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Backhaus will bleifrei

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Agrarminister Till Backhaus (SPD) aus Mecklenburg Vorpommern möchte, dass in seinem Land nur noch mit bleifreier Munition gejagt wird.

Alle Gutachten sprächen dafür, endlich den Umstieg auf bleifreie Geschosse zu vollziehen, sagte Backhaus bei einem Symposium des Bundeslandwirtschaftsministeriums und des Bundesinstituts für Risikobewertung (BfR) in Berlin. Er wolle sich für eine bundesweite Regelung einsetzen, so der Minister weiter. Sollte diese nicht zustande kommen, werde Mecklenburg-Vorpommern eigene Regelungen zum Einsatz von bleifreier Munition ab 2014 auf den Weg bringen. Ähnlich äußerten sich am Rande des Symposiums Beamte aus den zuständigen Ministerien anderer rot-grün regierter Bundesländer.
Auf der nächsten Agrarministerkonferenz im April will sich der Minister für eine bundesweite Regelung einsetzen.
 
Zahlreiche Wissenschaftler aus den Reihen des BfR sahen in der Bleibelastung von Wild ein Problem, ohne dass über Grenzwerte diskutiert wurde. Eine schwedische Studie hatte beispielsweise herausgefunden, dass nur 1 bis 2 Prozent des aufgenommenen Bleis im Magen auch gelöst und in den Körper gelangen könne. Auch konnte auf dem Symposium nicht geklärt werden, ab welcher Dosis gesundheitliche Probleme beim Menschen entstehen.
Grundsätzlich wurde festgehalten, dass durch Obst, Gemüse und Säfte bereits eine Grundbleibelastung vorhanden sei, die durch die Aufnahme von zusätzlichem Blei, das sich durch den Schuss im Wild befände, verstärkt werden könne. Diese Belastung soll nach Meinung der BfR-Wissenschaftler vermieden werden. Als besondere Risikogruppe identifizierten sie Kleinkinder und Schwangere, die das Schwermetall stärker aufnähmen als Erwachsene. Alternativmaterialien wie Zink und Kupfer stelle für den menschlichen Organismus, da sie als Spurenelemente wichtig wären, weniger eine Gefahr dar.
Nach wie vor ungeklärt sind nach Meinung des Deutschen Jagdschutzverbandes vor allem Fragen zur Tötungswirkung von bleifreier Munition. Neben der bekannten Studie von Gremse/Rieger (siehe WuH 24/2012 und WuH 6/2013) hat auch der Bundesverband der Deutschen Berufsjäger eine eigene Erhebung zur Tötungswirkung von Alternativmunition präsentiert, wonach unter den Berufsjägern erhebliche Zweifel an der Wirksamkeit der Bleifreien bestehen.
Von Problemen beim Umrüsten von Jagdwaffen berichtete der Geschäftsführer der Deutschen Versuchs- und Prüfanstalt (DEVA), Ingo Rottenberger. Er wies auch darauf hin, dass die Schießstände in Deutschland nicht die sicherheitstechnischen Voraussetzungen erfüllen, um auf ihnen gefahrfrei mit bleifreier Munition zu schießen.
Der DJV forderte nach der Tagung messbare Kriterien für die Wirksamkeit von Jagdmunition sowie eine entsprechende Umrüstung der Schießstände durch die Länder bevor es eine politisch verordnete Umstellung von bleihaltiger auf bleifreie Munition gäbe.
hho

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