Auf Knopfdruck halbe-halbe

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Sauer 202 „Take Down“:
Rechtzeitig vor der IWA lässt Sauer die Katze aus dem Sack: Die Eckernförder präsentieren die erste deutsche Serien-Repetierbüchse, die ohne Werkzeug zerlegbar ist und aus der sowohl Medium- als auch Magnum-Kaliber verschossen werden können. Und das alles zu einem sensationellen Preis.

 

Nachwuchs mit Ambitionen: Der neueste Sprössling in der Sauer-Repetierbüchsen-Reihe zeichnet sich durch ausgeklügelte technische Details aus, die einen Laufwechsel zum Kinderspiel machen

Exakt drei Zentimeter über dem Haltepunkt durchlöchert das erste Norma- 11,7-Plastic-Spitz-Geschoss aus der .300 Winchester Magnum die 100 Meter entfernte Scheibe. Ein guter Anfang für einen 5-Schuss-Präzisionstest. Jetzt bin ich gespannt, wo die weiteren Schüsse liegen, wenn man den Lauf einmal aus- und wieder eingebaut hat. Also: Druck auf den Knopf am Vorderschaft, Vorderschaft abziehen, Verschluss öffnen, Lauf raus. Danach das Gewehr in umgekehrter Reihenfolge wieder zusammengesetzt, und keine Minute später stanzt das zweite Projektil ein Loch direkt neben dem ersten.

Sauer 202 Take Down hält

Nach jedem Schuss die gleiche Prozedur und als die Scheibe schließlich hereingefahren ist, prangt ein Streukreis von 24 Millimetern auf dem Papier. „Passt doch, oder?“, freut sich Sauers neuer Langwaffen-Produktmanager Matthias Klotz. Und dass er damit weniger meine Schießkünste, sondern die des Gewehres meint, wundert nicht, denn dieser Streukreis unterbietet sogar das Fünfer-Bild ohne dazwischen liegenden Laufwechsel um einen Millimeter.

Die erste Serienwaffe der brandneuen Sauer 202 Take Down hält, was sie verspricht: blitzschnelles Zerlegen ohne Werkzeug und absolute Treffgenauigkeit nach erneutem Zusammensetzen. „Genau das war unser Ziel“, erläutert später Sauer-Geschäftsführer Thomas Schnizler. „Eine hochpräzise Repetierbüchse, die ohne Werkzeug schnell zerlegt und zusammengesetzt werden kann, und die Kaliberwechsel von Standard zu Magnum erlaubt“, so Schnizler weiter.

Handliches Packmaß

Als Grundlage für die Take Down wählte Sauer den Magnum-Stahlsystemkasten der 202 und modifizierte ihn für die neuen Ansprüche. Den Eckernfördern kam dabei zu Gute, dass der Verschluss der 202 bekanntermaßen im Lauf verriegelt. Abstandsprobleme zwischen Stoßboden und Zündhütchen der Patrone nach Zerlegen und Zusammensetzen mussten also nicht gelöst werden, und auch eine Schwächung des gesamten Systems ist trotz Take Down-Lösung kein Thema.

Um das Zerlegen ohne Werkzeug zu ermöglichen, griff Sauer auf ein bewährtes weltweites Patent von Manfred Orth zurück, der seit einigen Jahren mit seinen Take Down-Büchsen auf 98er-Basis für Aufsehen sorgt, und dessen Gewehre selbst im Kaliber .500 Jeffery durch ihre Präzision und Stabilität glänzen.

Sauers Langwaffen-Konstrukteur Horst Röh optimierte Orths Erfindung für die 202, und heraus kam eine spielfreie Kegel-Steckverbindung zwischen Lauf und Systemkasten, die durch die zweireihig angeordneten sechs Verschlusswarzen arretiert wird. Bei geöffnetem Verschluss wiederum hält der mit sechs Klemmbolzen verriegelte Vorderschaft den Lauf in seiner Position. Genau diese sechs Bolzen werden auf Knopfdruck gelöst, so dass nach Abziehen des Vorderschaftes und Öffnen des Verschlusses der Lauf herausgezogen werden kann. So schrumpft die Magnum-Büchse in Windeseile auf das handliche Packmaß von 65 Zentimetern für den Lauf und 54 Zentimetern für Hinterschaft und System. Natürlich gibt es von Sauer den passenden Waffenkoffer dazu, so dass der Jäger für jede Reise gerüstet ist.

Die restlichen Zutaten zum Take Down-Menü spendierten die Eckernförder Köche aus der bewährten 202: Dazu gehören der verkantungsfreie, extrem weiche Kammergang, der bei Serien-Repetierbüchsen eigentlich nur noch von dem der hauseigenen Sauer 90 übertroffen wird, genauso wie die lautlose Sicherung, bei der über einen Knopf vor dem Abzug entsichert und durch einen Druckknopf auf dem Kolbenhals gesichert wird. Dazu kommen der Flintenabzug mit Rückstecher und der flache, elegante Kammerstängel. Obligatorisch ist eine Entstechautomatik beim Anheben des Kammerstängels. Gewohnt hervorragend ist die Verarbeitung mit entsprechenden Passungen von Metall und Holz sowie die Oberflächenbearbeitung der Büchse.

Anstandsloses Zerlegen und Zusammensetzen

Das Menü scheint trefflich gelungen, denn die oben genannten Streukreise waren jederzeit reproduzierbar und auch bei heiß geschossenem Lauf ließ sich die Büchse anstandslos zerlegen und zusammensetzen. Doch auch in der rauen Jagdpraxis musste eine 202 Take Down schon ihren Mann stehen: „Bevor das Gewehr in Serie ging, wurde ein Prototyp ausgiebig in den unterschiedlichsten Revieren geführt“, erzählt Thomas Schnizler. „Und noch bevor über eine Sauer Take Down in der Branche getuschelt wurde, waren damit schon über zwei Dutzend Stück Wild erlegt worden“, schmunzelt Matthias Klotz.

In einer Minute ein neues Gewehr

Fehlt noch der Laufwechsel: Bei dem werden künftige Take Down-Besitzer nicht in Medium- und Magnum-Kalibergruppen gezwängt, sondern können von der 6,5×55 bis zur .416 Remington wählen. Dabei müssen innerhalb der jeweiligen Kalibergruppe nur der Lauf, beim Wechsel auf .375 Holland & Holland Magnum oder .416 Remington Magnum sowohl Lauf als auch Magazin, und beim Wechsel von Magnum auf Standard Lauf, Magazin und Kammer, getauscht werden. „Wer zwei Kaliber aus seiner Take Down verschießen will, sollte gleich mit einem zweiten Zielfernrohr liebäugeln“, rät Matthias Klotz, „denn dann entfällt das Verstellen des Absehens nach dem Kaliberwechsel, und nach nicht mal einer Minute hält man ein neues Gewehr in Händen, das ohne vorherigen Probeschuss einsatzbereit ist.“

Unschlagbarer Preis

Wer jetzt denkt, dass Sauer mit der Neuen auch in die Preisdimensionen handgemachter Take Down-Repetierbüchsen vorstößt, irrt: Gerade mal 2 950 Euro wird die Basis-Take Down in der „Select“-Ausstattung kosten. Weniger als die Hälfte dessen, was man sonst als Eintrittsgeld in die „Nobelklasse der Repetierbüchsen“ bezahlen muss. So präsentiert Sauer mit der 202 Take Down technische Finessen, die in dieser Zusammensetzung und zu diesem Preis bis dato nirgendwo verwirklicht werden konnten.

Auf einen Blick

S 202 Take Down

– ohne Werkzeug zerlegbare Repetierbüchse

– keine Treffpunktverlagerung nach Aus- und Wiedereinbau des Laufes

– alle Verbindungsteile Lauf/Hülse, Vorderschaft/System aus Metall

– Verriegelung direkt im Lauf

– Stahl-Systemkasten

– Laufwechsel von Magnum- auf Medium-Kaliber möglich

– Flintenabzug mit Rückstecher

– Monte-Carlo Ölschaft mit Deutscher oder Bayerischer Backe, Ebenholzabschlüsse; Safari-Schaft
in Vorbereitung

– Kaliber: .300 Win. Mag., .375 H&H; weitere Magnum-Kaliber in Vorbereitung, ab August/September auch Medium-Kaliber erhältlich

– Lauflänge Magnum: 60 oder 65 cm; Lauflänge Medium: 56 oder 60 cm; Lauflänge .375 H&H und
.416 Rem.: 60 cm

– Gesamtlänge: je nach Lauflänge zwischen 108 bis 117 cm

– Gewicht: 3,9 kg (.300 Win. Mag.),
4,1 kg (.375 H&H)

– Magazin: 2-Schuss mit Stahlboden; 3- und 4-Schuss Magazine mit Kunststoffboden ebenfalls erhältlich

– Ausführungen: „Select“ bis “Avantgarde Grande“

– Preis: ab 2 950 Euro,
Wechselläufe ab 650 Euro

Klassisch und elegant: Von außen gleicht die Take Down bis auf die Metallabschlüsse an der Trennlinie des Vorderschaftes der herkömmlichen Sauer 202 wie ein Ei dem anderen

 

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