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Noch vor zehn Jahren galten Springer Spaniels als Exoten. Warum sie immer häufiger bei uns zu sehen sind, erklären Dr. STEFAN SPANIEL und REINER ARTMANN.

Aufmerksam warten diese vier Springer Spaniels (ganz links ein Rüde, der Rest Hündinnen) auf ihren Einsatz. FOTO: DR. STEFAN SPANIEL

Die Wurzeln des English Springer reichen bis ins 8. Jahrhundert zurück. Zu jener Zeit wurde mit dem so genannten „Vogelhund“ die Beizjagd ausgeübt. In der Literatur wird diese Hunderasse im 17. Jahrhundert erstmalig erwähnt. Am Ende des 19. Jahrhunderts wurde der English Springer Spaniel in seinem Mutterland England rein gezüchtet. Dort
legte der FCI (Fédération Cynologique Internationale) im Jahre 1902 einen Standard
mit den Rassekennzeichen fest.
Um 1900 importierten Jäger die ersten English Springer nach Deutschland. Damals war es üblich, den Englischen Springer vom Englischen Cocker nur nach seiner Größe zu unterscheiden und auch Paarungen zwischen den einzelnen Rassen durchzuführen, die im Zuchtbuch mit einem großen X markiert wurden. Nachdem sich aus den Kreuzungen
keine wesentlichen Vorteile ergaben, wurden sie wieder untersagt. In der Folge kam es zu einer eigenständigen Weiterentwicklung des Springer Spaniels, der ein größeres Leistungsspektrum aufweist. In England entwickelten sich zwei Hauptlinien der Rasse: Die zur Jagd gezogenen English Springer und die Ausstellungshunde, mit deutlich unterschiedlichem Aussehen. Die Behänge der Jagdhunde, der so genannten Field-Trialer, sind kürzer und extrem hoch angesetzt, ihr Stockmaß ist geringer und der Fang nicht so lang wie bei den Urlinien. Die in Deutschland rein jagdlich gezogenen, spurlauten Hunde unterscheiden sich dagegen äußerlich nicht von denen aus der Standardzucht, jedoch vom Field-Trialer. Der English Springer Spaniel erreicht im Schnitt eine Widerristhöhe von 50 bis
53 Zentimeter. Er ist ein kräftiger Jagdhund, der mit seinem schwebenden Gangwerk äußerst elegant unter den anderen Jagdhunderassen hervorsticht. Das Haar ist dicht, seidig sowie meist glatt und ohne überlange Befahnung. Die Behänge sind nur mäßig lang, mit hohem Ansatz und eng am Kopf anliegend. Obwohl es sich um eine langhaarige Hunderasse handelt, ist der Pflegeaufwand gering. Eine prophylaktische Fell und Ohrenpflege sollte trotzdem durchgeführt werden. Neben den Farben braunweiß gibt es den Springer in schwarz-weiß und dreifarbig (mit Loh-Abzeichen). Der English Springer Spaniel ist ein passioniert jagender Hund, leichtführig, ungemein arbeitsfreudig und von hohem
Jagdverstand beim Einsatz seiner exzellenten Nase. Er stöbert schnell und raumgewinnend
mit halbhoher Nase, um Wittrung aufzunehmen. Findet er Wild, so jagt er spur-, fährten- oder sichtlaut, wobei er das Wild mit Passion und Nachdruck angemessen lange verfolgt. Der English Springer ist kein Weitjager. Er jagt gesundes Wild nicht zu lange, was ein Überjagen fast gänzlich ausschließt. Als spurwillige und -sichere Hunde arbeiten sie sehr konzentriert, auf der Wundfährte mit tiefer Nase, eine unabdingbare Voraussetzung auch für das zuverlässige Verlorenbringen. Der English Springer ist in der Lage, alle anfallenden
Aufgaben im jagdlichen Betrieb – bis auf das Vorstehen – komplett abzudecken und auch einen Hasen oder einen Fuchs zu apportieren. Eine Schweißfährte nimmt er passioniert
und mit Ausdauer an, wobei er auch krankes, aufgemüdetes Schalenwild entsprechender Größe niederziehen beziehungsweise mit Wildschärfe an den Platz binden kann. Erfolgreiche Gespanne machen schnell auf sich aufmerksam und werden für Nachsuchen
im näheren Umfeld herangezogen.

Bring- und Wasserfreude sind den Springer Spaniels angewölft. FOTO: DIETER HOPF

Da er sehr leichtführig ist, eignet sich der English Springer Spaniel hervorragend zum Buschieren und in der Hand eines Falkners unter Habicht, Harris Hawk oder Adler. Wer darüber hinaus noch Möglichkeiten besitzt, den Springer auf Wasserjagden zu führen, wird sicherlich unvergessliche Erlebnisse mit seinem Jagdhelfer haben. Die für englische Hunde bekannte feine Nase, die sehr große Wasserfreude und seine Stöberanlage, lassen den Springer bei der Wasserjagd über sich hinauswachsen. Am Schwarzwild besitzt der English Springer Spaniel genügend Wildschärfe, um durch hartnäckige Angriffe Rotten zu sprengen und in Bewegung zu bringen. Er verhält sich dabei allerdings umsichtig und
bringt sich nicht selbst in Gefahr. Das hierdurch minimierte Verletzungsrisiko wird als Vorteil dieser Rasse gesehen. Das Leistungszeichen Schwarzwild „S“ ist in der Prüfungsordnung einer der beiden

die Rasse betreuenden Vereine fest verankert. Mit seinem freundlichen Wesen ist der
English Springer Spaniel ein sehr angenehmer und kinderlieber Hausgenosse, der gern und freudig den Anschluss zu seinem „Rudel“ sucht. Er zeigt keine Aggression gegenüber Menschen und Artgenossen. Die beste Möglichkeit, einem English Springer eine gute Entwicklung und Integration in die Familie zu ermöglichen, ist die kombinierte Zwinger-Haus- Haltung. Bei dieser Methode fördert man das Vertrauen zwischen Führer und Hund und erzielt in der Regel deutlich bessere Leistungen im Jagdbetrieb. Andererseits darf man sich nicht von seinem treuen Blick täuschen lassen. Er soll in der Ausbildung mit derselben wohldosierten Konsequenz behandelt werden wie andere Hunde, um einen soliden Grundgehorsam für weiterführende Prüfungen zu erreichen.

Auf Bewegungsjagden bringen Springer Spaniels das Wild zuverlässig auf die Läufe und vor die Schützen. Bei dieser Jagd derer „zu Schwarzenberg“ kamen Anfang November 18 Sauen, 29 Rehe und elf Füchse zur Strecke. FOTO: H. WEISE

Für eine gesunde körperliche und jagdliche Entwicklung muss gewährleistet sein, dass der Vierläufer nicht zum Kinderspielzeug wird, sondern seine Rückzugsmöglichkeiten und ausgedehnten Ruhephasen genießen kann. Der English Springer zählt zu den Spätentwicklern – seine psychische und physische Entwicklung ist erst im Alter von
etwa zwei Jahren abgeschlossen. Die wesentlichen Tugenden des English Springers, die von der Zucht zu erhalten und zu kräftigen sind, liegen in einer mittelweiten, ausdauernden, passionierten Stöberarbeit, spur- und fährtenlautem Jagen, ausgeprägter Wildschärfe
und Wesensfestigkeit. In Deutschland – und mit Abstrichen auch in Tschechien und der Schweiz – wird ein spurlaut jagender Springer Spaniel für den Jagdbetrieb gefordert, was
für Bewegungsjagden unabdingbar ist und in Prüfungs- und Zuchtordnungen verankert wurde. In allen anderen Ländern ist der Spurlaut meist unerwünscht. Die deutsche Zucht des jagdlichen English Springer Spaniels begründet sich zwar in wesentlichen Teilen auf Hunde aus der heutigen Tschechischen Republik und der Slowakei. Doch dort wird nicht so genau zwischen Spur-, Sicht- und Fährtenlaut unterschieden, wie wir es hierzulande für unabdingbar halten. Prüfungsergebnisse aus diesen Ländern und überhaupt aus dem Ausland sind entsprechend zu prüfen und bezüglich der Prüfungsbedingungen bei der Spurlautund Stöberprüfung zu hinterfragen.

Typischer Field-Trialer aus England. Diese Hunde sind kleiner und quirliger als die aus den deutschen Linien. Sie werden vorwiegend zum Buschieren eingesetzt und jagen in der Regel stumm. FOTO: KARL-HEINZ VOLKMAR

Trotzdem sind diese Länder zusammen mit der Schweiz weiterhin wichtig für den genetischen Austausch und die Verbreiterung der Zuchtbasis. Bei der rein jagdlichen Zucht wird in Deutschland größter Wert auf die Erhaltung und Verbesserung der jagdlichen Eigenschaften des English Springer Spaniels gelegt, doch darf die Gesundheit und im Besonderen die Wesensfestigkeit der Hunde keinesfalls aus den Augen verloren werden.
Im Sinne dieser Ziele werden daher nur Hunde zur Zucht eingesetzt, die die jagdlichen Zuchtprüfungen absolviert und alle geforderten Gesundheitsuntersuchungen mit dem entsprechenden Ergebnis durchlaufen haben. Die Prüfungen umfassen Jugendzuchtprüfung (JZP), Herbstzuchtprüfung (HZP) sowie die Gebrauchsprüfung (GP).
Als Stöberhundrasse wird beim English Springer in allen Prüfungen besonderes Augenmerk auf die Stöberarbeit zu Lande und zu Wasser sowie auf die Wesensfestigkeit
der Hunde gelegt. Zum Gesundheitscheck vor dem Zuchteinsatz eines English Springers gehören die Untersuchung nach Hüftgelenksdysplasie, Genuntersuchungen auf erbliche Erkrankungen wie zum Beispiel die progressive Retinaatrophie (Absterben der Netzhaut) und eine Augenuntersuchung auf verschiedene erbliche Defekte. Beim Zuchteinsatz darf die zuletzt genannte Untersuchung nicht älter sein als ein Jahr. Ist dann auch der Formwert des Hundes bestimmt, so ist das Möglichste an Vorsorge getan, um aus jagdlicher und medizinischer Sicht mit einwandfreien Hunden zu züchten. Jedes Jahr werden in den beiden die Rasse betreuenden Vereinen ungefähr 50 bis 60 rein jagdliche Welpen gezüchtet und die spurlaute Zuchtbasis europaweit genutzt. Die steigende Beliebtheit dieser Jagdhunderasse bei den deutschen Jägern mag auch darauf zurückzuführen sein, dass bezüglich des Spurlautes in den letzten Jahren viel erreicht wurde. Noch vor zehn Jahren war dies keineswegs der Fall und wohl mit ein Grund, warum Cocker Spaniels und Wachtelhunde oft den Vorzug vor dem English Springer erhielten. Beim Kauf eines Springers ist vor allem darauf zu achten, dass dieser aus einer rein jagdlichen Zucht stammt, beide Eltern jagdlich geprüft sind und Lautnachweise besitzen. Im Zweifelsfall lieber etwas auf einen Welpen warten, um die jagdliche Herkunft sicherzustellen. Eine gute
Möglichkeit ist es auch, mit einem Züchter Kontakt aufzunehmen und sich die Hunde im Jagdbetrieb oder während der Prüfungen, die im Frühjahr oder Herbst stattfinden,
in Aktion anzusehen.

Bis zum Fuchs apportieren die Springer aus kontinentaleuropäischen Linien alles Wild zuverlässig. FOTO: DR. STEFAN SPANIEL