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Tote Wildschweine an Frankreichs Stränden

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Seit Juli sind an der bretonischen Küste 36 Wildschweine verludert. Die Ursache: Grünalgen, die im ufernahen Wasser wachsen und tödliche Gase produzieren.

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Alles andere als Traumstrände: die bretonischen Küstewird von Algen verpestet. (Fotolia.com – Tom LiMa)
Der „Mörderische Meeressalat“, so eine Schlagzeile der Süddeutschen Zeitung, wird jedes Jahr tonnenweise an die Atlantikküste gespült. Aus den verrottenden Pflanzen entweichen zahlreiche Gase – unter anderem hochgiftiger Schwefelwasserstoff. Aufgrund der Algenpest werden Strände gesperrt, um Badegäste vor den gefährlichen Dämpfen zu schützen.
Die Faulgase waren wahrscheinlich auch die Todesursache der Schwarzkittel. In fünf von sechs untersuchten Kadavern wurde den Behörden zufolge Schwefelwasserstoff nachgewiesen. Inzwischen wurden auch ein Biber und ein Dachs verendet an den verseuchten Küsten gefunden.

 
Zahlreiche Opfer in der Vergangenheit

Mit seinem typischen Gestank nach faulen Eiern ist Schwefelwasserstoff bei einer Konzentration von 0,1 Prozent nach wenigen Minuten tödlich. Bewusstlosigkeit tritt schon innerhalb weniger Atemzüge ein. 1999 fiel ein Kommunalangestellter in Saint-Michel ins Koma, nachdem er beim stundenlangen Abtransport der Algen zu viel giftiges Gas eingeatmet hatte. Seither ist bei diesen Arbeiten das Tragen von Gasmasken Pflicht. 2008 verendeten zwei Hunde am Strand von Hillion. 2009 fiel ein Mann in Ohnmacht, als er über einen mit Algen verpesteten Strand von Saint-Michel-en-Grêve ritt. Sein Pferd erstickte an den giftigen Dämpfen.
 
„Nationalplan zum Kampf gegen die grüne Flut“ verebbt

Die unter dem wissenschaftlichen Namen Ulva armoricana bekannte Grünalge beobachtet man seit Anfang der 1970er Jahre an der bretonischen Küste. Immer stärker breitet sie sich aus. Ein 134 Millionen Euro schwerer „Nationalplan zum Kampf gegen die grüne Flut“, der im Frühjahr 2010 aufgestellt wurde, verfehlt bisher seine Wirkung. Wo 2008 schon 7 000 Tonnen dieser Algen von den Stränden der Bretagne gefahren wurden, sind es 2011 bisher schon 32 000 Tonnen.
 
Ein Grund für die explosionsartige Algenvermehrung vor Frankreichs Küsten sind die überdüngten Gewässer. Umweltschutzorganisationen machen die Landwirte und großen Schweinemastbetriebe der Bretagne dafür verantwortlich. Die Nitrat-Konzentration sei, wie Spiegel-Online berichtet, zwischen 1971 und 1998 von fünf Milligramm pro Liter auf 38 Milligramm gestiegen. Mancherorts seien auch Werte von 50 Milligramm pro Liter gemessen worden. Nach Informationen der Umweltpartei Europe Ecologie im vergangenen Herbst, gelangen trotz des Aktionsplanes von 2010 weiterhin jährlich 70 000 Tonnen Nitrat ins Meer.
 
Präsident Nicolas Sarkozy hielt es bei seinem Besuch in der Bretagne im Juli bezüglich der Algenpest für „absurd, mit dem Finger auf die Landwirte zu zeigen, die schon enorme Fortschritte in dieser Hinsicht gemacht haben“. Protestierende Umweltschützer nannte er Fundamentalisten.
as

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