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Jagd ist ein Sorgenkind

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Der frühere Europaabgeordnete und Geschäftsmann Dr. Michl Ebner wude von Delegierten aus 30 europäischen Ländern am 16. September zum neuen Präsidenten der FACE gewählt. Er vertritt damit die sieben Millionen Jäger Europas.

Foto: FACE
Dr. Michl Ebner (Foto: FACE)
WuH: Warum haben Sie für die Präsidentschaft kandidiert?
Dr. Michl Ebner: Es ist heutzutage mehr denn je die Pflicht eines jeden Jägers in Europa, sich – sei es im Privaten durch entsprechende Kommunikation und „Aufklärung“ der Mitmenschen, sei es über die Mitgliedschaft im örtlichen Jagdverband oder eben beruflich beziehungsweise ehrenamtlich – für den Erhalt der Jagd einzusetzen. In meinen 15 Jahren als Europaabgeordneter, von denen ich zehn Jahre Präsident der Parlamentarischen Intergruppe Biodiversität, Jagd und ländliche Aktivitäten war, ist mir eines jeden Tag vor Augen geführt worden: Wenn die Jagd, wie wir sie kennen und lieben, in Europa eine Zukunft haben soll, dann brauchen wir nicht nur vor Ort in den einzelnen Mitgliedstaaten, sondern auch hier in Brüssel eine starke, schlagkräftige Interessenvertretung. Seit 45 Jahren ist die Jagd für mich Leidenschaft und Herzensangelegenheit. Seit jedoch die mit der zunehmenden Urbanisierung einhergehende Naturentfremdung, tendenziöse Berichterstattung und teils ideologisch basierte Natur- und Tierschutzideen Einzug in Politik und Gesellschaft halten, wird sie jedoch auch immer mehr zu meinem persönlichen Sorgenkind.
WuH: Wo sehen Sie den dringendsten Handlungsbedarf bezüglich der Jagd in Europa und in Deutschland?
Dr. Michl Ebner: Zusammengefasst kann man sagen, dass die EU-Kommission immer häufiger versucht, unter dem Deckmantel naturschutzrechtlicher Erfordernisse durch die Hintertür in die nationale Jagdgesetzgebung der Mitgliedstaaten einzugreifen. Regionale sowie kulturelle Besonderheiten, jahrhundertealte Traditionen und sogar die Interessen indigener Völker werden dabei gerne mal als Kollateralschaden im Namen der höheren Ziele des „von oben verordneten“ Natur- und Artenschutzes vom Verhandlungstisch gewischt. Gegen diese ignorante Haltung müssen wir uns wehren. Aktuelle Beispiele sind die Diskussion um die Rückkehr der großen Beutegreifer, die Vogeljagd auf Malta oder auch die für 2016 angekündigte Öffnung der EU-Feuerwaffenrichtlinie. Wir müssen auch am Bild der Jagd in der Öffentlichkeit arbeiten.
WuH: Die FACE ist der Meinung, dass die Vogel- und FFH-Richtlinien sehr geeignet sind, um die strategischen Ziele für den Schutz der Natur in der EU zu erreichen. Wie stehen Sie zu dem Fitness-Check der Richtlinien?
Dr. Michl Ebner: Das sage ich jetzt nicht, weil ich gerade zum FACE-Präsidenten gewählt wurde, aber ich bin der festen Überzeugung, dass ein Öffnen der FFH- und/oder der Vogelrichtlinie ein nicht tragbares Risiko für die Zukunft der Jagd darstellt. Ich verstehe die Argumentation einzelner, die aufgrund einer „Schlimmer-als-jetzt-kann-es-nicht-mehr-werden-Überzeugung“ eine Öffnung der Richtlinien befürwortet. Ich bin jedoch genau wie FACE der Meinung, dass die meisten der beklagten Probleme entweder in einer zu starren nationalen Umsetzung begründet sind oder sich durch die Nichtanerkennung von Auslegungsmöglichkeiten einzelner Paragraphen der Richtlinien seitens der Kommission erklären lassen.
WuH: Mit der Rückkehr der Wölfe wird es zu unvermeidbaren Konflikten kommen. Wie geht die FACE damit um?
Dr. Michl Ebner: FACE setzt sich als Mitglied der sogenannten EU Large Carnivores Platform sowie in zahlreichen Gesprächen mit den Vertretern der Kommission und anderen politischen Entscheidungsträgern dafür ein, dass auf europäischer Ebene eine für alle Seiten zufriedenstellende Lösung zum Umgang mit dem Wolf gefunden wird. Aus meiner persönlichen Sicht ist eine Umstufung des Wolfes in Annex V (weniger strenger Schutz, Anm. d. Red.) längst überfällig. Auch wenn bestimmte Organisationen das nicht wahrhaben wollen, ist so eine Umstufung durchaus möglich, ohne dass die FFH-Richtlinien dafür geöffnet werden muss.
Das Interview führte Silke Böhm

 

 

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