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WC-Steine zur Wildschadenabwehr: Sauerei statt stilles Örtchen

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Der Mais ist eingedrillt, die alljährliche Gretchenfrage steht im Raum: Wie schützen wir die Äcker mit möglichst wenig Aufwand? Einige Jäger unternahmen einen riskanten Versuch.

 

Von wegen stilles Örtchen: Nach drei Wochen richteten die Sauen unser ungeschütztes „Kontollfeld“ übel zu. Einige Zeit später sahen auch die mit den WC-Steinen bestückten Äcker so aus

von Erich Birner

Eins ist nicht neu: Abschreckmittel auf Geruchsbasis schneiden im Vergleich zu Elektrozäunen nicht gut ab.

Dennoch, wir wollten es genau wissen: Neugierde und Experimentierfreude hatten uns veranlasst, trotz vorhandener Elektrozäune und verschiedener akustischer Abwehrgeräte mit WC-Steinen während der Vegetationsperioden 1998 und 1999 zu arbeiten.

Wirken sie oder wirken sie nicht?

Zu groß war die Verlockung: Einfach aufhängen, kurz vor dem Siliervorgang abnehmen, fertig. Kein mühsames Zäunen mehr, kein zeitraubendes Kontrollieren von unendlich langen Elektrozäunen und kein kurzfristiges Abbauen der aufwendigen Zaunanlagen. Soweit die Theorie.

Von fünf Maisschlägen, die während der Vegetationsperiode 1998 zu schützen waren, wurden vier an den Rändern mit WC-Steinen bestückt. Ein Acker blieb „unbehandelt“. Schließlich sollte dieser Kontrollschlag helfen, die Wirkung der Steine zu belegen.

Im Vergleich zum Aufbau eines E-Zaunes ist das Ausbringen der WC-Steine eine elegante Angelegenheit: Hurtig sind die in kleinen Containern liegenden Steine an einem Elekrozaunpfahl oder später dann direkt an den Maispflanzen eingefädelt.

Wir setzten alle 20 Meter einen Stein. So wollten wir sichergehen, jeden wiederzufinden, schließlich würden vergessene Steine das wertvolle Futter entwerten.

Günstig

Unbedeutend auch der finanzielle Einsatz, den diese Methode erfordert: Unterstellen wir für einen Acker von einem Hektar eine quadratische Feldform, ergibt dies bei einer Seitenlänge von 100 Metern und einem Abstand zwischen den Steinen von 20 Metern eine Gesamtzahl von 20 WC-Steinen pro Hektar.

Bei einem Preis von etwa 1 DM/Einheit errechnet sich bei diesem Modell ein Gesamtbetrag von 20 DM pro Hektar. Dabei sind die Steine mehrere Jahre funktionsfähig. Absolut unschlagbar, sofern die Methode funktioniert.

Nachdem die Steine ausgebracht waren, warteten wir natürlich gespannt auf die „Reaktion“ der Schwarzkittel. Etwa drei Wochen war tatsächlich Ruhe an der Front.

Dann passierte es: Eine starke Rotte hatte sich gezielt zuerst den ohne WC-Steine gesicherten Maisschlag vorgenommen und dort in einer einzigen Nacht eine Bresche von beachtlicher Größe geschlagen. Fortan war keine Ruhe mehr, bis endlich ein Frischling aus dieser Rotte zur Strecke kam.

Hemmschwelle überwunden

Die mit den Steinen bestückten Schläge wurden zunächst in Ruhe gelassen. Aber dann wurden auch sie angenommen. Erst recht zögerlich, dann immer dreister. Es war also klar – die Hemmschwelle war überwunden. Offenbar, so müsste wohl eine Sau folgern, geht von dieser Geruchsbarriere keine Gefahr aus. Der Druck wurde stärker und stärker.

Es blieb schließlich nichts anderes übrig, als gegen Ende der Saison doch noch mit allen verfügbaren Mitteln – akustischen Geräten und schließlich auch mit Elektrozäunen – die am meisten gefährdeten Äcker nachzurüsten, um das Schlimmste zu verhindern.

Eine interessante Beobachtung am Rande: Auf wundersame Weise war eine stattliche Anzahl von WC-Steinen verschwunden; dies im Jahr 1998 als auch im darauffolgenden Jahr 1999. Es ist nicht gelungen, die Ursache aufzuklären.

Sicher hat der Wind dazu geführt, dass manche der Körbchen abgefallen sind. Aber sie waren in der näheren Umgebung der betreffenden Maispflanzen nicht auszumachen. Sollten sich vielleicht Jungfüchse oder Elstern bedient haben?

Nachdem die WC-Steine 1998 angeschafft und nach der Saison durchaus noch intakt waren, wurden sie 1999 zusammen mit akustischen Abwehrmaßnahmen und Elektrozäunen als unterstützende Maßnahme eingesetzt. Das Jahr 1999 verlief glimpflich.

Kein wirksamer Alleinschutz

Ein wirksamer Allein-Schutz zur Zeit der Maisreife nur mit WC-Steinen ist unter unseren Bedingungen mit mittlerem bis hohem Schwarzwildbestand nicht sicherzustellen. Anders mag es dort sein, wo Schwarzwild nur gelegentlich auftaucht oder wo sich der Druck in der kritischen Zeit von Mitte August bis Anfang Oktober in Grenzen hält.

Auch ein Schwarzwildbestand setzt sich aus Individuen zusammen. Es ist davon auszugehen, dass die vorwitzigeren es eher wagen, eine so penetrant riechende Geruchsbarriere zu überwinden. Andere werden dies vermutlich nie riskieren. Dies nachzuweisen dürfte allerdings kaum möglich sein.

Eine gewisse anfängliche Hemmschwelle haben aber wohl alle Sauen. Und diese dürfte ausreichen, um Anfang Mai, zur Zeit der Maissaat, den notwendigen Schutz während der kritischen zehn bis 14 Tage zwischen Saat und Auflaufen sicherzustellen.

Unterstützend kommt während dieser Phase hinzu, dass in der Feldflur kaum Deckung zu finden ist. Erfahrungsgemäß meidet Schwarzwild deckungslose Flur ohnehin. Außerdem sind frisch gesäte Maiskörner lange nicht so attraktiv wie reifende Kolben.

Fazit

WC-Steine sind in der Vorerntezeit bestenfalls für Reviere mit geringem Schwarzwild-Bestand als Abwehrmaßnahme geeignet. Dort, wo Schwarzwild als Standwild auftritt, bei regelmäßigem Vorkommen oder gar hohem Druck ist diese Maßnahme allenfalls kurzfristig wirksam. Das finanzielle Risiko ist zu groß, um sich darauf verlassen zu können. Allenfalls als unterstützende Barriere zusammen mit anderen Abwehrtechniken kann man sie verwenden, sofern man die Steine dann überhaupt noch braucht.

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