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Tödliches Borna-Virus: Zentrale Forschungsstelle entsteht

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Das bayerische Gesundheitsministerium richtet in Regensburg (Bayern) eine zentrale Stelle zur Erforschung des sogenannten Borna-Virus ein. Laut Bayerischer Rundfunk soll das Projekt „Borna Focal Point Bayern“ voraussichtlich diesen Sommer ­starten und vor allem die Übertragungswege des Virus erforscht werden. Es ist in Teilen Deutschlands eine endemische Zoonose und verursacht beim Menschen meist tödlich verlaufende Gehirnentzündungen.

In Regensburg wird eine Forschungsstelle für das Borna-Virus eingerichtet.
Foto: Pixabay

Prof. Martin Beer, Mitglied des Internen Beirats der Zoonosenplattform und Leiter des Instituts für Virusdiagnostik am Friedrich-Löffler-Institut gab in einem Interview auf zoonosen.net an, dass die sogenannte BoDV-1-Infektion nach einer ersten Inkubationszeit zunächst unspezifisch verläuft. Grippale Krankheitssymptome wie Kopfschmerzen, erhöhter Temperatur und verminderte Leistungsfähigkeit können auftreten. Laut Beer sind in dem Zeitraum von 1999 bis heute 14 offiziell bestätigte Fälle in Deutschland bekannt, bei denen mit wenigen Ausnahmen die Erkrankungen bei den Patienten, die ausschließlich aus Bayern stammten, letal verliefen.

Deutschland ist Hauptendemie­gebiet, da es bisher das einzige Land in Europa ist, in dem Infektionen beim Menschen mit BoDV-1 festgestellt werden konnten. Als natürlicher Wirt des Virus konnte vor mehr als zehn Jahren die Feldspitzmaus identifiziert werden. Die infizierten Tiere zeigen selbst keine Krankheitssymptome und scheiden das Virus über Speichel, Kot und Urin aus. Als besonders gefährdet werden daher Personen angesehen, die sich viel draußen aufhalten, wie zum Beispiel Jäger.

Auf WuH-Nachfrage beim Friedrich­-Löffler-Institut gab die Pressesprecherin Elke Reinking an, dass sich außerdem Schafe, Pferde, Esel, Rinder, Hunde, Katzen, Kaninchen sowie Alpakas mit dem Virus infizieren können. Vor dem Hintergrund des breiten Spektrums empfänglicher Arten kann sich vermutlich auch Schalenwild infizieren und die typischen neurologischen Krankheitserscheinungen entwickeln. Bisher seien jedoch keine publizierten bestätigten Fälle bekannt. Es sei aber davon auszugehen, dass alle genannten Arten sowie der Mensch Fehlwirte darstellen, sodass diese an dem Virus erkranken, aber keine Viren ausscheiden. aml

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