Raubwildbejagung Fängisches Winkeleisen

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Mit einem Abzugeisen Raubwild zu fangen ist nichts Neues, HANS BRÜGGEMANNS Montage des Eisens hingegen schon.

Der Einstieg in die Fangjagd wurde bei mir immer wieder von Rückschlägen begleitet. Zwar fing ich hin und wieder einen Marder oder Fuchs, doch dann passierte, obwohl ich scheinbar alles richtig gemacht hatte, wochenlang gar nichts. So probierte ich immer wieder neue Techniken aus, veränderte mal dies mal das – oft ohne Erfolg. Erst als ich das Abzugseisen nicht mehr flach in einem Bunker aufstellte, sondern rechtwinklig montierte, gelang mir der Durchbruch. Dabei wird der feste Bügel mittels zweier angeschweißter „Ohren“ an einer Bretterwand befestigt und der lose Bügel im Boden versteckt, sodass das Wild nicht das Eisen berührt. Durch die Position des losen Bügels erhöht sich zudem die
Schlagkraft des Abzugeisens.

Natürlich darf man das System nicht offen in den Wald stellen. Denn aus Gründen des Unfallschutzes dürfen Dritte den Köder oder Auslösemechanismus nicht erreichen. Um dies zu verhindern, wird die Falle mit einem entsprechend langen Tunnel aus einem robusten
verzinkten Drahtgeflecht verkleidet. Die Höhe des Tunnels entspricht dabei etwas mehr als dem Radius beziehungsweise der Höhe eines Fangbügels. Dadurch muss der Fuchs in die Falle kriechen, um an den leckeren Happen zu gelangen. Das wiederum gewährleistet, dass er nicht mit Metallteilen in Berührung kommt oder mit den Branten am Köder kratzen kann (Fehlfang). Das System baut man wie folgt: Eine 18 bis 20 Millimeter (mm) starke Holzplatte (43×28 cm) wird mit der Stichsäge halbmondförmig – der Falle angepasst –
zugeschnitten. Danach wird aus einem 10 mm starken und 95 cm langen Stück Torstahl ein Erdanker gebogen. Das obere Ende (10 cm) wird als Griff umgebogen. Torstahlstück Nummer 2 wird am oberen (8 cm) und unteren Ende (10 cm) umgebogen und mit Torstahlstück Nummer 1 verschweißt. Die Distanz zwischen den beiden oberen abgewinkelten Stücken beträgt etwa 5 cm. Unter- beziehungsweise oberhalb der beiden Schweißnähte wird je ein Loch gebohrt, damit man den Anker später mit Hilfe von zwei Schlüsselschrauben (8×60 mm) mit dem Kantholz (28x10x10 cm) der Rückwand der Falle (Halbmond) verbinden kann. Das Kantholz selbst wird mit vier bis sechs Holzschrauben
auf der Fallenrückwand befestigt. Danach werden alle Holzteile mit dunkler Holzschutzlasur gestrichen.

Um das Abzugeisen an der Rückwand befestigen zu können, werden am Arm der Falle links und rechts zwei Flacheisen mit 8-mm-Bohrung angeschweißt. Ist das geschehen (Rostschutz nicht vergessen!), wird die Falle mit zwei Schlossschrauben (6 mm) auf der Holzplatte verschraubt. Nun wird am Abzugteller (Eierbecher) ein 3 mm starker Edelstahldraht befestigt, der quer über den Teller, mit etwa 3 cm Abstand umgebogen wird.

Sicher ist sicher: Natürlich muss das Eisen vor unbefugtem Zugriff geschützt werden. Hier übernimmt ein Drahttunnel mit Sicherheitsauslöser diese Aufgabe. FOTOS: HANS BRÜGGEMANN
Fester Stand: Der Anker für die Falle wird aus robustem Torstahl angefertigt (oben) und am Kantholz der Fallenwand (links) verschraubt.

An diesem Draht wird später der Köder befestigt. Danach bekommen alle Teile eine Sonderbehandlung mit einem Gemisch aus Schweineschmalz und Speiseöl (Mischverhältnis 1:1). Als kleiner Zusatz kommt noch ein spezieller Duftstoff hinzu (Rezept siehe Kasten). Da die Reifung dieses Lockstoffes ein paar Monate dauert, muss am Anfang etwas Pansen,
Schweiß oder ähnliches genügen, um Reineke auf den Köder aufmerksam zu machen.
Das Schmalz-Öl-Gemisch lockt nicht nur Räuber an, sondern schützt auch die Metallteile vor Korrosion. Außerdem sorgt es dafür, dass die Metall-Kontakte im Winter nicht  zusammenfrieren. Nach dieser Prozedur darf – wie bereits geschildert – kein Teil der Falle mit bloßen Händen angefasst werden! Als Köder eignen sich Fallwildteile. Aber auch fettem, leicht angebratenem Speck (3x3x8 cm) können Füchse nicht widerstehen. Die Räuber lieben diese duftende Kalorienbombe! Als Fallenstandort sind Pässe erste Wahl. Aber nur dort, wo kein oder nur sehr wenig Publikums verkehr herrscht. Die Falle darf auf keinen Fall als solche zu erkennen sein. Ich bevorzuge daher als Standort abgelegene Fichtenschonungen und einzeln stehende Fichten, deren Äste bis zum Boden reichen. Aber
auch Hecken, dichte Knicks und Brombeerverhaue sind gut geeignet. Ein künstlicher Pass – je länger desto besser – weist den Räubern den Weg. Darauf ein paar Köderhappen verteilt, bringen die Beutegreifer schnell auf Trab und der Falle etwas näher.

Damit das Eisen am Holzhalbmond angeschraubt werden kann, müssen zwei Flacheisen mit 8-mm- Bohrung angeschweißt werden.
Fast alles dran: Der Halbmond mit Anker, Sicherheitsauslöser (Teil 2), Schrauben und Flügelmuttern für das Eisen

Beim Einbau unter einer tief beasteten Fichte binde ich zuerst die Äste hoch, lege eine gummierte Matte unter die Knie, entferne kleine Ästchen vom Boden und ebne alles ein. Ist der Platz sauber, drücke ich den am Halbmond angebrachten Erdanker mit dem Fuß einfach in den Boden, spanne die Falle und schraube sie mit Hilfe der Flügelschrauben (Unterlegscheiben nicht vergessen!) an – natürlich in gesichertem Zustand! Der lose Bügel wird nun zwei Zentimeter tief in die Erde eingebracht und mit lockerem Boden (Fichtennadeln) abgedeckt. Aufgrund der Stellung des Eisens benötigt es kein Widerlager und schnappt schon beim leichtesten Zupfer zu.

Nun wird der Drahttunnel mit Sicherheitsauslöser (siehe Kasten „Sicherheitsauslöser“)
mit der Falle verbunden. Dazu schiebt man den mit Teichfolie verblendeten Käfig vor die
Falle, fixiert alles mit zwei oder vier stabilen Erdankern und bringt den Auslösemechanismus in Stellung. Hebt nun ein Unbefugter – nach dem Entfernen der Erdanker – den Drahttunnel an, löst die Falle sofort aus. Auch wenn das System nach vorn gezogen wird, schlägt die Falle zu und stellt keine Gefahr mehr dar. Auf keinen Fall darf auf
diese „Sicherung“ verzichtet werden. Danach wird die Falle fängisch gestellt, der Boden vor dem Einlauf leicht abgeharkt und das Eisen entsichert. Ist dies geschehen, bindet man die Äste wieder los. Keine Angst, die Räuber finden den Köder dank des Lockmittels
bestimmt.

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