Bundesregierung zur Honorierung von Ökosystemleistungen des Waldes

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In Beantwortung einer kleinen Anfrage der AfD hat sich die Bundesregierung zur Honorierung von Ökosystemleistungen des Waldes geäußert.

Der Wiederaufbau der abgestorbenen Fichtenmonokulturen stellt die Waldbesitzer vor enorme wirtschaftliche Herausforderungen: Höchste Zeit, dass die Leistungen der Wälder für die Allgemeinheit und die Umwelt honoriert werden. (Quelle: Rolf D. Baldus)

Die deutsche Forstwirtschaft stellt für die Gesellschaft zahlreiche Schutz- und Erholungsleistungen im Wald bereit, wird in der Antwort festgestellt. Neben Beiträgen zugunsten der Biodiversität und der Erholung bestehen weitere wichtige Ökosystemleistungen des Waldes und der Forstwirtschaft z. B. in der Aufnahme und Speicherung von Niederschlägen, dem Schutz des Bodens vor Erosion, der Wasserfilterung, dem Lärm- und Immissionsschutz, der Frischluftbildung, der positiven Wirkungen auf das Lokalklima und nicht zuletzt dem Klimaschutz durch Kohlenstoffspeicherung im Wald und in Holzprodukten.

Bisher liegen nur für einige ausgewählte Waldleistungen deutschlandweite Schätzungen vor. Diese zeigen ihren hohen Wert. Insbesondere der Nutzen der Erholungsleistung sowie bestimmter Naturschutzleistungen reicht mit jeweils etwa 2 Mrd. Euro pro Jahr an die Größenordnung des Rohholzproduktionswertes heran. Die Kohlenstoff-Senkenleistung der deutschen Wälder wird abhängig von den jeweils unterstellten Mengen und Bewertungsansätzen sehr unterschiedlich monetär bewertet. Bislang gibt es keine finanziellen Anreize für die Betriebe, die Senkenleistung des Waldes zu vergrößern.

Eine Bund-Länder Arbeitsgruppe berät gemeinsam mit den privaten und kommunalen Waldbesitzern und der Wissenschaft aktuell über eine Honorierung der CO2-Bindungsleistung der Wälder. Wann ein finales Vergütungskonzept vorliegt und hierüber eine Entscheidung getroffen wird, hängt vom Verlauf der Beratungen zwischen den Ressorts ab.

Der Altersklassenaufbau ist entscheidend für die Kohlenstoffbilanz. Junge Wälder besitzen eine starke Senkenleistung, während sich in alten Wäldern mit natürlicher Waldentwicklung über lange Zeiträume von bis zu 500 Jahren und mehr ein Gleichgewicht zwischen CO2-Aufnahme (Wachstum) und Abgabe (Verrottung) einstellt. In Wäldern, die sich natürlich entwickeln, kann sich kurz- bis mittelfristig die CO2-Speicherleistung erhöhen, mit zunehmendem Alter der Bestände würde die Kapazität für weitere Kohlenstoffbindung durch Vorratsaufbau in der oberirdischen Biomasse abnehmen.

Des Weiteren können nicht mehr bewirtschaftete Waldflächen instabil werden und bei Erreichen der natürlichen Altersgrenze absterben. Dies ist ein natürlich ablaufender Prozess, der aus Sicht des Naturschutzes in der Regel erwünscht ist. Er führt zunächst zu einer Zunahme des Kohlenstoffspeichers Totholz und durch Zersetzungsprozesse auch zu einer Zunahme des Bodenkohlenstoffs. Ein Teil des Kohlenstoffs geht während der Zersetzung des Totholzes wieder in die Atmosphäre über. Der gleichzeitige Aufwuchs von Biomasse führt langfristig zu einem Gleichgewicht in der Kohlenstoffbilanz.

Auch die EU hat ihre Beratungen zur Förderung von waldbezogenen Maßnahmen noch nicht abgeschlossen.

Fazit der Stellungnahme: Im Gegensatz zu den Landwirten haben die Waldbesitzer es bis heute nicht geschafft, ihre Leistungen für die Umwelt und die Gesellschaft angemessen vergütet zu bekommen. Und es ist keinesfalls so, dass unbewirtschaftete Naturwälder für das Klima immer besser sind als bewirtschaftete, naturnahe Wälder, die unter anderem auch den Rohstoff Holz produzieren.

rdb

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