Die Stärksten

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Hirsche aus Deutschland:
Der reife, starke Hirsch ist nach wie vor Traum vieler Jäger. Glaubt man Presse und Jagdstatistik, werden die starken Hirsche wohl nicht mehr, die vorhandenen aber immer stärker.

 

BayernEndenzahl: Ungerader 18-EnderGeweihgewicht: 10,76 kgGewicht: 145 kg (ohne Haupt)Alter: 11. KopfBewertung: 235,01 PunkteErlegungsdatum: 26. September 2001Ort: Revier Wiesach (Sonthofen/Allgäu)Erleger: Erbgraf Erich v. Waldburg-ZeilFünf Jahre vor der Erlegung war der Hirsch bekannt und wurde von Wildmeister Georg Jörg nicht mehr aus den Augen gelassen. Allein in den letzten beiden Jahren vor der Erlegung wurde das Geweih um jeweils ein Kilogramm schwerer. Die Bewertung der Abwurfstangen des Vorjahres brachte circa 220 Punkte – allein im letzten Jahr legte der Hirsch also nochmals 15 Punkte zu. Der Hirsch bezog einen festen Brunftplatz und wurde zur Hochbrunft mit sauberem Schuss erlegt.

Von Burkhard Stöcker

Im Laufe der letzten zwei Jahrzehnte wuchsen selbst dort, wo man früher nur von besseren Böcken sprach, stattliche Kapitalhirsche heran. Selbst in ärmsten Mittelgebirgsregionen auf Schiefer- oder auf armen Moorböden vor den Toren einer Großstadt wachsen „gigantische“ Geweihe. Hirsche werden also landauf, landab offenbar immer stärker. Endlich der lang ersehnte Erfolg der Hege mit der Büchse? Starke Hirsche – Lohn der Hege?
Seit den Fütterungsversuchen im Gatter Schneeberg von Vogt aus den 30er Jahren wissen wir, dass die Masse und Stärke eines Rothirschgeweihes auch eine Frage der Ernährung ist. Offensichtlich ist die Nahrungsgrundlage für unsere Hirsche im Verlaufe der letzten Jahrzehnte besser geworden.

Fast jährlich tauchen neue Rekordmeldungen auf – die Hirsche in unserem Lande werden immer stärker – vorläufiger Höhepunkt der „Kastor“ aus dem vergangenen Jahr mit über 270 Punkten. Wo liegen die Gründe für die immer stärker werdenden Geweihe? Es ist sicherlich ein Potpourri verschiedener Ursachen:

1. Allgemeine Nährstoffanreicherung in der Landschaft: Jährlich regnen auf jeden Hektar Mitteleuropas zig Kilogramm Stickstoff, Nitrate et cetera.

2. Intensivierung der Landwirtschaft: Oft finden die Hirsche, so sie den Einstand ge-schickt wählen, während der gesamten Wachstumsphase des Geweihs üppigste Nahrungsgründe vor – Raps, Getreide, Mais. Die Ausbreitung des Maisanbaus hat sicherlich auch dem Geweihwachstum gut getan – Fettlebe bis zum Fegen!

3. Ausdünnung der Populationen: Die in vielen Rotwildgebieten durchgeführten Reduktionsabschüsse führten zu einer verbesserten Äsungssituation für die verbleibende Population. Auch wurde bei weniger Rotwild die Gefahr gegenseitigen Forkelns geringer.

4. Altwerden lassen: Der Alterssprung beim Rothirsch, also der „Geweihentwicklungsschub“ zwischen dem 12. und 15. Kopf hat sich offenbar innerhalb der Hochwildjäger rumgesprochen. Ein Blick auf das Alter der stärksten Hirsche zeigt, dass sie fast alle mindestens zwölf, eher älter sind. Hier liegt einer der jägerischen Verdienste in Bezug auf die „neuen Starken“: Finger gerade lassen und noch warten!

5. Altersstruktur der Population: Dort, wo genügend alte Hirsche und reife Alttiere vorhanden sind, beginnt die Brunft recht früh. Die Alttiere werden früh beschlagen, die Kälber rechtzeitig gesetzt und so eine vitale Population erhalten.

6. Erfolg des Ausleseabschusses: Höhere Anforderungen an einen Ia-Hirsch (Krone, Geweihgewicht) inklusive der Ahndungen von Fehlabschüssen machen sich verstärkt bezahlt.
Im folgenden zeigen wir Ihnen die stärksten Hirsche aus den jeweiligen Bundesländern.

Baden-WürttembergEndenzahl:Ungerader 26-EnderGeweihgewicht: 9,15 kgGewicht: 152 kg (ohne Haupt)Alter: 9. bis 10. KopfBewertung: ca. 220 PunkteErlegungsdatum: 29. August 1977Ort: Forstamt Bebenhausen (Schönbuch)Erleger: Forstpräsident Helmut PaulZwei Tage vor seiner Pensionierung erlegte der damalige Landesforstmeister von Baden-Württemberg diesen Kapitalhirsch im Schönbuch. Schon vom 5. Kopf an war „Adalbert“ ungewöhnlich stark und hatte im Revier Altendorf sowohl seinen Sommer- als auch Brunfteinstand. Der Hirsch zog weit umher und wurde zur damaligen Zeit immer wieder von den zahlreichen Wildfotografen durch den Schönbuch gehütet. Nach zwei vergeblichen Versuchen gelang dann im Jahr 1977 seine Erlegung.

 

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