So brav, mein Hund

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Flugwildjagd mit firmen Hunden ist Waidwerk vom allerfeinsten. Alle Erfordernisse an Ausbildung und Prüfung von Jagdhunden ergeben sich aus den Notwendigkeiten der Jagdpraxis – so einfach ist das.

 

Eine geballte Ladung süßer Fasanenwittrung bannt beide DK-Vorstehhunde an den Platz

Wer auf Fasan und gebietsweise noch auf Rebhühner jagt, braucht einen vierläufigen Helfer, der Appell hat, zumindest planmäßig sucht, sicher vorsteht und zuverlässig bringt.

Läuft beispielsweise ein geflügelter Hahn nach dem Schuss in die nächste Deckung oder „taucht“ das mausetote Huhn im kniehohen Winterraps unter, ist Naseneinsatz, Finderwille und zuverlässiges Apportieren gefordert.

Auch sollte der Hund sich lenken lassen und z. B. nicht eigenwillig links an der Hecke entlang suchen, wenn sein Führer ihn nach rechts in die Rüben schickte, wohin das Wild gefallen ist.

Jagdliche Erfahrung ist allerdings auch beim Führer vonnöten, wenn er Drahthaar, Kurzhaar und Co. erfolgreich ausbilden will. Wer selbst selten oder noch nie auf Federwild gejagt, oder seinen letzten Fasan vor 30 Jahren erlegt hat, tut sich bei der Einarbeitung seines Jagdhelfers auf diesem besonderen Aufgabenfeld einfach schwer.

Aber zum Glück gibt es im jagdlichen Freundeskreis meist hilfsbereite Menschen mit einschlägiger Erfahrung – man sollte sich nicht scheuen, sie um Unterstützung zu bitten.

Gehorsam ist der Grundstock für die Bewältigung aller Aufgaben des Jagdhundes. Es ist kein Problem, gleichgültig was man gerade trainiert, regelmäßig und zwischendurch ein paar einfache Übungen wie Triller-down zu absolvieren.

Das gilt für jeden Spaziergang, in den ohne Mühe ein paar Lektionen eingebaut werden. Dann weiß der Hund stets, wo’s langgeht. Bevor wir ihn im Revier arbeiten lassen, muss der Grundgehorsam sitzen.

Danach üben wir mit ihm Quersuche und festigen das Vor- und Durchstehen. Eine weitere Voraussetzung ist die Stand- und Schussruhe – allein schon aus Gründen der Sicherheit.

Es ist natürlich von Fall zu Fall unterschiedlich, ob man einen jungen Hund ausbildet, oder bei einem erfahrenen Erlerntes nur wieder auffrischt. Zwar vergisst ein älterer Hund nach einem langen, meist „arbeitslosen“ Sommer nicht, was er einmal lernte, aber die Ausführung gewisser (meist für den Vierläufer unbequemer) Arbeiten lässt im Herbst doch zu wünschen übrig – Nachbereitung tut not.

Gehen wir davon aus, dass ein junger Hund das „Grundapportieren“ beherrscht, dann lassen wir ihn zunächst sichtiges Federwild bringen. Wenn das nahtlos klappt, verbergen wir das Wild, so dass er gezwungen ist, seine Nase zu gebrauchen.

Auf relativ kurze Entfernung angefangen, steigert sich der Schwierigkeitsgrad mehr und mehr. Selbstverständlich natürlich: Das dicke Lob am Ende jeder erfolgreichen Arbeit. Mit der Gewissheit, dass gleich etwas „Schönes“ geschieht, arbeitet übrigens nicht nur ein Hund freudiger.

Ausbildung nur für die Jagd

Da in der Jagdpraxis nicht alles erlegte Federwild zu Boden fällt, ist es praxisnah, wenn der Vierläufer lernt, gelegentlich auch aus Büschen und dichten Dornenverhauen zu bringen.

Dann kommen die Schleppen dran. Anfangs am Riemen ausgearbeitet, wird der Hund erst dann am simulierten Anschuss geschnallt, wenn er verknüpft hat, dass er um jeden Preis gefundenes Wild zu bringen und korrekt auszugeben hat.

Bei solchen Arbeiten hat derjenige einen Vorteil, der mit seinem Hund bereits im Welpenalter Lungen- und Futterschleppen gelegt hat. Die Verknüpfung: Erst suchen, finden und bringen, dann gibt es Fressen, prägt sich nachhaltig ein.

Je länger es einem Führer gelingt, seinen Vierläufer bei der freien Suche möglichst wenig auf Sicht arbeiten zu lassen, je mehr wird die Nase vom Hund selbst als sein „findigstes“ Organ angesehen und dementsprechend eingesetzt.

Und dann ist da noch die Übung am „Apportparcours“, bei der vor einem Reviergang mehrere Stücke Wild am Wegrand oder in Feld oder Wald versteckt werden.

Genau diesen Parcour geht man unter Wind mit dem freisuchenden Hund ab und freut sich wie ein Schneekönig, wenn „Harro“ selbständig gefunden, aufgenommen und gebracht hat.

Das veranlasst den Hund dazu, in ständiger Erwartung etwas zu finden und dafür gelobt zu werden, mit der Nase zu suchen. Außerdem wird die Bringtreue gefördert.

Nicht ohne Grund ist das freie Verlorensuchen von Federwild inzwischen auf vielen Prüfungen ein festes Fach. Dabei wird in großen Schlägen mit Deckung Beute versteckt, der Hund eingewiesen und losgeschickt. Erwartet wird hier zielgerichtetes Suchen, Finden und Bringen.

Was muss der Hund für die Jagd auf Flugwild beherrschen?

1. Er muss nach dem Schuss ein Geläuf ausarbeiten können. Das hat er auf der Schleppe gelernt.

2. Er muss zuverlässig bringen. Das lernte er auf dem Apportierparcours und mit verstecktem Wild.

3. Er muss vor und nach dem Schuss selbständig mit der Nase, nicht auf Sicht, suchen und finden. Es hat sich ihm ja eingeprägt, dass ihn nichts besser an Wild bringt, als der Einsatz seiner Nase.

4. Er muss sich drückendes oder ablaufendes Federwild, das er in der Nase hat, anzeigen, vorstehen, nachziehen und gegebenenfalls festmachen. Stets Trillerpfiff-down am vorm Hund aufstehenden Federwild verhindert Nachprellen.

Bedauerlicherweise gibt es nicht einmal ein besonderes Leistungszeichen des Jagdgebrauchshundverbandes dafür, wenn „Feldmann“ nach mehreren hundert Metern Arbeit auf dem Geläuf eines kranken Fasans in schwierigem Gelände stolz mit dem Gockel zum Führer zurückkehrt.

Auch Einträge in seiner Ahnentafel sind dafür leider nicht vorgesehen – aber gebratener Fasanen schmeckt nun einmal so unendlich gut! Und nichts ersetzt für einen passionierten Hundeführer die Freude über eine gelungene, schwierige Arbeit des eigenen vierläufigen Jagdhelfers im Jagdbetrieb.

 

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