Werkeln für den Hund

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Es ist Wochenende, die Geschäfte haben zu, und ich will das schöne Wetter nutzen, um mit Terrier „Otto“ Apport zu üben. Nur fehlt das Equipment. Selbst bauen heißt nun die Devise.- Michael Woisetschläger

Es ist wie verhext. Gerade dann, wenn ich mit „Otto“ trainieren will, fehlt irgendetwas. Sein altes Dummy ist zu klein, und wir benötigen eines mit mehr Gewicht. Außerdem wäre ein Apportierbock fein. Die Geschäfte sind geschlossen, und sowieso kann man hier in der Pandemie mit Notbremse kaum irgendwo einkaufen. Wo ein Wille ist, ist auch eine Säge, denke ich, und marschiere suchenden Blickes in meine Werkstatt. Ein passendes Stück Rundholz, das für den Kamin gedacht war, ein Besenstiel, Akkuschrauber, Bohrmaschine, Forstnerbohrer, Säge, Lederreste, Lochzange und etwas Sand aus dem nicht mehr benötigten Sandkasten meiner Tochter. Wäre doch gelacht, wenn die Apportiereinheiten warten müssten. Los gehts.

Fotos: Woisetschläger

Lederdummy

Lederreste habe ich ausreichend zur Hand und entscheide mich für ein etwa 2 mm starkes Schweinsleder. Stark genug, um den spitzen Terrierzähnen zu widerstehen, und weich genug, beim Griff im Fang etwas nachzugeben. Dazu 600 g Sand, Reepschnur, um später eine Schlaufe ans Dummy zu knoten, Nähgarn und eine scharfe Klinge – mehr braucht es nicht. Wer keine Ledernähmaschine hat, kann das Werkstück selbstverständlich auch mit einer starken Nähnadel bearbeiten. Dann empfiehlt sich Vorlochen mit einer Ahle o. Ä. Kein Leder zur Hand? Seien Sie kreativ, und schauen Sie auf dem Speicher nach einer alten Lederjacke oder einem Schulranzen. marschiere suchenden Blickes in meine Werkstatt. Ein passen- des Stück Rundholz, das für den Kamin gedacht war, ein Besenstiel, Akkuschrauber, Bohrmaschine, Forstnerbohrer, Säge, Lederreste, Lochzange und etwas Sand aus dem nicht mehr benötigten Sandkasten meiner Tochter. Wäre doch gelacht, wenn die Apportiereinheiten warten müssten. Los gehts.

Das Werkzeug für die Bastelarbeit mit Leder ist überschaubar. Statt dem Ledermesser kann auch ein Cutter verwendet werden.

Mit dem Lederhalbmond schneide ich aus dem Lederrest ein Stück von etwa 34 cm Länge und 18 cm Breite heraus.

Die Kanten des Lederrechtecks werden aufeinandergelegt, dann geht es ans Vernähen.

Nachdem eine kurze und die lange Seite zusammengenäht sind, wird in das so entstandene Säckchen der Sand eingefüllt. Dann wird das noch offene Ende umgeschlagen, die Reepschnur eingefädelt und nochmals vernäht. Fertig!

Holzapportel

Fast schon etwas neidisch war ich auf die großen Oberlän- der-Apportierhölzer meiner Jagdkollegen. Die sind aber zu wuchtig für „Otto“, daher muss etwas Leichtes her, um zunächst den Gehorsam im Apport trainieren zu können.

Das gewachsene Rundholz passt da gerade so in mein Bauprojekt – nicht wirklich schön, aber zweckmäßig – und das Einzige, was zu Hause zu finden war.Werkzeug (1) braucht es auch hier nicht viel: Bohrmaschine und/oder Akkubohrer, eine Säge und einen Satz Forstnerbohrer, der in keiner Werkstatt fehlen sollte.

Per Augenmaß wird das Rundholz mit der Japansäge geschnitten. Genauer und vielleicht auch schöner wäre es mit der Kappsäge gegangen, aber wer will schon in die Werkstatt, wenn es draußen gerade mal trocken ist?

Beide Scheiben von etwa 9 cm Durchmesser und 5 cm Dicke werden mit einer Schraubzwinge befestigt und mit einem zur Dicke des Besenstiels (alternativ Haselrute o. Ä.) passenden Forstnerbohrers gelocht.

Jetzt wird das circa 22 cm lange Besenstielstück in die Scheiben gesteckt. Da die Scheiben noch nicht fest auf dem Stiel sitzen, werden sie nach dem Vorbohren mit zwei Schrauben (Kopf versenken!) gesichert.

Da mir der Holzstiel zum Greifen optisch und haptisch nicht gefällt, wird aus einem kleinen Lederstück noch eine Griffwicklung.

Der fertige Apportierbock: Sicher nicht so schön wie aus dem Laden, aber aus verfügbarem Material in etwa einer Dreiviertelstunde zu bauen. Terrier „Otto“ scheint ihn jedenfalls zu mögen.

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