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Fütterung des Jagdhundes – Teil I:
Um die Nahrungsgewohnheiten und -bedürfnisse des Hundes besser verstehen zu können, sollte man seinen Stammbaum näher betrachten. Für den Fleischfresser Wolf gibt es schließlich auch ein weites Nahrungsspektrum.

 

Von Petra Hellweg

Lange Zeit stritten sich die Forscher über die genaue Herkunft unserer Hunde. Man war sich nicht einig, ob der Hund vom Wolf, vom Schakal, aus einer Kreuzung beider, oder etwa von wildhundartigen Vorfahren abstammt. Inzwischen ist die Herkunft des Hundes – nicht zuletzt durch die rasanten Fortschritte der Genetik – geklärt: Der Hund stammt zweifelsfrei vom Wolf (Canis lupus) ab!

Vor über 10 000 Jahren begann die Domestikation des Wolfes. Aus dem Blickwinkel der Evolution betrachtet, handelt es sich eher um eine kurze Zeitspanne. In dieser Zeit haben sich deutliche Unterschiede im Erscheinungsbild herausgebildet. Hunde gibt es in unzähligen Formen und Farben. Artbestimmende physiologische Eigenschaften wie der Verdauungskanal zum Beispiel, blieben hingegen von der Domestikation weitgehend unberührt. Der Hund gehört demzufolge wie sein Vorfahr zur Ordnung der Karnivoren (Fleischfresser). Hinter der Bezeichnung „Fleischfresser“ verbirgt sich aber genaugenommen ein „Beutetierfresser“, der seine Beute bis auf geringe schwer- oder unverdauliche Reste fast vollständig aufnimmt. Zusätzlich zu eiweiß- und fettreichem Muskelfleisch nimmt der Wolf bei seiner Mahlzeit alle anderen lebenswichtigen Nährstoffe auf: Kalzium aus den Knochen, Natrium aus dem Blut, fettlösliche Vitamine und Spurenelemente aus den Organen, wasserlösliche Vitamine aus Darm und Darminhalt und darüber hinaus unverdauliche Komponenten (z.B. pflanzliches Material aus dem Darminhalt), die für die Funktion des Verdauungskanals unentbehrlich sind. Die Natur gewährt uns einen Einblick, aus dem wir folgendes ableiten können: eine Ration, die nur aus Fleisch besteht, ist für einen Hund nicht vollwertig. Der Wolf nimmt je nach Versorgungslage und Angebot in wechselnden Mengen auch pflanzliches Material wie Früchte, Gräser, Wurzeln oder Blätter auf. Er kann sich also in gewissen Grenzen an ein unterschiedliches Futterangebot anpassen. Auch der Hund besitzt noch diese Fähigkeiten. Im Gegensatz zu anderen Karnivoren, wie den Katzenartigen (Felidae), ist er nicht so einseitig auf die ausschließliche Aufnahme von Nahrungsmitteln tierischer Herkunft fixiert, was uns die Fütterung erheblich erleichtert.

Die Nahrung dem Bedarf anpassen

Hundebesitzer neigen dazu, von den eigenen Ernährungsgewohnheiten auf die Bedürfnisse des Hundes zu schließen. Auf diese Weise unterlaufen ihnen nicht selten Fütterungsfehler, die durch Kenntnisse der Nahrungsansprüche, der Verträglichkeit und Verdaulichkeit der Futtermittel sowie des Stoffwechsels der Nährstoffe vermieden werden können.

Jagdgebrauchshunde stellen im Hinblick auf die Fütterung im Vergleich zum reinen Haushund eine größere Herausforderung dar, da sie oft hohen körperlichen Belastungen ausgesetzt sind. Das Stöbern über weite Strecken, das Apportieren, die Suche im Wasser und die Arbeit im Bau – all diese Aufgaben fordern von unseren Jagdhunden ein hohes Maß an körperlicher Leistungsfähigkeit. Diese ist nur gewährleistet, wenn mit der Nahrung eine dem Bedarf angepasste Menge an Energie und Nährstoffen zugeführt wird. Im Gegensatz zum reinen Haushund, dessen Energiebedarf dem Verbrauch im Erhaltungsstoffwechsel entspricht, muss bei Jagdgebrauchshunden der Mehrbedarf in der Fütterungspraxis Berücksichtigung finden.

Das Körpergewicht dient als Kontrollmöglichkeit

Zur Aufrechterhaltung seiner Körperfunktionen benötigt der Hund wie alle anderen Lebewesen auch Energie, die natürlich aus der Nahrung gewonnen wird. Diese wird aber nicht nur zur Aufrechterhaltung der Körpertemperatur benötigt, sondern auch für Funktionen wie Atmung, Kreislauf, Verdauung sowie Wachstum und Bewegung. Die Einheit der Energiebewertung ist das Joule. In der Praxis wird meist mit der Einheit Kilojoule (1 kJ =1000 J), beziehungsweise Megajoule (MJ = 1000 kJ) gerechnet. Energie entsteht im Körper durch die schrittweise stattfindende Oxydierung von Nahrungsbestandteilen, wobei Fett und Kohlenhydrate die Hauptlieferanten sind. Eiweiß wird nur in Hungerperioden zur Energiegewinnung herangezogen.

Der Energiebedarf setzt sich zusammen aus dem Erhaltungs- und dem Leistungsbedarf. Der Erhaltungsbedarf ist für die Aufrechterhaltung der Lebensfunktionen unabdingbar. Er kann recht stark variieren, da er durch Alter, Rasse, Körpergröße, Temperament sowie Haltungsbedingungen beeinflusst wird. Die Haltung bei niedrigen Umgebungstemperaturen (Zwingerhaltung im Winter), führt zu einem Anstieg des Energieumsatzes um bis zu 60 Prozent. Ein streng schematisches Vorgehen ist bei der Futterzuteilung zu vermeiden, da zu viele sich immer wieder ändernde Faktoren zu berücksichtigen sind. Als Kontrollmöglichkeit sollte das Körpergewicht dienen. Der Leistungsbedarf entsteht im Falle von Bewegung durch Muskelarbeit. Jagdhunde legen erhebliche Wegstrecken zurück, wie beim Stöbern oder der Suche, sogar bis zu 50 Kilometer am Tag. Die Belastung bei der Wasserarbeit oder im Bau ist ebenfalls extrem hoch. Der Energiebedarf steigt gegenüber dem Erhaltungsbedarf bei sechsstündiger Trabbewegung auf das 2,5fache, bei längeren Galoppstrecken sogar noch stärker.

Der Hund benötigt Eiweiß für die Erhaltung der Körpersubstanz und für die Bildung von Gewebe wie Muskulatur und Haut. Proteine sind aus einzelnen Bausteinen, den Aminosäuren zusammengesetzt, die sich zu langen Ketten formieren. Zehn der zirka 20 Aminosäuren sind essentiell und müssen unbedingt mit der Nahrung aufgenommen werden, da sie vom Hund nicht selbst gebildet werden können.

Die Qualität des im Futtermittel enthaltenen Proteins wird sowohl nach der Aminosäurenzusammensetzung als auch nach der Verdaulichkeit bewertet. Optimal ist, wenn das Futterprotein mit dem vom Jagdhund zu bildenden körpereigenen Proteinen übereinstimmt. Je besser diese Übereinstimmung ist, desto höher ist die biologische Wertigkeit des Futters. Fehlen eine oder mehrere essentielle Aminosäuren, so wird die Proteinsynthese im Körper eingeschränkt. Bindegewebsreiche Organe, wie Lunge und Milz, sind zwar eiweißreich, doch das Eiweiß hat eine weniger günstige Aminosäurenzusammensetzung und ist daher schlechter verdaulich. Man sollte diese Produkte nicht in zu großen Mengen verfüttern – das Erweichen oder die Verflüssigung des Kots sind die Folgen.

Kühle

Fette erfüllen im Körper im Wesentlichen drei Aufgaben: Sie dienen als Energiequelle, als Quelle essentieller Fettsäuren und für den Transport von fettlöslichen Vitaminen. Fett liefert mehr als doppelt so viel Energie wie Kohlenhydrate und Proteine. Die Erhöhung des Fettgehaltes im Futter ist demzufolge ein effektiver Weg, um die Energiedichte zu steigern. Insbesondere bei längeren Belastungen hat es sich bewährt, Hunden fettreiche Futtermischungen anzubieten. Auf diese Weise wird es möglich, mit einer vergleichsweise kleinen, schmackhaften Futtermenge den Energiebedarf zu decken.

Von den essentiellen Fettsäuren spielt beim Hund Linolsäure die entscheidende Rolle. Hierbei handelt es sich um eine mehrfach ungesättigte Fettsäure. Ein Mangel daran äußert sich in glanzlosem Fell, Haarausfall und mit der Zeit auch in Schädigungen der Haut. Prinzipiell kann davon ausgegangen werden, dass im Futter ausreichend ungesättigte Fettsäuren enthalten sind. Allerdings sollte beachtet werden, dass sie bei nicht adäquater Lagerung des Futtermittels durch Oxidation zerstört werden. Auch im Hinblick auf alle anderen Inhaltsstoffe sollten Futtervorräte kühl, trocken und dunkel gelagert werden.

Auf der einen Seite ist der Hund in der Lage, Kohlenhydrate gut zu verwerten, auf der anderen Seite sind diese nicht unbedingt nötig. So kann er den notwendigen Zucker zum Beispiel selbst im Körper herstellen. In handelsüblichen Futtermitteln sind Kohlenhydrate in Form von Stärke immer enthalten, da es sich um eine wirtschaftliche, gut verdauliche Komponente handelt, die allein aus technologischen Aspekten in der Herstellung von Trockenfutter unverzichtbar ist. Bei Hunden mit Ausdauerleistungen sollte der Kohlenhydratanteil nicht zu hoch sein, da diese den Magen stark füllen und die Leistung des Jagdgehilfen stark eineinschränken können. Fettreiche Futter sind da besser.

Was sollte alles im Futter enthalten sein?

Kohlenhydrate in Form von Ballaststoffen sollten ebenfalls in kleinen Mengen im Futter enthalten sein, da sie den Füllungsdruck im Verdauungskanal, besonders im Dickdarm beeinflussen. Damit fördern sie die Darmmotorik und beschleunigen die Darmpassage. Natürliche Quellen für Rohfaser sind Weizenkleie, Haferflocken, andere Getreide sowie verschiedene Gemüsesorten, wie Möhren. Neben diesen mengenmäßig dominierenden Komponenten benötigt der Hund weiterhin Mineralstoffe und Vitamine. Die Mineralstoffe lassen sich differenzieren in Mengen- und Spurenelemente. Diese Einteilung ergibt sich aus dem jeweiligen Gehalten der einzelnen Substanzen pro Kilogramm Körpermasse. Während die Mengenelemente wie Kalzium, Phosphor, Magnesium, Natrium, Kalium und Chlorid im Grammbereich enthalten sind, bleiben die Spurenelemente unter 500, die meisten sogar noch unter 100 mg/kg Körpertrockensubstanz. Auch wenn nur geringe Mengen benötigt werden, sollte man sich nicht dazu verleiten lassen anzunehmen, dass diese Substanzen weniger wichtig wären. Kalzium und Phosphor werden nicht nur in Knochensubstanz umgebaut und sorgen für die Stabilität des Skeletts, sondern sie sind auch für den Muskelstoffwechsel unentbehrlich. Durch Arbeitsbeanspruchung entsteht normalerweise kein erhöhter Bedarf, doch sollte darauf geachtet werden, dass Jagdhunde auf jeden Fall die für den Erhaltungsstoffwechsel empfohlenen Werte verabreicht bekommen.

Ausgesprochen wichtig für arbeitende Hunde ist eine ausreichende Versorgung mit bestimmten Spurenelementen wie Selen. Der Bedarf des Hundes an diesem Element wird auf 2,5 bis fünf µg/kg/Tag geschätzt , die Toxizitätstoleranz ist allerdings gering, so dass Überdosierungen zu vermeiden sind. Selen ist ein unentbehrlicher Bestandteil eines Enzyms, das schädliche freie Radikale inaktiviert, welche bei gesteigerten Stoffwechsel entstehen. Unabdingbar für diesen Schritt ist unter anderem das Vitamin E. Auf diese Weise wird die Unversehrtheit von Zellmembranen aufrechterhalten.

Wasser sollte jederzeit zur Verfügung stehen

Wasser ist für den Hund unentbehrlich und sollte ihm jederzeit in ausreichender Menge zur Verfügung stehen. In der Regel nehmen Hunde Wasser (unabhängig von der Tageszeit) zwei Stunden nach dem Fressen auf. Der Wasserbedarf von Hunden steigt bei körperlicher Belastung, vor allem bedingt durch die Thermoregulation, erheblich an. Eine ausreichende Wasserversorgung ist für die Erhaltung der Leistungsfähigkeit genauso wichtig wie die ausgewogene Futtergabe. Auch bei mehrstündigen Gesellschaftsjagden sollte gewährleistet sein, dass der jagende Begleiter zwischendurch Gelegenheit zum Schöpfen bekommt.

Grundsätzlich hat der Hundehalter die Möglichkeit, seinem Vierbeiner industriell hergestelltes Mischfutter anzubieten oder ihm eine hausgemachte Futterration zusammenzustellen. Die Fütterung von kommerziell hergestellten Futtermitteln bietet gegenüber hausgemachten Futterrationen zahlreiche Vorteile: Sie sind im Allgemeinen praktischer in der Handhabung, günstiger und ausgewogener in der Nährstoffzusammensetzung. Dennoch gibt es immer wieder Hundebesitzer, die den Wunsch hegen, ihrem Vierbeiner ein natürliches und traditionelles „Essen“ zuzubereiten. Handelt es sich dabei um eine gewissenhaft zusammengestellte, ausgewogene Ration, ist dagegen nichts einzuwenden. Doch es gilt, alle Nährstoffgruppen unter Berücksichtigung des Alters, der Körpermasse und der Leistungsansprüche in geeigneter Menge zu bemessen. In den meisten Fällen ist zur Erzielung einer ausgewogenen Nährstoffrelation eine Kombination von bis zu fünf Einzelfuttermitteln erforderlich, die nach dem „Baukastenprinzip“ zusammengefügt werden. Die meisten Fleischsorten und Nebenprodukte des Schlachtprozesses sind im Vergleich zu den entsprechenden Empfehlungen sehr proteinreich und sollten mit einem eiweißarmen Ergänzungsfutter (Flockenfutter) kombiniert werden. Je nach Zusammensetzung des Flockenfutters ist es eventuell erforderlich, ein vitaminreiches Mineralfutter und Ballaststoffe (Gemüse wie Möhren) zuzugeben, um eine bedarfsdeckende Ration zu erhalten.

Nach dem Feuchtigkeitsgehalt wird unterschieden

Dem höheren Arbeitsaufwand stehen (je nach Beschaffungsmöglichkeiten) preisliche Vorteile und eine sehr gute Akzeptanz auch bei empfindlichen Hunden gegenüber. Entscheidet man sich als Hundebesitzer für ein industriell hergestelltes Mischfutter, hat man reichlich Auswahl. Die zahlreich angebotenen Mischfuttermittel für Hunde lassen sich generell in Alleinfutter- und Ergänzungsfuttermittel einteilen. Alleinfuttermittel sind so hergestellt, dass sie bei ausschließlicher Verwendung alle Bedürfnisse des Jadghundes erfüllen und keine weiteren Nahrungsergänzungsmittel zugegeben werden müssen. Je nach Feuchtigkeitsgehalt unterscheidet man feuchte, halbfeuchte und trockene Futtermittel.