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Und wenn ich nicht mehr weiter weiß…

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30.07.2014

Einen Arbeitskreis und intensives Monitoring zum Thema Gänse wollen die Fraktionen von SPD und Grünen im niedersächsischen Landtag. Am 15. Juli legten sie einen entsprechenden Entschließungsantrag vor, nach dem der Landtag die Landesregierung dazu auffordern sollte, das Verhalten der Gänse unter verschiedenen Aspekten intensiv zu untersuchen.

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Die wachsenden Gänsescharen in Norddeutschland beschäftigen zunehmend die Landespolitik und sind nicht nur in den Ministerien, sondern auch in den Parlamenten ein heißes Thema. (Foto: Markus Hölzel)
So soll es einen Arbeitskreis aus Jägern, Landwirten, Naturschützern und Wissenschaftlern unter Einbeziehung der örtlichen Interessenvertretungen zum Thema Jagd auf Rastvögel und Landwirtschaft geben. Außerdem sollen die Auswirkungen der Jagd auf das Verhalten der Vögel untersucht werden und vergleichende Untersuchungen zwischen bejagten Gebieten außerhalb von Vogelschutzgebieten und nicht bejagten Gebieten innerhalb von Vogelschutzgebieten erfolgen.
 
Finanzieren sollen das die Jäger über die von ihnen zu entrichtende Jagdabgabe. Außerdem soll eine Betrachtung des Wiesenvogelschutzes erfolgen, da es hier offensichtlich durch die Fraßaktivitäten der Gänse zu Lebensraumverlusten kommt. Entwickeln will man schließlich ein Gänsemanagement und die Anpassung der Förderrichtlinien mit dem Ziel, Schäden für Landwirtschaft, Tourismus, Natur und Landschaft zu minimieren, wie es in dem Antrag heißt.
 
Der Antrag sorgte in der Sitzung des niedersächsischen Landtages am 22. Juli für eine intensive Debatte. Erläutert wurde er vom SPD-Abgeordneten Wiard Siebels, der von „Rassen“ statt von „Arten“ sprach. SPD und Grüne wollen mit dem Monitoring die Beteiligten an einen Tisch holen und vor allem die Auswirkungen der Jagd untersuchen lassen. Angeblich habe die Bejagung der Gänse bisher keinen Erfolg gebracht, sondern störe lediglich. Dies gelte es jetzt zu untersuchen.
 
Der CDU-Abgeordnete Ernst-Ingolf Angermann führte aus, dass die Gänsepopulation massiv angewachsen sei. Die Schäden würden die betroffenen Landwirte an den Rand ihrer Existenz bringen, weil eben einfach kein Futter für deren Vieh mehr vorhanden sei. Die Entschädigungen – derzeitige Mittel: 5,8 Millionen Euro pro Jahr – seien dafür da, Einschränkungen bei der Bewirtschaftung abzumildern, könnten den Totalverlust jedoch keineswegs ersetzen. Rund eine Million Gänse seien über den Zeitraum von einem halben Jahr an den Küstengewässern präsent. Ohne Jagd würden es noch mehr sein. Die Jagdzeit dort dauere lediglich zweieinhalb Monate und solle nun weiter eingeschränkt werden. Im Übrigen sei die Materie hinreichend erforscht, sagte Angermann und zitierte einige Quellen.
 
Angermann forderte Minister Meyer auf, dafür zu sorgen, dass die Gänseschäden nicht weiter zunehmen. Angermann: „Wenn Sie, Herr Meyer, einen gerechten Ausgleich für alle Beteiligten erreichen wollen, dann belassen Sie die Jagdzeiten, und sorgen Sie jetzt dafür, dass mit einem gemeinsamen Aktionsplan, aufbauend auf vorhandene Erfahrungen und Daten, eine Lenkung der Gänse erfolgt, weg von den landwirtschaftlichen Flächen und hin zu den vorgesehenen Äsungsflächen, zu den Vertragsnaturschutzflächen! Nur so kann ein gerechter Ausgleich unter allen Beteiligten erfolgen.“ Das geplante Monitoring bezeichnete er als Ablenkung.
 
Meyer hielt sich bedeckt, worüber sich der CDU-Abgeordnete und Präsident der Landesjägerschaft Niedersachsen, Helmut Dammann-Tamke, laut wunderte, denn die Mittel für die geplanten Untersuchungen soll ja dessen Haus aus der Jagdabgabe finanzieren. Stattdessen führte Niedersachsens Umweltminister Stephan Wenzel (Grüne) die Gründe dafür aus, warum es seiner Meinung nach ein Monitoring geben müsse und beschwor dafür den einzigartigen Naturraum an den Küsten sowie „hoch besorgte Naturschützer“ und „hoch besorgte Landwirte“.
 
Am Ende wurde der Antrag mit den Stimmen von SPD und Grünen in den Ausschuss für Umwelt, Energie und Klimaschutz zur weiteren Beratung überwiesen. Mitberatend tätig wird der Ausschuss für Ernährung, Landwirtschaft, Verbraucherschutz und Landesentwicklung, wo ihn CDU und FDP lieber gesehen hätten.
mh
 

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