Wild auf Fuchs: DER 2. INTERNATIONAL GERMAN REDFOX AWARD

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Wie schön Artenschutz sein kann, zeigte die Neuauflage des von WILD UND HUND initiierten Wettbewerbs und einzigen Branchenpreises der deutschen Kürschner.
Von Petra Wenzel

Jury
Der Jury fiel die Punktvergabe nicht immer leicht. Bewertungskriterien waren der optische Gesamteindruck, Kreativität, Verarbeitung und Funktionalität der Arbeiten.Foto: Redaktion
Pelzbekleidung muss nicht altbacken und angestaubt sein. Was sich alles aus den wundervollen Bälgen fertigen lässt,  hat der 2. International German RedFox Award eindrucksvoll gezeigt. Erlaubt war nur die Verarbeitung von Rotfuchspelzen und anderem Raubwild sowie Wildarten aus nachhaltiger Jagd. Entweder als Pelz oder in Kombination mit Leder, Webstoffen, Strick, Loden und ähnlichem. Pelze aus Zuchten sind nicht zugelassen.
Professionelle Models präsentierten den Zuschauern am Messesamstag insgesamt 52 Arbeiten von 30 Kürschnerbetrieben auf der Hauptbühne in Halle 4 der „Jagd & Hund“. Alle Plätze rund um den Catwalk waren besetzt, besonders viel junges Publikum. Auch die beiden Teenager saßen in der ersten Reihe.
Nach eineinhalb Stunden Show standen die Sieger des diesjährigen Wettbewerbs fest. Gewinner des Herrensonderpreises mit der höchsten Punktwertung insgesamt war eine Herren-Bikerjacke aus tiefgeschorenem und schwarz gefärbtem Rotfuchs von Pelz Adrian aus Köln. In der Kategorie „Damen“ hatte Karl Reinold aus Memmingen mit einer Wendejacke mit Kapuze aus geschorenem Rotfuchs die Nase vorn. Platz 2 belegte ein Fuchs-Strick-Poncho mit Stulpen der Koblenzerin Martina Stertz, Platz 3 Weidner Pelze & Leder aus Schwerin mit einem Cape aus geschorenem Fuchs.

 


Models
Beim Shooting der RedFox Award-Gewinner setzte Christian Lünig die Fotomodels der Agentur Kelly Faces in Szene.Foto: S. Obermeier
Mit der Prof.-Elsässer-Stiftung, München, hat der Branchenpreis einen Förderer gefunden. Er ermöglichte, die Ausschreibung um zwei Kategorien zu erweitern: „Accessoires“, hier siegte ein Rotfuchs-Seiden-Cape von Martina Stertz, die sich damit eine zweite Auszeichnung sicherte, und „Young Star“, in der nur Auszubildende antreten durften. In dieser Klasse gewann Isabelle Reichhardt aus Chemnitz mit einem dunkelblau gefärbten Rotfuchsmantel. Insgesamt reichten 16 Lehrlinge ihre Werkstücke ein.
WILD UND HUND will mit dem International German RedFox Award Jäger und Kürschner ermuntern, Pelze aus heimischer, nachhaltiger und für den Artenschutz notwendiger Jagd zu werben und zu nutzen. „Damit wird dem Kunden ein qualitativ hochwertiges Endprodukt mit einer hervorragenden Ökobilanz angeboten“, betont Chef-Redakteur Heiko Hornung. Pro Jahr kommen bundesweit rund 500 000 Rotfüchse zur Strecke, nur ein geringer Prozentsatz davon wird zu Pelz verarbeitet – leider. Dabei steigt die Nachfrage nach dem Naturmaterial auf dem Weltmarkt stetig, was sich auf die Ankaufspreise für Rohfelle auswirkt. Für Jäger lohnt es sich wieder, den Winterfuchs und anderes Raubwild zu streifen. Im Vergleich zum Vorjahr bekommen sie rund 25 Prozent mehr pro Fuchsbalg, derzeit etwa 20 Euro. „Unser Anliegen ist es, diese Entwicklung voranzubringen. Wir sind auf einem guten Weg“, resümiert Heiko Hornung.

 


Impressionen vom Red Fox Award

2. INTERNATIONAL GERMAN REDFOX AWARD 2. INTERNATIONAL GERMAN REDFOX AWARD 2. INTERNATIONAL GERMAN REDFOX AWARD 2. INTERNATIONAL GERMAN REDFOX AWARD 2. INTERNATIONAL GERMAN REDFOX AWARD 2. INTERNATIONAL GERMAN REDFOX AWARD

 


Nikolas Gleber ist selbstständiger Konzeptioner aus Berlin. Seit 2007 bietet er unter der Marke und dem Zertifikat „Friendly Fur“ Accessoires aus Fuchspelz aus nachhaltiger Jagd an (siehe WuH 1/2010). Damit war er prädestiniert für einen Platz in der Jury des International German RedFox Awards.

Nikolas Gleber ist selbstständiger Konzeptioner aus Berlin.
Nikolas Gleber ist selbstständiger Konzeptioner aus Berlin.
WuH: Wie fällt Ihr Resümee des Wettbewerbs aus?
Nikolas Gleber: Für die Dortmunder Messe war es auf jeden Fall ein Highlight. Der Wettbewerb war vom Jäger für Jäger. Diese Gruppe kennt die Vorzüge des Naturproduktes Pelz aus nachhaltiger Jagd. Ich bin der Meinung, dass der RedFox Award ausbaufähig ist. Die Veranstaltung war die Kür, nicht aber die Pflicht. Man muss an die Zielgruppen außerhalb dieses Genres kommen, dann könnte er zur Blüte kommen.
WuH: Das könnte wie aussehen?
Nikolas Gleber: Sinn des RedFox Awards ist es doch, aus der „Pelzmantel-Ecke“ herauszukommen. Um das zu erreichen, muss man woanders präsentieren und inszenieren. Ich komme aus dem Bereich Konsum, Marketing, Konzeption, Zeitgeist. Erreicht man in der Lifestyle-Szene mit seinen Produkten Glaubwürdigkeit, gelingt es in weiteren Bereichen auch. Umgekehrt funktioniert das eher selten.
WuH: Wie sind Ihre Erfahrungen mit der Argumentation von Pelz nach außen?
Nikolas Gleber: Fuchs ist da kein Problem, Fuchs funktioniert. Ich habe Läufe und sogar komplette Fuchsköpfe verarbeitet. Aber je mehr etwas nach konkretem Tier aussieht, umso schwieriger ist es immer noch bei einem Großteil der Bevölkerung.
WuH: Warum vermeiden Sie im Zusammenhang mit Ihren Objekten den Begriff „Mode“?
Nikolas Gleber: Mode ist temporär, stark kurzlebig. Wenn wir es mit Werten zu tun haben beziehungsweise Werte kreieren möchten, und das will ich mit „Friendly Fur“, ist es wichtig, diesen Begriff nicht zu nutzen. Er wird der Sache nicht gerecht. Zum einen haben wir das Design, das große Wertigkeit, großes Können mit sich bringt. Beim Fuchspelz haben wir die Wertigkeit schon durch seine Haptik und Optik, da muss man nichts mehr machen. Es ist einfach ein ganz bezauberndes Naturprodukt. Das alles distanziert sich klar von einer Kurzlebigkeit, einer Saison. Auch das Wort „Kollektion“ möchte ich in diesem Zusammenhang nicht benutzen. Ich spreche von „Edition“. Die Begrifflichkeit ist sehr wichtig, sie beeinflusst sehr stark.
WuH: Wird sich durch den International German RedFox Award etwas für die Jagd ändern?
Nikolas Gleber: Nein, das glaube ich nicht. Die Kürschner arbeiten zusätzlich mit diesem Material, nicht alternativ. Der Wille zum Abbalgen von Füchsen und anderem Raubwild braucht eine andere Motivation, über das Monetäre. Das passiert am Markt und am Absatz. Der wird zum Beispiel durch Maßnahmen wie „Friendly Fur“ beeinflusst. Hierbei verwende ich Dinge, die aus gutem Grund anfallen, aus intakter Natur.
WuH: Ist es dem Kunden wichtig zu wissen, woher das Material kommt?
Nikolas Gleber: Ja. Darauf und auf das Wissen, dass es aus einem guten, sinnvollen Background resultiert, baut das Konzept von „Friendly Fur“ als Zertifikat auf. An der Entwicklung der letzten Jahre kann man ablesen, dass der Kunde es wissen möchte. Besser als bio – Natur! Nikolas Gleber ist selbstständiger Konzeptioner aus Berlin. Seit 2007 bietet er unter der Marke und dem Zertifikat „Friendly Fur“ Accessoires aus Fuchspelz aus nachhaltiger Jagdan (siehe WuH 1/2010). Damit war er prädestiniert für einen Platz in der Jury des International German RedFox Awards. „Es ist einfach ein ganz bezauberndes Naturprodukt.“
Das Interview führte Petra Wenzel.