Bayern: Gams soll von der Kürnach verschwinden

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Die Untere Jagdbehörde des Landkreises Oberallgäu hat den Abschussplan für die Gams in einem FFH-Gebiet auf einem nördlich den Alpen vorgelagerten Berg verdoppelt, ohne dafür eine Grundlage in Form von Zähldaten oder genetischen Untersuchungen zu haben. Das bestätigte die Behörde auf WuH-Anfrage. Laut dem Hegegemeinschaftsleiter gibt es klare Äußerungen von Seiten des betroffenen Grundeigen­tümers, die Gams müsse weg.

Die Gams soll in einem FFH-Gebiet ohne triftigen Grund noch stärker bejagt werden.
Foto: Ingo Rothe

Es geht um den Kürnacher Wald, auf dessen Erhebungen von bis über 1 100 m auf rund 2 000 ha Gams vorkommen, wie der Leiter der Hegegemeinschaft Buchenberg erläuterte. Laut regionalen Experten streifen in dem Gebiet zwei Rudel mit insgesamt etwa 50 bis 60 Stück umher, teils auch über die Landesgrenze nach Baden-Württemberg, die den Kürnacher Wald teilt. Die Population ist nahezu isoliert. Die Untere Jagdbehörde geht aber von einem Anstieg des Bestands aus, bspw., weil bei Drückjagden vermehrt Stücke erlegt würden, wie sie gegenüber WuH mitteilte.

Konkret fand im Jagdjahr 2018/19 durch den Forstbetrieb Sonthofen des Unternehmens Bayerische Staatsforsten (BaySF), dem größten Grundeigentümer im Gamslebensraum auf der Kürnach, ein Überschießen des Plans um zwei Drittel statt. Geahndet wurde dies von behördlicher Seite nicht. Das Landratsamt erklärte das damit, dass der Abschussplan im Staatsjagdrevier versehentlich übererfüllt worden sei, nicht vorsätzlich, und dass ein öffentliches Interesse an einer Ahndung nicht erkennbar sei. Weiter teilte die Behörde mit, „die berechtigten Ansprüche, insbesondere der Forstwirtschaft, auf Schutz gegen Wildschäden“ zu verfolgen und gab zu ­bedenken, „dass Gämswild, das ganzjährig in geschlossenen Waldgebieten steht, nach den ministeriellen Richtlinien für die Hege und Bejagung des Schalenwildes in Bayern nicht gehegt werden darf“. Auf der unmittelbar angrenzenden ­baden-württembergischen Seite des Kürnacher Waldes, der Adelegg, ist man mit dem Gamsmanagement des Nachbarn „überhaupt nicht einverstanden“, wie der Kreisjägermeister der Jägervereinigung Ravensburg, Peter Lutz, auf WuH-­Anfrage mitteilte. „Von einem Anwachsen der Bestände ist nichts zu spüren, im Gegenteil“, sagte er. „Wir konnten unseren Abschussplan von 20 Stück im vergangenen Jahr mit sieben erlegten Gams nicht mal annähernd erfüllen.“ Lutz, der selbst in einer großen Eigenjagd in der Adelegg jagt, berichtet von sehr geringen Schäden durch das Wild, „selbst die Tanne kommt in der Naturverjüngung“. Er vermutet ideologische Gründe hinter der Gamspolitik der Anrainer. vk


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