Volldampf auf ganzer Fläche

1968


Jungfuchsbejagung ist das A & O:
Die Streckenmeldungen belegen Jahr für Jahr, dass es uns bisher nicht gelungen ist, die Fuchspopulation auf ein vertretbares Maß zu reduzieren – im Gegenteil. Ein eklatantes Defizit bei der Jungfuchsbejagung und die Existenz von Revieren und Flächen, in denen der Fuchs nicht oder kaum bejagt wird, sind die Hauptgründe.

 

„Wer den Bau hat, hat den Dachs“ – das gilt auch für den Fuchs. Im Frühsommer kann man dort den Jungfüchsen nachstellen und im Winter den „Halbstarken“ oder Altfüchsen

Von Dr. Jürgen Goretzki; Andreas David

Über den Einfluss von Beutegreifern auf die Besätze des Niederwildes und zahlreicher nicht jagdbarer Bodenbrüter sowie weiterer Wildtierarten wird noch immer viel diskutiert. Gleiches gilt für die Notwendigkeit der Raubwildbejagung. Diese Diskussionen werden jedoch vielfach nicht argumentativ und wissenschaftlich fundiert, sondern emotional, ideologisch und von Gruppeninteressen überlagert geführt.

Die Meinungsvielfalt reicht dabei von der Forderung nach einer schadnagerähnlichen Bekämpfung des Fuchses bis hin zu Wunschvorstellungen von Selbstregulationsmechanismen in intakten Ökosystemen. Obwohl der Einfluss des Fuchses auf zahlreiche, insbesondere gefährdete Arten wissenschaftlich seriös belegt ist, wird die aktuelle Rolle des Fuchses beim Artenrückgang in unseren Kulturlandschaften auf vielen Ebenen ignoriert. Ohne an dieser Stelle erneut auf das Für und Wider eingehen zu wollen, sei lediglich ein einziges Zahlenbeispiel angeführt: Während auf dem Gebiet der ostdeutschen Bundesländer im Zeitraum von 1972 bis 1976 jedem erlegten Hasen, Kaninchen und Fasan durchschnittlich etwa 1,3 Stück Haarraubwild gegenüberstanden, verschob sich dieses Verhältnis bis 1987 auf 1:10,3. Selbst leidenschaftliche Jagdgegner müssten also zumindest zur Kenntnis nehmen, dass gegenwärtig vitale Fuchspopulationen mit hoher Reproduktionsleistung flächendeckend und mit bisher nicht erreichten Individuenzahlen in unserer Kulturlandschaft leben.

Erstaunlich in diesem Zusammenhang ist, dass die Gegner der Fuchsbejagung zwar immer wieder betonen, dass Reineke und andere Beutegreifer keinen nachhaltigen Einfluss auf ihre Beutetiere nehmen können, den Fuchs aber als wichtigen Regulator der Mäusepopulationen im Wald und als unterstützenden Faktor des ökologischen Waldbaues sehen – speziell in Jahren mit Massenvermehrungen der kleinen Nager.

Gezielte und Effektive Bejagung ist unabdingbar

Dass der Fuchs unter dem heimischen Haarraubwild als Fressfeind der genannten Niederwildarten die Hauptrolle spielt, ist dagegen unter Fachleuten unstrittig und wird durch die jährlichen Fuchsstrecken bestätigt. Ebenso zeigt die aktuelle Streckenentwicklung beim Fuchs, dass trotz immens hoher Streckenzahlen der reproduzierende Frühjahrsbesatz des jeweils folgenden Jahres durch die derzeitige Intensität der Fuchsbejagung nicht spürbar beeinflusst wird. Diese Tatsache kann gar nicht oft genug hervorgehoben werden, um die Fehlbeurteilungen der Effizienz der momentanen Fuchsbejagung endlich zu tilgen. Diese Fehleinschätzungen basieren offenbar auch beim Fuchs auf einer mehr oder minder deutlichen Unterschätzung des jährlichen Zuwachses seiner Population. Ungeachtet des Lebensraumes müssen wir – bezogen auf die Gesamtpopulation – von jährlichen Zuwachsraten ausgehen, die nicht unter 180 bis 200 Prozent liegen.

Vor diesem Hintergrund sollten Zufallserlegungen und -fänge in eine gezielte und effektive Bejagung des Fuchses übergehen. Dazu sind folgende Maßnahmen notwendig:
l Man muss sich darüber im Klaren sein, dass es notwendig ist, die Fuchspopulation stark zu reduzieren.

l Alle Kunst- und Naturbaue müssen auf einer Revierkarte eingezeichnet werden. Diese Karte muss ständig aktualisiert werden.

l Jedes Geheck muss im Mai als Grundlage für eine objektive Besatzermittlung erfasst werden.

l Bejagung der Jungfüchse am Bau im Mai und Juni – erst dadurch kann der Fuchsbesatz gesenkt werden.

l Im Revier sollten Luderplätze und Mäuseburgen angelegt und noch mehr Kunstbaue eingebaut wewrden. Das erhöht die Jagd- und Fangerfolge.

l Genau Buch führen über Geschlecht, Jung- oder Altfuchs, Erlegungsdatum und -ort sowie Art der Erlegung. Das verbessert die Streckenstatistik, die mit solchen Eckdaten fundierter bewertet werden kann. Außerdem dient sie als Grundlage von Prognosen

Den Frühjahrsbesatz reduzieren

Wichtigster Punkt ist die Bejagung der Jungfüchse am Bau mit Flinte oder Falle. Im sachsen-anhaltinischen Hakel und in der Oderniederung wurde praktisch demonstriert, dass, ohne eine starke Minderung der Jungfüchse am Wurfbau, Fuchspopulationen nicht nachhaltig reduziert werden können. Dort wurde auf der Grundlage eines Baukatasters die Zahl der Fuchsgehecke und damit der Frühjahrsbesatz genau ermittelt. In dem von landwirtschaftlicher Intensivnutzung dominierten ehemaligen Wildforschungsgebiet Wriezen (130 Quadratkilometer, Oderniederung) erfolgte in zwei aufeinander folgenden Jahren eine vollständige Welpenreduzierung, gefolgt von einer jagdlichen Nutzung, die bis in die Ranzzeit hineinreichte. Der Stamm- beziehungsweise Frühjahrsbesatz wurde so von 85 Füchsen (Ausgangswert) zunächst auf 50 und im nächsten Jahr auf fast null reduziert. In den folgenden beiden Jahren verblieb auf Grund der durchgeführten Welpenmarkierung der gesamte Zuwachs in der Population. Durch die spätere jagdliche Nutzung gelang es nicht annähernd, die Populationsdichte auf den Ausgangswert zurückzuführen, geschweige denn abzusenken.

Keine Reduzierung trotz Bejagung

Dieser Versuch mit einer direkt verfolgten Besatzentwicklung unterstreicht mit großem Nachdruck, dass unter den gegenwärtigen Bedingungen Fuchspopulationen ohne eine entsprechende Welpenreduzierung auf großer Fläche nicht abgesenkt oder auch nur auf gleichem Niveau gehalten werden können. Ergänzend bleibt festzuhalten, dass in den ersten beiden Versuchsjahren trotz einer fast kompletten Tilgung des Stammbesatzes hinsichtlich der absoluten Zahl keine Reduzierung des Frühjahrsbesatzes erfolgte. Die Population wurde von außen durch Füchse aus den „normal bejagten“ Nachbarbesätzen wieder aufgefüllt.
Zur Praxis: Bei der Bejagung der Jungfüchse am Bau ist zu berücksichtigen, dass sich der Wölfzeitraum nach lang anhaltenden Schneeperioden über insgesamt gut elf Wochen hinziehen kann. Nach milden Wintern umfasste die Reproduktionsperiode immerhin noch 63 Tage. Die geschilderte Untersuchung in der Oderniederung zeigte, dass einige Gehecke bereits am 15. Februar, andere wiederum erst Anfang Mai gewölft wurden. Die Flinte sollte im Frühjahr also nicht zu früh eingeölt und die Jungfuchsfallen nicht verfrüht in der Garage oder im Schuppen verstaut werden.

Nahrungsmangel enfällt als Regulation

Das Projekt zeigte ebenfalls, dass sich die Ranz bei dauerhaft hohen Schneelagen in die Länge zieht – ein jagdpratisch wichtiger Hinweis für eine effektive Bejagung. In dem schneereichen Winter 1979 lag der Höhepunkt der Ranz um den 15. Februar herum, während in „normalen“ Jahren der Höhepunkt ziemlich exakt auf den Monatswechsel Januar/Februar terminiert werden konnte. Füchse sind bei hohen Schneelagen nachgewiesenermaßen weniger aktiv, so dass die Ranz mit hoher Wahrscheinlichkeit dadurch ins Stocken kommt (Ables 1969).

Weiterhin ist zu berücksichtigen, dass die Baue, die in deckungsarmen Flächen oder in Gebieten intensiv genutzter Landwirtschaft liegen, eine über die Welpenaufzucht und Ranz hinausgehende ganzjährige Bedeutung als Deckungsmöglichkeit erlangen. Ein guter Ansatz für die Bejagung Reinekes in buscharmen Feldrevieren.

Die Forschungsarbeiten in der Wriezener Oderniederung sowie zahlreiche weitere Projekte zeigen deutlich, dass sich der Fuchs ausgezeichnet an die Bedingungen der modernen landwirtschaftlichen Nutzung anpassen und mit hoher Rate fortpflanzen kann. Entsprechende Einblicke in die Eroberung urbaner Lebensräume durch den Fuchs – angefangen bei Harris (1977) bis hin zu König (Artikel in dieser WuH:„Münchens Füchse fressen Hamburger“) – verdeutlichen weiterhin, dass es in Mitteleuropa, bis auf die Stadtkerne einiger Großstädte, praktisch keine fuchsfreien Räume mehr gibt.

Die Bejagung des Fuchses konzentriert sich weitestgehend auf die privaten oder fiskalischen Jagdbezirke. Zwischen der Gesamtfläche und der Jagdfläche Deutschlands aber besteht eine Differenz von etwa 3,73 Millionen Hektar! Auch dieser Sachverhalt sollte in die Überlegungen zu der aus ökologischer Sicht dringend notwendigen großflächigen Reduzierung der Fuchspopulation einbezogen werden.

Die hohe Reproduktionsleistung der Füchse bei fehlender oder ungenügender Reduzierung führt zu einem schnellen Anstieg der Populationsdichte mit allen bekannten Konsequenzen. Die Ernährungsbedingungen stellen keinen limitierenden Faktor für die Entwicklung von Fuchsbesätzen dar. Unabhängig von der Dynamik von Kleinsäugerpopulationen ist in mitteleuropäischen Kulturlandschaften Nahrung für den Fuchs im Überfluss vorhanden. Allein unsere Wirtschaftsformen, unsere Abfälle und andere Hinterlassenschaften tragen in hohem Maße dazu bei, dass Reineke nicht hungern muss. Folgerichtig konnte unter den gegebenen ökologischen Bedingungen „Nahrungsmangel“ als regulierender Faktor für den Fuchs nicht nachgewiesen werden.

Eine konsequente Bejagung ist erforderlich

Unter den aktuellen Bedingungen im dicht besiedelten Mitteleuropa können die Fuchsbesätze nur über eine ausreichende Minderung des Zuwachses in Verbindung mit einer intensiven Bejagung in der Zeit danach abgesenkt werden. Die Welpenreduzierung und die jagdliche Nutzung in der Zeit der Balgreife widersprechen sich dabei nicht, da den Umständen entsprechend trotzdem beachtliche Fuchsstrecken erzielt werden können. Entscheidend für eine erfolgreiche Reduzierung und Bewirtschaftung der Fuchspopulation aber ist die Erfassung der gesamten vom Fuchs besiedelten Fläche.
In diesem Kontext trägt auch die Forstwirtschaft ein hohes Maß an Verantwortung. Die zunehmend erkennbaren Tendenzen in zahlreichen Forstverwaltungen zur Nichtbejagung des Fuchses entstammen wissenschaftlich nicht begründeten Argumenten und sind aus gesamtökologischer Sicht nicht haltbar.
Weiterhin sollte die Herstellung und Verarbeitung der Raubwildbälge wieder mehr gefördert und unterstützt werden. Es muss nicht sein, dass wertvolle, nicht regenerierbare natürliche Ressourcen wie zum Beispiel Öl im Übermaß in die Herstellung von Kunstfasern investiert wird, einer sinnvollen Nutzung des Rauchwerks aber kaum noch Beachtung geschenkt beziehungsweise diese von umweltpolitischen Größen auch noch torpediert wird. Dies umso mehr, als dass die diesbezüglichen Aktivisten ansonsten scheinbar jede Gelegenheit nutzen, um Energie zu sparen.

Eberswalder Wissenschaftler markierten mehr als 1 000 Welpen. Diese Aktion zeigte eindrucksvoll, mit welcher Dynamik die Fuchspopulationen ansteigen, wenn man Reineke gar nicht oder nur halbherzig bejagt

 

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