Sommersauen – Schwarzwild ansprechen

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Schwarzwild ansprechen

SCHWARZWILD ANSPRECHEN
Wir haben drei Experten Nachtbilder von Sommersauen gezeigt und gefragt: Schießen oder nicht? Testen auch Sie ihr Können, und lesen Sie, zu welchem Urteil Norbert Happ, Helmut Hilpisch und Burkhard Stöcker kamen. Simon Obermeier

Wer kennt diese Situation nicht: Bis auf 50 Meter ist man an die Sauen rangepirscht. Sie stehen bei diffusem Mondlicht auf Grünland im Gebräch. Immer wieder der prüfende Blick durchs Fernglas: Wuseln da gestreifte Frischlinge durchs Gras? Sind bei der Überläuferbache Striche zu erkennen – führt sie? Viele Fragen schießen einem in solchen
Situationen durch den Kopf. Nämlich gerade bei sommerlichem Bewuchs ist das Ansprechen von Schwarzwild eine nicht immer ganz einfache Angelegenheit. Ein falscher
Entschluss, und den noch voll auf die Muttermilch angewiesenen Frischlingen könnte die Bache fehlen. Aber worauf achten Schwarzwildkenner beim Ansprechen von Sommersauen, welche Entscheidungshilfen gibt es? Wir wollten das wissen und haben Norbert Happ, Helmut Hilpisch und Burkhard Stöcker getrennt voneinander auf Nacht getrimmte Fotos vorgelegt und sie gefragt: „Welches Stück würden Sie erlegen, vorausgesetzt es würde mit Kugelfang breit und frei stehen?“

Helmut Hilpisch: Familienverband mit stärkeren Frischlingen. Stärkere Stücke in der Sommerschwarte. Bei einigen Stücken kann es sich anstelle des Pinsels auch um einen einzelnen, angezogenen Strich handeln. Daher gilt auch hier erhöhte Vorsicht.
Im Bild links außen und im Hintergrund sind zwei Frischlinge mit circa 20 Kilogramm zu erkennen. Wenn der Frischling im Bildhintergrund, Bildmitte, vorzieht, kann er erlegt werden. Norbert Happ: Erkennbar sind an beiden Seiten zwei schießbare Frischlinge. Aber: Wer sommers im Wald in eine solche Rotte hineinschießt, handelt verantwortungslos.
Burkhard Stöcker: Gemischte Rotte im Spätsommer, die offenbar überwiegend aus Überläufern besteht. Hier können führende Stücke mit dabei sein, auch wenn aktuell keine
ganz jungen Frischlinge zu sehen sind. Ich würde versuchen, das geringste Stück, den Frischling in der Mitte halb verdeckt, zu bekommen.

Helmut Hilpisch: Familienverband im Getreidefeld. Sehr gut erkennbar bei den beiden linken Stücken ist der markante, lange Bachenkopf. Zu 100 Prozent sind bei den stärkeren Sauen die Frischlinge, nicht sichtbar, im hohen Getreide dabei. Hier darf auf keinen Fall auf eine der Sauen geschossen werden. Mit tödlicher Sicherheit hat man dann eine führende Bache erlegt. Zur Wildschadensverhütung kann man nur außerhalb vom Getreidefeld auf erkennbare Frischlinge jagen.
Norbert Happ: Nichts zu machen, das junge Gemüse steckt unsichtbar unten im Getreide.
Burkhard Stöcker: Bachengruppe mit möglicherweise zwei Überläufern (zwei Paar Teller ragen knapp über den Getreiderand) und einer großen Schar von Frischlingen die gewiss den Grund des Getreidefeldes zwischen den Läufen ihrer Mütter bevölkern. Hier winkt aktuell kein Waidmannsheil, sondern potenziell der Wildschaden. In dieser Situation
würde ich lärmend versuchen, die Sauen zum Verlassen des Feldes zu bewegen.

Helmut Hilpisch: Ein weiblicher Frischling säugt einen Frischling. Erkennbar an dem deutlichen Strich. Dieser schwache Frischling zählt als säugende Bache und genießt Mutterschutz. Norbert Happ: Frischlingsbache mit einem angesaugtem Milchstrich – führendes Stück: Immer schonen! Burkhard Stöcker: Junge Bache mit einer, vielleicht zwei angesogenen Strichen. Klassischer Fall für den Fehlabschuss bei Mondschein an
der Kirrung, wenn ein scheinbar allzu präsentes Genital uns den Keiler vorgaukelt.

Helmut Hilpisch: Links eine führende Überläuferbach mit Gesäuge, die somit unter Mutterschutz steht. Rechts im Bild, wahrscheinlich der Bruder, ein Überläuferkeiler und somit jagdbar. So wie auf dem Bild ist eine Schussabgabe nicht möglich, da sich im Hintergrund noch weitere Sauen aufhalten und beim Schuss verletzt würden. Norbert Happ: Links: führende Überläuferbache, rechts: Überläuferkeiler. Wenn man später einmal Erntekeiler erlegen will, darf man diese nicht reihenweise totschießen. Burkhard Stöcker: Links führende Überläuferbache mit mehreren erkennbaren Strichen, rechts Überläuferkeiler, bei dem deutlich der Pinsel zu sehen ist. Der kleine Keiler passt, falls Sie noch rechtzeitig vor dem Wiedereintauchen in den offenbar naheliegenden Deckungsdschungel fertig werden.

Helmut Hilpisch: Deutlich eine führende Bache in der Sommerschwarte. Die Zitzen sind zurückgebildet, da nach vier Lebensmonaten der Frischlinge die Säugezeit endet. Die
Bache steht unter Mutterschutz.
Norbert Happ: Führende Bache am Ende der Laktation: Schonen!
Burkhard Stöcker: Mehrjährige Bache – ganz fein heben sich die Striche vor dem hellen Hintergrund ab – vielleicht liegen die Frischlinge im Kessel oder sie folgen gleich auf
den Weg. Bloß nicht schießen.

Helmut Hilpisch: Keiler in der Sommerschwarte. Wenn er das Alter über fünf Jahre hat, ist er jagdbar.
Norbert Happ: Starker Erntekeiler.
Burkhard Stöcker: Ein mehrjähriges Stück und mit ziemlicher Sicherheit ein Keiler im angehenden Reifealter. Aber da man keine Waffen sieht und auch die Bauchkante nicht frei
ist, muss in dieser Situation die Kugel im Lauf bleiben. Zuweilen haben auch Bachen „Keilerfiguren“ und Keiler „Bachenfiguren“, und solange ich hier keinen Pinsel sehe oder mich deutlich Waffen im Mondlicht anblinken: Enthaltsamkeit!

Helmut Hilpisch: Tatsächlich zu sehen sind nur geringe Überläufer. Durch die unübersichtliche Situation und das nur kleine Blickfenster ist es möglich, dass noch Frischlinge in der Nähe stecken. Nicht schießen!
Norbert Happ: Finger davon: Das ganze Jungvolk steckt noch im Schlag.
Burkhard Stöcker: Überläuferrotte. Bei den weiblichen Überläufern dürfen Sie bei der Stärke der Stücke auch schon mit Muttertieren rechnen. Sehen sie einen Pinsel und gefährden keine anderen Stücke sollte ein Keilerchen erlegt werden. Im Moment ist das Ansprechen aber nicht möglich: Finger bleibt gerade!

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