Stahnsdorf und Kleinmachnow: Umweltministerium cancelt Bogenjagd

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Das Brandenburger Umweltministerium hat die Bogenjagd auf Schwarzwild in Stahnsdorf und Kleinmachnow (Landkreis Potsdam-Mittelmark) überraschend abgeblasen. Offizielle Begründung: Es hätten sich keine Experten für die wissenschaftliche Begleitung des bundesweit ersten Bogenjagd-Projekts gefunden. Deshalb habe keine Ausnahmegenehmigung für die Jagd mit Pfeil und Bogen erteilt werden können. Dies verlautbarte das Ministerium am 5. Juni in einer Pressemitteilung. Das Bundesjagdgesetz verbietet generell den Schuss mit Pfeilen auf Schalenwild.

Die Bogenjagd wird vom brandenburgischen Umweltministerium in Stahnsdorf und Kleinmachnow nicht genehmigt.
Foto: Richard Günzel

Die „laute Begleitmusik“ und „Shitstorms von mehreren Seiten“ hätten wohl dazu geführt, dass es „im Antragszeitraum“ keine Bewerber für die wissenschaftliche Begleitung des Projekts gab, mutmaßte Ministeriumssprecher Jens-Uwe Schade am 5. Juni in der „Märkischen Allgemeinen“. Laut „Potsdamer Neueste Nachrichten“ (PNN) vom gleichen Tag „hieß es allerdings noch vergangene Woche aus demselben Ministerium, dass man ,auf der Zielgeraden‘ sei“ (WuH berichtete). Schade habe „sogar von mehreren Interessenten“ gesprochen.

Die im Potsdamer Umweltministerium angesiedelte Oberste Jagdbehörde will nun gemeinsam mit der Wildökologischen Forschungsstelle Eberswalde, den örtlichen Jagdpächtern und Kommunalpolitikern prüfen, wie man der Wildschweinplage im Siedlungsbereich der beiden Orte Herr werden kann. Dabei sollen laut Ministerium etwa der Einsatz von modifizierter Munition und Schalldämpfern diskutiert werden. Stahnsdorfs Bürgermeister Bernd Albers, der zuvor die Bogenjagd vehement befürwortet hatte, plädierte laut PNN auch für den Einsatz von Nachtsichtgeräten.

„Es drängt sich der Eindruck auf, dass die Bogenjagd politisch nicht gewollt ist“, bemerkte der Stahnsdorfer Jäger Peter Hemmerden im Bericht der PNN. Der Jagdpächter, selbst ausgebildeter Bogenschütze, hatte bereits ein umfassendes Konzept für die Bogenjagd erarbeitet. Der Landestierschutzbund Brandenburg und die Tierrechtsorganisation Peta hatten zuvor angekündigt, den brandenburgischen Umweltminister Jörg Vogelsänger (SPD) zu verklagen, sollte er die Bogenjagd genehmigen. Unbekannte hatten laut Presseberichten bei Stahnsdorf einen Hochsitz angezündet und Parolen gegen Albers an die Rathauswand geschmiert.

Im September finden in Brandenburg Landtagswahlen statt. Nach Ansicht von politischen Beobachtern ist das Umweltministerium möglicherweise auch deshalb bemüht, die öffentliche Diskussion um die Bogenjagd zu beenden. roe

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