Vor allem steht die Arbeit

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AUS DEM WILD UND HUND-TESTREVIER
Die revierübergreifende Drückjagd steht an. Doch zuvor muss einiges erledigt werden – besonders in diesem Jahr. Schützenhilfe bekamen wir aus Montabaur.
Peter Schmitt

Schützenhilfe
Lehrgangsleiter Peter Bill (l.), Viktor Stiler (M.) und Christian Krühn mit einer multifunktionellen Klappleiter und Warnschildern für die Redaktion Fotos: Peter Schmitt

Drückjagd ist nicht gleich Drückjagd, auch nicht im selben Revier. Wo vergangenes Jahr noch ein gut frequentierter Wechsel war, kann heute Totentanz herrschen. Hochschießende Naturverjüngung nimmt die Sicht, wo zuvor noch ordentlich Strecke gemacht werden konnte, und forstliche Maßnahmen haben den ein oder anderen guten Einstand vorerst zunichte gemacht. All das sind Gründe, warum wir uns jedes Jahr erneut Gedanken über unsere Schützenständen machen und viel Zeit und Mühe investieren, um sie sicher und möglichst Erfolg versprechend zu verlegen.
Allerdings mussten wir selten so ranklotzen wie in dieser Saison. Die extrem negative Entwicklung in Sachen Fichte einerseits durch Sturmwurf (WuH 5/2018), andererseits durch Borkenkäfer (WuH 21/2018) zwang uns zum Handeln. Wo vorher dichter Wald war, klaffen nun teilweise Löcher von der Größe eines Viertel Fußballfeldes an zuvor beuteträchtigen Wechseln.
Zum einen müssen deshalb Stände aus geänderter Sicherheitslage verlegt werden. Zum anderen stellt sich die Frage, wie das Wild bei der revierübergreifenden Bewegungsjagd darauf reagieren wird? Zudem wurden durch geworfene Stämme mehrere Drückjagdböcke beschädigt oder bei den Forstarbeiten verstellt, weil sie den Maschinen im Weg waren.
Also hieß es zuerst: reparieren. Dazu mussten über 20 Drückjagdböcke kontrolliert und die Mängel protokolliert werden. Besonders bei den selbst gebauten Ansitzeinrichtungen zeigte sich, dass nach drei bis vier Jahren und mehreren Transporten nachgebessert werden muss. Wider Erwarten waren die Schäden durch geworfene oder gebrochene Fichten, die auf den Sitzen gelandet waren, geringer als vermutet. Geborstene Gewehrauflagen, Sprossen oder Streben ließen sich verhältnismäßig leicht instand setzen.
Nachdem wir uns die neue Situation genau angeschaut und aktuelle Wechsel gesucht hatten, sie ausgingen und uns über die neue Sicherheitssituation ein Bild verschafft hatten, hieß es zurechtrücken und umstellen. Grenznahe Stände wurden zuvor mit unseren Reviernachbarn abgesprochen, um ein Maximum an Sicherheit und Effizienz zu gewährleisten. Dass der ein oder andere angedachte Schützenstand ins Wasser fiel, da der Nachbar eine bessere Option in petto hatte, nimmt man bei einer gemeinsamen Jagd selbstredend in Kauf.

Eine Karte des Testreviers mit Grenzen und allen Drückjagdböcken, erstellt mit der WuH-Revierwelt. Bejagt wird nur der Waldteil, wobei nicht alle Stände besetzt sein werden. Die Nachbarn sitzen ebenfalls mit im Boot.

Da das Testrevier zum größeren Teil aus Feldern und Wiesen besteht, kommt für die Drückjagd bei uns nur ein bestimmter Waldabschnitt infrage. Insgesamt haben wir dort 30 Stände ausgewiesen, die aber nicht alle gleichzeitig besetzt werden können. Am Drückjagdtag selbst werden es um die 20 Schützen sein. Da nur wenige davon in kupiertem Gelände Bodenstände sind, kamen wir nicht drumherum, wieder den ein oder anderen Drückjagdbock selbst zu bauen und an entlegene Stellen zu transportieren. Gut, wenn die Fahrer dann bezüglich ihres Untersatzes schmerzbefreit sind, was das Befahren von Rückegassen angeht.
In die Karten spielte uns auch der gute Kontakt zum Leiter des Berufspraktischen Lehrgangs für Rehabilitanten des Bildungswerks der Hessischen Wirtschaft e. V. in Montabaur, Peter Bill. Seit Jahren kooperieren wir mit den durch die Deutsche Rentenversicherung und die Berufsgenossenschaft geförderten Kursen zur beruflichen Rehabilitation. Die jeweils neunmonatigen Lehrgänge haben das Ziel, Personen, die aufgrund einer Beeinträchtigung ihrem ursprünglich erlernten Beruf nicht mehr nachgehen können, wieder in den Arbeitsmarkt zu integrieren. Sie enden mit einer praktischen Arbeitsprobe. Für Lehrgangsleiter und Schreinermeister Peter Bill die Möglichkeit, unter anderem die Leistungsfähigkeit der Teilnehmer zu beurteilen.
Da Bill aber auch passionierter Jäger und Revierpraktiker ist, sind die Ergebnisse nicht selten dem Waidwerk und dem Naturschutz gewidmet. So waren neben Möbeln auch schon Nisthilfen, Insektenhotels, Hochsitze und Kastenfallen Ergebnisse des Lehrgangs. Die diesjährige Abschlussarbeit brachte eine klappbare Ansitz- und Drückjagd-Scherenleiter hervor, die unsere Vorstellungen bei Weitem übertraf. Sie wurde uns am Bildungswerk in Montabaur von zwei Kursteilnehmern, Christian Krühn und Viktor Stiler, übergeben. Als Nicht-Jäger war es für sie zu Anfang nicht leicht, sich in die notwendige Funktionalität des Werkstückes hineinzudenken. Heraus kam dann aber trotzdem ein unverwüstliches, da aus Bankirai gebautes, Meisterwerk, das vor durchdachten Details nur so strotzt.
Noch am Abholtag haben wir das gute Stück direkt in die Jagdplanung integriert und ins Revier gefahren. Das für den Ansitz gedachte, zusammenklappbare Dach haben wir für die Bewegungsjagd abgenommen.
Sowohl dieser frisch bestückte Stand als auch die 29 weiteren wurden abschließend noch mit einem neuen Nummernsystem versehen, da durch die ganze Umstellerei ein ziemliches Zahlenwirrwar entstand. Mit der Hotspots-Verwalten-Funktion der WuH-Revier-welt ging das zügig und unkompliziert vonstatten, und schnell entstand eine neue Drückjagd-Revierkarte. Noch deutlich vor der heißen Phase wurden alle Ansteller eingewiesen, sodass die Vorbereitung abgeschlossen ist. Inwiefern es zum Erfolg führte, lesen Sie in der kommenden Ausgabe.

Nach Feierabend und an Wochenenden gings raus, um Böcke zu reparieren und umzustellen. Bei diesem hat eine Sturmfichte die Armauflage zertrümmert. Er wurde an eine andere Stelle gefahren und repariert.
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