Ein Wolf und 52 Schafe

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Zwei Wochen nach dem Angriff auf eine Schafsherde im Kreis Rendsburg-Eckernförde ist ein Wolf als Verursacher nachgewiesen worden. Dies gab Agrarminister Robert Habeck (Grüne) am 29. April bekannt.

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Schleswig-Holsteins Agrarminister Robert Habeck zeigte sich betroffen angesichts der Attacke eines einzelnen Wolfes, bei der insgesamt 52 Schafe zu Tode kamen. (Foto: Markus Hölzel)
Durch den Angriff in Schierensee Mitte April waren 20 Altschafe und 32 Lämmer direkt getötet worden oder mussten geschlachtet werden beziehungsweise starben später.
 
Schon auf dem schleswig-holsteinischen Landesjägertag am 18. April in Neumünster hatte Habeck seiner Betroffenheit über den Vorfall Ausdruck gegeben. „Der Wolf ist ein gefährliches Tier“, hatte Habeck gesagt. Laut Habeck würden allerdings rund 70 Prozent der Übergriffe auf Nutztiere im Land von Hunden verursacht. Nun ist aber amtlich und genetisch erwiesen: Der Täter von Schierensee war ein Wolfsrüde aus einem Rudel in Sachsen-Anhalt.
 
Die geschädigte Familie in Schierensee wird nun vom Ministerium entschädigt, die Herde auf Teilflächen durch Elektrozäune geschützt. Habeck verwies auf die vielfältigen Maßnahmen und Unterstützungsmöglichkeiten der Landesregierung zum Herdenschutz. „Es bedeutet eine große Herausforderung, dass der Wolf nach Schleswig-Holstein zurückkommt, besonders für die Nutztierhalter. Wir wollen, dass Schafhalter in diesem Land eine Zukunft haben, und wir wollen eine offene Weidelandschaft und Tiere in der Fläche.
 
Daher bedarf es eines angemessenen Schutzes der Herden. Hier sind die Tierhalter gefragt, aber auch das Land leistet Unterstützung“, sagte Habeck. Außerdem werde das Wolfsmanagement personell verstärkt. Mit den betroffenen Gruppen, auch den Jägern, will man sich beraten.
Derweil beging der Naturschutzbund Deutschland (Nabu) am 30. April seinen „Tag des Wolfes“ mit vielerlei Online-Aktivitäten rund um Isegrim. Und den Wochentag Mittwoch hat der Verband jetzt in mittWOLF umbenannt. Der Vorfall in Schierensee sei auf eine unnatürliche Situation mit einem Überangebot an Beute zurückzuführen, erklärte der Leiter des NABU-Wolfsbüros Markus Bathen gegenüber den Kieler Nachrichten. Da der Wolf auch Aas fresse, töte er manchmal mehr, als er momentan verzehren könne.
 
mh

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