Reise-Fieber

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Sie haben noch ein paar Urlaubstage frei? Wie wäre es mit einer Gamsjagd? Wir sagen Ihnen, wo Sie jetzt noch buchen können, und was Sie für längerfristige Planungen beachten sollten.

 

Wenn der Gast, wie hier im Revier Stillup einen 14- und einen achtjährigen Bock streckt, ist nicht nur das Erlebnis, sondern auch die Beute perfekt

Die Möglichkeiten, in Europa auf Gams zu jagen, sind ungemein vielfältig. Wer also eine Jagd buchen will, muss sich aktuelle Referenzen über das Revier besorgen. Dazu gehören Auskünfte über den Gamsbestand und die Erfolgsquote genauso wie die Begehbarkeit des Reviers oder Informationen über den Berufsjäger beziehungsweise Jagdführer.

Wer bei einem renommierten Jagdreisebüro bucht, sollte sich zwar ebenfalls Referenzen einholen, aber die Chancen, teures Lehrgeld zu zahlen und ohne Gams heim zu kommen, sind geringer, als wenn man über eine Chiffre-Anzeige Waidmannsheil sucht. Die meisten Jagdreisebüros sind an langfristigen und guten Kontakten zu ihren Kunden interessiert und sorgen dafür, dass schlechte Reviere gar nicht erst vermittelt werden oder schnellstmöglich wieder aus dem Programm genommen werden. Dass man dafür etwas tiefer in die Tasche greifen muss, ist logisch, schließlich wird neben der Vermittlungsgebühr und der Buchungspauschale der Papierkrieg, sprich Jagdlizenz, Waffengenehmigung, Buchung der Unterkunft und Organisation der Anreise, vom Vermittler übernommen.

Jagden auf die sehr starke Karpaten-Gams in Rumänien, die Balkan-Gams in Bulgarien, Kroatien, Jugoslawien und Mazedonien sowie die Alpen-Gams in Slowenien werden fast ausschließlich über Jagdreisebüros angeboten. Gleiches gilt für Spanien. Adressen zur Gamsjagd in Frankreich können über das Office National de la Chasse angefordert werden.

Die Preise im Ausland sind teilweise gepfeffert: Wer einen starken Karpaten-Gams erlegen will, muss allein als Abschussgebühr für einen kapitalen 110-Punkte-Bock mit etwa 2800 Euro rechnen. Ein günstiges Preis-Leistungsverhältnis bietet dagegen zum Beispiel Slowenien. Hier kommt man für drei Jagdtage einschließlich 90-Punkte-Gams mit rund 1300 Euro zuzüglich Anreise aus. WILD UND HUND hat auf Sommergams und zur Brunft im November zwei Leserreisen bei einem slowenischen Veranstalter mit Erfolg durchgeführt (siehe WuH 25, 1999).

Preisvergelche lohnen!

Zwar sprechen die Jagdführer in Slowenien oder den anderen Balkanstaaten häufig recht gut Deutsch, aber so mancher möchte doch nicht so weit reisen. Wer nicht sofort, sondern erst im Oktober oder im nächsten Jahr auf Gams jagen will, für den bietet sich die Schweiz, speziell das Kanton Wallis an. Dort hat Bavaria-Jagdreisen (Tel. 08 21/57 60 12) ein Kontingent an Hege- und Regulierungsabschüssen, wobei Böcke und Geißen pauschal und nicht nach Punkten abgerechnet werden (Preis 1475 Euro, zuzüglich An- und Abreise, Proviant, Unterkunft und obligatorische Haftpflicht). In diesem Jahr hat man allerdings nur noch eine Gams frei, aber hier gilt: Die Buchungen laufen schon für das nächste oder übernächste Jahr, so begehrt sind die Lizenzen.

Das klassische Gamsland ist sicher Österreich, dort wurden im Jagdjahr 2000/2001 immerhin 24 523 Stück Gamswild erlegt (im Vergleich: Bayern 3820, Baden-Württemberg 277 erlegte Gams). Gut erschlossene Reviere, relativ kurze Anreisewege und professionelle Jagdführung ziehen viele Gäste in die Alpen-Republik.

Die Angebote im Internet von Direktanbietern und Vermittlern überschlagen sich, so dass es sich lohnt, Preisvergleiche für die gewünschte Region einzuholen. Der größte Jagdflächeninhaber ist die Österreichische Bundesforste AG (ÖBf), die neben Revierverpachtungen auch Einzelabschüsse vergibt. Im Internet unter www.bundesforste.at und dem Stichwort „Commerce“ sowie „Jagd und Fischerei“ kann man Abschuss- oder Pachtwünsche angeben. Die Anfragen werden dann an die jeweiligen Forstbetriebe weitergegeben.

Für dieses Jahr sind kaum noch Gams-Abschüsse in den österreichischen Bundesforsten zu haben. Die Reviere des Forstbetriebes Kramsach im Tiroler Zillertal hatten zum Redaktionsschluss noch fünf Abschüsse zu vergeben, die Reviere des Forstbetriebes Abtenau (Salzburg) im westlichen Tennengebirge noch etwa 15.

Die Kosten für die Führung im Forstbetrieb Abtenau belaufen sich pro halben Tag auf 60 Euro, ein Jährling kostet 200 Euro, ein reifer 97-Punkte-Bock 1400 Euro, jeweils plus 20 Prozent Umsatzsteuer. Da die Preise bei den ÖBf nicht mehr einheitlich gestaltet werden, kann es bei den einzelnen Forstbetrieben zu unterschiedlichen Preisen für die gleiche Leistung kommen.

Neben den Bundesforsten gibt es natürlich noch andere Anbieter, die ihre Reviere direkt oder über Jagdreisebüros anbieten. Holen Sie sich mehrere Angebote samt Referenzen ein. Zum Beispiel verkauft das Revier einer großen Familienstiftung im Karwendel (Tel. 00 43/52 13/51 56) im Jahr etwa zehn Gamsabschüsse. Bei Redaktionsschluss waren für dieses Jahr aber nur noch zwei Abschüsse frei.

Kondition und Bergerfahrung gelten hier wie in vielen Revieren als Voraussetzung für den Erfolg. Die Abschusspreise bewegen sich zwischen 600 und 2500 Euro plus Nebenkosten. Wer ein wenig sucht, kann gerade in der Region Karwendel/Wetterstein eine tolle Jagd erleben.

Kurzfristige Jagdmöglichkeiten

Viele Reviere mit gutem Komfort auch in „Sterne-Qualität“ bieten die Hotels, die dem Internationalen Jagdhotelverband angehören. Dort kann man unter www.jagdhotelverband.com eine Info-Anforderung für Urlaub und Jagd ausfüllen.

Wer Deutschland zu guter Letzt gar nicht verlassen möchte, kann sich natürlich an eines der Bayerischen Staatsforstämter richten, die ebenfalls Einzelabschüsse auf Gams vergeben.

Zwar sind in einigen Revieren die Gamsbestände wegen der Waldsanierung nicht mehr so hoch wie früher, dennoch bieten sich auch heute noch viele gute Jagdmöglichkeiten. Die Zahl der Abschüsse ist natürlich beschränkt, und daher müssen die Anträge dazu schriftlich bei den Forstämtern eingereicht werden. Erstbewerber haben dabei häufig eine gute Chance. Das Forstamt Bad Tölz beispielsweise vergibt jährlich rund 50 Abschüsse, die Bayerische Saalforstverwaltung mit Sitz im österreichischen St. Martin nimmt im Jahr rund 100 Jagdgäste auf.

Für dieses Jahr sind in den bayerischen Hochgebirgs-Forstämtern alle Abschüsse vergeben, aber immer wieder sagt ein Gast in letzter Minute ab, so dass sich auch kurzfristig noch Jagdmöglichkeiten ergeben können – so bei Redaktionschluss noch im Forstamt Garmisch-Partenkirchen. Wer also in staatlichen deutschen Revieren auf Gamsjagd gehen will, muss sich frühzeitig anmelden.

 

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