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Waschbär-Schwindel von Lauterbach

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Der Deutsche Jagdverband und die Jägervereinigung Lauterbach (Hessen) haben Strafanzeige gegen zwei Jagdgegner aus Mittelhessen wegen Vortäuschung einer Straftat erstattet.

Die Beiden hatten im April 2015 bundesweit in den elektronischen Medien und den Printmedien großes Aufsehen mit einer beispiellosen Räuberpistole vom „Fang“ und der „bestialischen Tötung“ von zwei Waschbärinnen mit Jungen erregt. Offentsichtlich wurden Medien und Öffentlichkeit hinters Licht geführt. Die Jagdgegner wollten wohl damit in der neuen hessischen Jagdverordnung ein Verbot der Fangjagd erreichen.
 
In einer Pressemitteilung des DJV heißt es ausführlich:
 
Die beiden Beschuldigten, Dr. Francesco Dati (Marburg) und Harald Roth (Herbstein), Betreiber eines Waschbär-Geheges, hatten in Medien mit der Darstellung Aufsehen erregt, dass Unbekannte in der Nacht zum Ostersamstag in einen umzäunten Schlosspark bei Lauterbach eingedrungen seien und dort in Drahtgitterfallen zwei Waschbären gefangen hätten.
 
Die beiden Muttertiere seien dann mit einem Hammer beziehungsweise mit einer Nagellatte durch Schläge in den Kopf „bestialisch getötet worden“. Ein Waschbär sei „nach Jägerart“ in Streifen geschnitten worden, um einen Osterbraten zu gewinnen. Beide Weibchen hätten hilflose Junge hinterlassen.
 
Als Beweis präsentierte Schlossbesitzer Roth den Medien fünf Jungtiere, die er angeblich im Schlosspark gefunden hatte. Roth hatte den angeblichen Verstoß gegen das Tierschutzgesetz bei der Lauterbacher Polizei angezeigt, Dr. Dati erstattete bei der Jagdbehörde des Vogelsbergkreises Anzeige wegen eines Vergehens gegen das Jagdgesetz.
 
Jäger haben Ungereimtheiten entdeckt, als sie die ausführliche Schilderung des „Tathergangs“ durch Dr. Dati und Roth im Internet und der lokalen Presse näher unter die Lupe genommen haben. Außerdem wurde der Kadaver des angeblich in Streifen geschnittenen Waschbären auf Drängen der Jäger später von der Polizei sichergestellt und vom Hessischen Landeslabor in Gießen veterinärmedizinisch untersucht worden.
 
„Die von Dr. Dati im Internet veröffentlichten Fotos und die Aussagen von Roth und Dati zum Tathergang weisen eklatante Widersprüche auf“, erklärte DJV-Präsidiumsmitglied Ralph Müller-Schallenberg. Bei dem laut Roth angeblich frisch getöteten und „fachmännisch in Streifen geschnittenen Waschbären“ handelt es sich nach Auskunft des Hessischen Landeslabors um einen schon in hochgradige Fäulnis übergegangenen alten Waschbär-Kadaver, der nach dem Verenden von Aasfressern wie Füchsen angefressen wurde.
 
Zudem will Roth laut Aussage bei der Polizei am Schädelknochen festgestellt haben, dass genau dieses Tier mit einem Hammer erschlagen worden sei. Die Veterinärmediziner konnten allerdings keine Schädelfraktur feststellen. Das Landeslabor konnte zwar laut Obduktionsbericht an dem verwesten Kadaver die genaue Todesursache und den Todeszeitpunkt nicht mehr ermitteln, wies aber stattdessen das tödliche Staupe-Virus nach. Deshalb spreche laut Müller-Schallenberg alles dafür, dass der Waschbär an Staupe verendet und Wochen später als angebliches Beweismittel präsentiert worden sei.
 
Dr. Dati behauptet zudem im Internet, dass eben dieses Tier „beim panisch-verzweifelten Versuch, sich zu befreien, tiefe Verletzungen an den Vorderpfoten davontrug“. Das Foto des Waschbärkadavers aus dem Landeslabor beweise aber, dass dem Tier beide Vorderläufe- und -pfoten gänzlich fehlen, so der DJV. Offensichtlich haben Wildtiere daran gefressen, wie auch der Bericht des Landeslabors bestätigt.
 
Ferner weist auch der zweite – auf dem angeblichen Beweisfoto völlig unversehrte Waschbär – keinerlei Abschürfungen an den Pfoten auf, obwohl Dati und Roth dies mehrfach behaupteten, um dessen Fang in einer Drahtgitterfalle zu beweisen. Der zweite Waschbär konnte von der Polizei nicht aufgefunden und sichergestellt werden, weil Roth ihn neben weiteren Waschbär-Kadavern vergraben haben will und sich an die „Grabstelle“ angeblich nicht mehr erinnern konnte.
 
Francesco Dati gehört den Vereinen „TierfreundLich“ (mit Sitz in Lich, Hessen) und „Wildtierschutz Deutschland“ (Gau-Algesheim, Rheinland-Pfalz) an und bezeichnet sich in der Presse selbst als „Waschbärschützer“. Harald Roth betreibt nach eigenen Angaben für „TierfreundLich“ eine „Waschbär-Auffangstation“. Beide sind erklärte Gegner der Fangjagd und lehnen die Jagd auf Waschbären vehement ab. Derzeit wird der Entwurf der neuen hessischen Jagdverordnung diskutiert, die auch Vorschriften zur Fangjagd enthält.
 
PM LJV/DJV

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