Wachstums-Gefahren für Welpen: Gut füttern heißt nicht viel füttern

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Der Leitsatz: „Frohwüchsige Hunde sollten sich erwachsen hungern!“ ist mehr als nur ein cooler Spruch.

 

Die im Handel erhältlichen Aufzuchtfutter enthalten alles, was ein Welpe braucht. Mehr wird leicht „zuviel des Guten“.

von Dr. Stephan Neumann

Auch handelt es sich hierbei nicht etwa um eine Aufforderung zur Tierquälerei, vielmehr bezeichnet er die gelegentlich aus falschverstandener Tierliebe zu beobachtende Unart, Welpen derart mit Energie Vollzustopfen, dass es ihnen schadet. Man könnte auch sagen: „Weniger ist oft mehr!“

Während der Wachstumsphase findet naturgegeben, in guter Abstimmung zueinander, ein „geordnetes“ Wachsen der einzelnen Knochen statt. Das führt in der Regel zu wohlproportionierten Junghunden. Stört man dieses Gefüge, kann es während des Wachstums und auch noch später zu schwerwiegenden Krankheiten kommen.

Vor allem bei Jagdgebrauchshunden, die später körperliche Höchstleistungen bei der Ausübung ihres „Berufs“ erbringen müssen, offenbaren sich dann unreparable Mängel.

„Energiesparen“ heißt es auch beim Füttern

Energie- und eiweißreiches Futter führen zu einem schnellen Knochenwachstum. Doch die wachsenden Knochen sind noch weich und unreif. Erst die Einlagerung von Kalksalzen festigt sie und gibt ihnen die stabilisierende Härte.

Wächst der Knochen schneller als seine Verhärtung gebildet wird, kommt es zu Entzündungen in den Wachstumsfugen, den Gelenken.

Folgende erste Anzeichen deuten auf Wachstumsstörungen hin: Der unlustig wirkende Welpe oder Junghund bewegt sich nur wenig und offensichtlich unter Schmerzen.

Hohes Fieber, Fressunlust und Apathie können belastend dazukommen und machen ihn zusehends träger und müder. Schließlich verformen sich die Knochen, was zu Verkrüppelungen beispielsweise der Läufe führen kann. Spätestens jetzt entscheidet sich, ob der Hund überhaupt später noch im rauen Jagdbetrieb eingesetzt werden kann.

Einzig sichere Diagnose nur durch Röntgen

Zeigt ein noch wachsender Hund die oben beschriebenen Anzeichen, dann muss man mit ihm unverzüglich zum Tierarzt gehen. Dieser wird anhand des Vorberichts und der Untersuchung sogleich eine Wachstumsstörung vermuten. Eine Röntgenaufnahme bestätigt dann gegebenenfalls den Verdacht.

Der Tierarzt versucht nun, durch Medikamente und zurückgenommene Ernährung das gestörte Knochenwachstum wieder zu korrigieren. So eine Therapie kann mehrere Wochen lang dauern.

Rechtzeitig begonnen, führt sie aber häufig zum Erfolg und bleibende Schäden können noch vermieden werden. Wird dieser Zeitpunkt jedoch verpasst, und ist das Krankheitsbild erst fortgeschritten, verformen sich die Knochen dauerhaft.

Wenn der Vierläufer ausgewachsen ist, bleibt als „der letzte Versuch“ eine recht aufwendige Operation, um die Fehlentwicklungen in der Wachstumsphase wieder auszugleichen oder zumindest teilweise zu beheben. Solche Operationen sind teuer und nicht immer von Erfolg gekrönt.

Gerade aus diesem Grund gilt auch hier der Grundsatz: Vorbeugen ist besser als heilen.

Ein Junghund muss sich großhungern!

Unter dieser Aufforderung ist eine gut abgestimmte, zurückhaltende Ernährung des Junghundes zu verstehen. Die Futtermittel-Industrie hat dieses Problem erkannt.

Durch spezielle Futter für den wachsenden Hund (Welpen- und Aufzuchtfutter) wird seinem Energie- und Eiweißbedarf gezielt Rechnung getragen – ohne die Vierläufer überzuversorgen.

Auch zuviel Kalk kann übrigens gefährlich sein, deshalb enthalten solche Futter nur entsprechend angemessene Mengen des lebenswichtigen Salzes.

Es gilt also, den Welpen oder Junghund einer frohwüchsigen Rasse – zu denen unter anderem unsere Vorstehhunde gehören – ausreichend, aber nicht übermäßig mit Energie, Eiweiß und Mineralien zu versorgen. Beherzigt man diesen Vorsatz, kommt es zu harmonischem Knochenwachstum ohne bleibende Schäden.

Bewegungsunlust und Apathie sind, wie bei diesem DK-Junghund, oft erste Anzeichen einer Wachstumsstörung

 

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