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Bundesjägertag in Münster:
In Nordrhein-Westfalen sollte der Führungswechsel an der Spitze des Deutschen Jagdschutz-Verbandes offiziell erfolgen. Dass Jochen Borchert, Bundeslandwirtschaftsminister a.D., neuer Präsident werden würde, stand schon vor der Wahl fest.

 

Wachwechsel in Münster – Jochen Borchert (l.) tritt die Nachfolge von Constantin Freiherr Heeremann an, der für das DJV-Präsidentenamt aus Altersgründen nicht mehr kandidierte

Von Dr. Kalr-Heinz Betz

Zwei Dinge beeinflussten entscheidend den diesjährigen Bundesjägertag, der am 23. und 24. Mai in Münster/Westfalen stattfand:

1. Die von der Regierungskoalition angekündigte Novellierung des Bundesjagdgesetzes und

2. der Führungswechsel an der DJV-Spitze.
Dem ersten Punkt hatte der DJV das Motto des Jägertages gewidmet: „Jagd – kein Spielball der Politik.“

So mussten dann auch in der ersten offiziellen Veranstaltung des Jägertages Vertreter der vier wichtigen Bundestags-Fraktionen aus Regierung und Opposition (Bernhard August Schulte-Drüggelte, CDU; Ernst Bahr, SPD; Michael Goldmann, FDP; Friedrich Ostendorff, Bündnis 90/Grüne.) auf dem Podium auf die Fragen des Moderators Dietrich Möller (LJV-Präsident Hessen und DJV-Schatzmeister) und der Vertreter der Jägerschaften aus dem Saal Farbe bekennen, wer überhaupt eine Novellierung will und warum. Außer Goldmann gehören alle dem Landwirtschaftsausschuss des Bundestages an. Einzig der Fraktionssprecher der Grünen, Friedrich Ostendorff, bezeichnete eine Novelle als notwendig. Nach Meinung der meisten Anwesenden allerdings, ohne überzeugende Gründe dafür zu nennen. Ostendorffs Aussage, dass in den Revieren nicht alles in Ordnung sei und Misstände abgebaut werden müssten, wurde aus dem Plenum mit Pfiffen quittiert. Die Schlussworte der Diskussionsteilnehmer glätteten die hin und wieder hochgeschlagenen Wogen, weil lediglich der Vertreter der Grünen/Bündnis 90 eine Novellierung des bewährten Bundesjagdgesetzes befürwortete.

Auf der Delegiertenversammlung am Nachmittag hatten die Abgesandten der 16 Landesjagdverbände sich für den einzigen DJV-Präsidenten-Kandidaten, den 63-jährigen ehemaligen Landwirtschaftsminister und LJV-Vize von Nordrhein-Westfalen, Jochen Borchert, zu entscheiden. Constantin Freiherr Heereman stand nach achtjähriger Präsidententätigkeit mit seinen 72 Jahren aufgrund einer ihm selbst auferlegten Altersgrenze nicht mehr zur Verfügung. In offener Wahl fiel die Entscheidung für den neuen Kandidaten einstimmig, dessen erste Amtshandlung es war, Baron Heereman zum dritten DJV-Ehrenpräsidenten nach Egon Anhäuser und Dr. Gerhard Frank wählen zu lassen.

Sachliche und sachkundige Diskussion um das Waffenrecht

In seinen ersten Reden als Präsident ließ Borchert keinen Zweifel daran, dass er die Politik seines Vorgängers konsequent fortsetzen wird. Wiederholt betonte er, teilweise auch kämpferisch, dass er sich entschieden gegen jede Novellierung des Bundesjagdgesetzes wehren werde. In diesem Sinne verabschiedeten die 300 Delegierten eine Erklärung an die Bundesregierung und die Parteien, das Bundesjagdgesetz in seiner jetzigen Form zu erhalten und nicht zum Spielball der Politk zu machen.

Die Wahl der Vizepräsidenten lief ein wenig umständlicher ab, da mehr als zehn Delegierte für eine geheime Wahl plädiert hatten. Doch nach knapp einer halben Stunde standen auch die neuen Stellvertreter des DJV-Präsidenten fest: Dr. Wolfgang Bethe (Brandenburg), Gerhard Delhougne (Bremen), Kurt-Alexander Michael (Rheinland-Pfalz) und Professor Dr. Jürgen Vocke (Bayern).

Der Höhepunkt des Bundesjägertages – zumindest in Sachen Außendarstellung – war die Kundgebung am 24. Mai vormittags auf dem Innenhof des Rathauses von Münster. Unter starken Sicherheitsvorkehrungen sprach Bundesinnenminister Otto Schily vor 4 000 Zuschauern dem Vertreter der Jägerschaft, Baron Heereman, und den Wortführern des „Forum Wafferecht“, Herbert Keusgen und Joachim Streitberger, Komplimente für eine sachliche und sachkundige Diskussion um das Waffenrecht aus, was schließlich auch zu der anstehenden Nachbesserung der Durchführungsverordnungen geführt habe. Schily warb für eine Reform des Bundesjagdgesetzes und betonte, ohne auf Einzelheiten des Gesetzes einzugehen, dass diese Reform eine Chance für den Föderalismus in Deutschland darstelle.

Dank für gute Zusammenarbeit

Bevor der neue DJV-Ehrenpräsident das Schlusswort sprach, hatten sich neben Innenminister Schily, der nordrhein-westfälischen Umweltstaatssekretär Dr. Thomas Griese, Bauernpräsident Gerd Sonnleitner, FACE-Vizepräsident Gilbert Baron de Turckheim und der hessische Staatsminister für Umwelt, Landwirtschaft und Forsten, Wilhelm Dietzel an das Rednerpult begeben. Ministerprominenz aus dem rot-grün-regierten Nordrhein-Westfalen ließ sich nicht blicken. Die grüne Umweltministerin Bärbel Höhn versuchte dies nachträglich mit einer Presserklärung wett zu machen, in der sie Heereman für die gute Zusammenarbeit dankte. Dabei übersah Höhn wohl, dass Heereman ihr als Landes-Präsident der Jäger in NRW noch ein Jahr erhalten bleibt.

Drei Ausnahmen

Eigentlich gab es in Münster keine Überraschungen – und dennoch fielen drei nie zuvor da gewesene Ausnahmen auf:

1. Auf der obligatorischen Anstecknadel prangte keine Sehenswürdigkeit der gastgebenden Stadt Münster, sondern die Surenburg, das Domizil Baron Heeremans.

2. Zum ersten Mal in der Geschichte des DJV wurde ein Präsident als Nachfolger des scheidenden aus demselben Bundesland gewählt.

3. Noch nie wurde ein DJV-Präsident gewählt, der nicht Präsident eines Landesjagdverbandes war.

 

 

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