt gezüchtete Pudelpointerwurf fiel beim Stiftsförster Walter in Wolfsdorf bei Goldberg in Oberschlesien aus der schwarzen Pudelhündin „Molly“ nach dem weißbraunen Pointer schweren Schlages „Tell“. Aus dieser Verbindung stammt „Cora vom Wolfsdorf“,
die lange als das Leitbild für die Pudelpointerzucht galt.

Der Autor mit „PPS Maya vom Centralhof“. Einem von nur 49 Pudelpointersiegern (PPS) seit 1967

Etwa zu diesem Zeitpunkt trat Hegewald mit seiner revolutionären Idee von einer
völlig neuen Gebrauchshund-Rasse auf den Plan. Diese Überzeugung hatte er bereits
in seinem 1881 erschienenen grundlegenden Werk niedergeschrieben. Dort heißt es unter anderem: „Der Gebrauchshund zur Jagd als fermer Vorstehhund, unbedingt zuverlässiger Apporteur und Verlorenapporteur (speziell scharf auf Raubzeug), Stöberer bei gehorsamen Appell, totverbellender Schweißhund.“ Dieser Hund sollte „feinnasig, rücksichtslos gegen sich selbst, wasserfreudig, schnell, ausdauernd, rauhaarig und von gedeckter Farbe“ sein. Vor allem aber auch „dressurfähig, leichtführig und von gutem Charakter.“ Diese Eigenschaften werden bis heute züchterisch verfolgt.

Da Hegewald die Basis der damals noch vorhandenen rauhaarigen Vorstehhunde für den Aufbau einer neuen Gebrauchshundrasse nicht ausreichend erschien, rief er 1881 zur Zucht des Pudelpointers auf. Die Zusammenführung der beiden unterschiedlichen Ursprungsrassen, die des Pointers und die des großen kraushaarigen Pudels, rief jedoch nicht überall uneingeschränkte Zustimmung hervor. Heftige Proteste wurden laut. Wie
konnte man sich nur etwas davon versprechen, diese beiden grundverschiedenen Jagdhundrassen zusammenzuführen? Auf der einen Seite dieser Verbindung der Pointer: Einst und heute der Klassiker gekonnter Feldarbeit. Der elegante Engländer mit der weitreichenden, nie versagenden Nase, seinem feurigen Temperament, enormer Ausdauer und Schnelligkeit, raumgreifender Suche und bestechenden Vorstehmanieren. Und auf der anderen Seite der große kraushaarige Pudel, der bis ins vorige Jahrhundert hinein als vorzüglicher Jagdhund seine hohe Auffassungsgabe, Dressurfähigkeit, Spurwillen und Spurlaut, Bringfreude, Findigkeit bei der Verlorensuche, Stöberpassion, Wasserfreude
und Raubwildschärfe mit einbrachte. Viele der großen, kraushaarigen Pudel wurden
übrigens bevorzugt von Förstern geführt. Nachdem sich bereits zufällige Gebrauchshundkreuzungen mit Pudelblut bewährt hatten, wurde 1881 allen Anfechtungen
der damaligen Kynologie zum Trotz der Anfang gewagt. Der erste gezielt gezüchtete
Pudelpointerwurf fiel beim Stiftsförster Walter in Wolfsdorf bei Goldberg in Oberschlesien
aus der schwarzen Pudelhündin „Molly“ nach dem weißbraunen Pointer schweren Schlages „Tell“. Aus dieser Verbindung stammt „Cora vom Wolfsdorf“, die lange als das Leitbild für die Pudelpointerzucht galt.

Die Reizangel fördert den Beutetrieb der etwa acht Wochen alten Welpen, sowie deren natürliche Bewegungsabläufe, was die körperliche Konstitution der jungen Jagdhunde stärkt
Der Züchter bei der Welpenprägung am Fuchsbalg. Etwa 200 Pudelpointer werden jedes Jahr allein in Deutschland gewölft

Mit diesem Stamm züchtete man unter Zuführung von Pointerblut weiter und bereits
1892 wurden die ersten Pudelpointer nach bestandener Jagdgebrauchsprüfung (ähnlich der heutigen VGP) unter den Ziffern 6 und 7 in das „Deutsche Gebrauchshunde Stammbuch“ eingetragen. Neun Urstämme wurden zwischen 1885 und 1895 gezogen und begründeten die Zucht der Pudelpointer. Seitdem wurde der PP in Reinzucht mit gelegentlicher Zuführung von Pointerblut zur Blutauffrischung, um geno- und phänothypischen  Aufspaltungen und Inzuchtdepressionen entgegenzuwirken, gezüchtet. Seit 1990 läuft im Verein Pudelpointer (VPP) erneut ein Zuchtversuch mit Pointer und Pudel (WuH 15/1991). Dieses streng überwachte Experiment hat eine Verbreiterung der Zuchtbasis zum Ziel. Der Zuchtversuch ist inzwischen bei der F3-Generation angelangt. Die Hunde unterscheiden
sich hinsichtlich Exterieur und Leistung kaum noch von den Urstämmen. Der PP ist kein deutscher Vorstehhundschlag, was immer noch fälschlicherweise behauptet wird, sondern eine rauhaarige Vorstehhundrasse, die genetisch auf ihre beiden Ursprungsrassen (Pointer und Pudel) zurückgeht und völlig isoliert von den anderen Vorstehhundrassen entstanden
ist. Es ist jedoch unbestritten, dass der Pudelpointer maßgeblich zur Gründung des Deutsch-Drahthaar beigetragen hat. Der Pudelpointer wird seinem Rassestandard
entsprechend in den Farben einfarbig braun, dürrlaubfarben und schwarz gezüchtet. Nur kleine weiße Abzeichen sind zulässig. Rüden haben ein Stockmaß von 60 bis 68 Zentimetern, Hündinnen von 55 bis 63 Zentimetern. Das Fell soll aus geschlossenem, hartem, mittellangem Stockhaar mit guter Unterwolle bestehen. Das Deckhaar hat idealerweise auf dem Widerrist eine Länge von vier bis sechs Zentimetern. Der PP hat einen ausgeprägten Bart. Typisch für ihn sind die sogenannten Pudellocken als Stirnlocken. Großer züchterischer Wert wurde von Anfang an auf Spur- und Sichtlaut der Hunde gelegt, was sich auf den Verbandsprüfungen widerspiegelt. Der PP zeichnet sich durch  ührerbezogenheit, Leichtführigkeit und hohe Auffassungsgabe aus. Seine Schärfe ist dosiert, nicht „bekloppt“. Zuchtzulassung wird bei PP nur erteilt, wenn die HD-Freiheit der Hunde nachgewiesen wurde. Laut- und Härtenachweis (HN) sind ebenfalls unabdingbar und als Prüfungen müssen VJP, HZP mit Schweiß oder VGP erfolgreich absolviert worden sein. Als Form- und Haarwert muss minimal die Note „genügend“ erzielt worden sein, Wesensmängel bedeuten Zuchtausschluss.

Früh übt sich, ...
... wer später ein guter Totverbeller werden will

Der Verein Pudelpointer wurde 1987 gegründet, ist Mitglied im Jagdgebrauchshundverband (JGHV) und über den Verband für das Deutsche Hundewesen (VDH) in der Federation Cynologique Internationale (FCI) vertreten. Die etwa 1 000 Mitglieder sind in zehn Landesgruppen aufgeteilt, die unter einem geschäftsführenden
Vorstand die Interessen des PP vertreten. Jährlich werden etwa 200 Welpen in das
Zuchtbuch des Vereins Pudelpointer eingetragen. Jeder PP gehört ausschließlich in
Jägerhand. Aufgrund der Motivation und Betreuung der Welpenkäufer durch die
Züchter werden vergleichsweise viele Pudelpointern auf Verbandsprüfungen vorgestellt.
Der Pudelpointer wird, abgesehen von anderen Verbandsprüfungen entsprechend
seinem Erbe als Försterhund vielfach auf Verbandsschweißprüfungen (VSwP) geführt. Mit seit Jahrzehnten gleichbleibendem Zuspruch werden PPJährlinge auf der „Edgar Heyne Bundes- HPZ“ vorgestellt. Edgar Heyne führte von 1899 bis 1948 die Geschicke des VPP. Nachdem er den Verein aus den Wirren des Zweiten Weltkrieges wieder aufgerichtet hatte
und in verschiedenen Funktionen tätig war, wurde ihm zu Ehren die jährlich stattfindende
Herbstzuchtprüfung benannt. Die hohen züchterischen Ansprüche, die Zuchtzulassungskriterien und letztendlich auch durch das Festhalten an dem Gebot
der Reinzucht, hat sich das Erbe der beiden Ursprungsrassen bis heute in einem sehr hohen Maß erhalten und gefestigt. Der Pudelpointer findet seine Einsatzgebiete sowohl in den großen Feldjagden der Niederungen als auch in den Waldjagden unserer Mittel- und Hochgebirge. Obwohl der PP nicht als der ausgesprochene Feldspezialist gilt, lassen seine pointerähnliche weite Suche, seine Vorstehmanieren und Nasenleistungen das englische
Erbe erkennen. Zunehmend erobert der Pudelpointer auch alte Aufgabengebiete zurück. Ist er in den Anfängen seines Bestehens vielfach von den Förstern aus Eifel und Hunsrück als der „Waldhund“ auf Nachsuchen und allen anderen Arbeiten im Wald geführt worden, so findet der PP auch heute wieder zunehmend dort seinen Einsatz. Der sehr ausgeprägte Spur- und Finderwille in Verbindung mit dem hohen Anteil an spur- und sichtlauten Hunden machen ihn zu einem verlässlichen Waldjäger. Der Diskussion um geeignete Hunde für die Stöberjagd soll an dieser Stelle nicht fortgeführt werden. Es sei nur soviel gesagt, dass der Pudelpointer bedingt durch seine Rasse-Eigenschaften in Verbindung mit Führerbezogenheit und Jagdverstand erfolgreich von Jägern auch auf diesem Gebiet geführt wird, und auch bei der Arbeit an wehrhaftem Schwarzwild seine Bestimmung findet.

Bereits Hegewald formulierte 1881 den Anspruch an den PP: „Ein unbedingt zuverlässiger Apporteur und Verlorenapporteur...“

Zur Wasserpassion hier ein Zitat unserer Altvorderen: „Die Wasserpassion des Pudelpointers ist sprichwörtlich. Das durchschlagende Pudelerbe hat sich seit der Gründung der Urstämme bis auf den heutigen Tag erhalten. Ein Pudelpointer mit nur mäßiger Neigung für das nasse Element verdient nicht die Rassebezeichnung Pudelpointer.“ Dem ist auch heute nichts hinzuzufügen.