Schattenjäger – Pirschen bei Nacht

1543

Die Nachtpirsch hat ihre eigenen Gesetze. Sie erfordert Erfahrung und Vertrautheit mit der Ausrüstung und dem Revier. Andreas Bach erklärt, wie Sie dabei erfolgreich sind.

Seit Tagen drehen die Sauen die Wiesen im Revier um. Egal, was ich probiert hatte, ich saß stets falsch! Jetzt hilft nur eines – aktives Angehen. Den Ansitzstuhl am Ackerrand auf der Anhöhe postiert, kann man einen Großteil der Freiflächen des Reviers überblicken. Krachende Äste in der Nähe des Waldrandes verraten das Anwechseln der Rotte. Einige Minuten später schieben sich drei schwarze Klumpen auf die Freifläche. 150 Meter! Viel zu weit für einen sicheren Schuss bei Dunkelheit. Schnell ist der Entschluss gefasst. Die Sauen müssen umschlagen werden, um nicht den Mond im Rücken zu haben. Sie ziehen südwärts. Wenn es gelingt, den Verbindungsweg zwischen den beiden Äckern zu erreichen, ziehen sie genau auf mich zu. Bei jeder Pirsch, ob bei Tag oder Nacht, konkurriert der Waidmann mit den Sinnen des Wildes. Das ist es, was den Reiz dieser Jagdart ausmacht. Wer nicht sein Revier leerpirschen will, muss bei wenigen Versuchen möglichst erfolgreich sein. Voraussetzung ist die genaue Kenntnis der Sinnesleistung des Wildes bei Nacht. Da die Nachtjagd im Bundesjagdgesetz außer auf Schwarz- und Raubwild verboten ist, kann man sich dabei auf diese Wildarten beschränken. Das Angehen eines auf der Wiese stechenden Dachses unterscheidet sich übrigens kaum vom Schwarzwild.

Schirm als Sichtschutz: Geschlossen und mit der Spitze in den Boden gesteckt kann man sogar kniend angestrichen schießen.

Nachtpirschen erfordert eine gute Strategie, gründliche Vorbereitung und die passende Ausrüstung. Um eine Erfolg versprechende Jagdstrategie zu entwicklen, ist es  zweckmäßig, nicht nur die Schadflächen der Sauen zu besichtigen, sondern Nachtpirschen erfordert eine gute Strategie, gründliche Vorbereitung und die passende Ausrüstung. Um eine Erfolg versprechende Jagdstrategie zu entwicklen, ist es zweckmäßig, nicht nur die Schadflächen der Sauen zu besichtigen, sondern auch die Wechsel am Tage auszugehen. Finden sich Stellen, an denen die Sauen auf die Freiflächen wechseln, sollte sich der Jäger auch in der Nacht darauf konzentrieren.

Mit einer schnell gezeichneten Skizze des umliegenden Geländes wird die richtige Strategie rasch klar. Das hilft, Fehler zu vermeiden. Neben den Wechseln werden auch die Bahn des Mondes (Vermeidung von Schattenwurf), hohes Gras, Stellen mit viel trockenem Laub und die Beschaffenheit von Wegen eingezeichnet. Auf diese Weise weiß der Jäger, wo er im Schatten pirschen kann, und vor allem, an welchen Stellen er die Schwarzkittel noch sieht. Bevor die Sauen auf mehrere Hundert Meter angegangen werden, kann man so mit einer kleinen Lampe durchaus den Pirschweg vorplanen und erspart sich böse Überraschungen.

I st der Jäger gezwungen, mit dunkler Kleidung auf freiem Feld zu pirschen, kann er mit einem um den Pirschstock gewickelten hellen Tuch seine Kontur wirkungsvoll verwischen.

Steht der Pirschende unvermittelt vor einem Knisterteppich aus dürrem Buchenlaub, bleibt nur Ausweichen, um Geräusche zu vermeiden. Erst danach kann er sich wieder geradlinig dem Wild nähern. Der Zeitverlust kann über den Jagderfolg entscheiden und ist dabei vollkommen unnötig, da vermeidbar! Ziel der Pirsch ist möglichst eine Ansitzeinrichtung (Kugelfang). Die infrage kommenden Hochsitze müssen dabei sehr penibel vorbereitet werden: Pirschpfade auf den letzten Metern, Nachnageln der Sprossen (damit beim Aufbaumen nichts knarrt). Die Türen und Fenster sollten vorher geöffnet werden, um die Schussvorbereitungen möglichst geräuscharm zu gestalten.
Ist es nicht möglich eine Ansitzeinrichtung zu beziehen, muss der Jäger die Sauen direkt angehen.

Pirschen
Sind die Sauen hier ausgewechselt? Dämpft der Schnee die Schritte des Jägers, oder raschelt das Eichenlaub unter den Füßen? Genaue Revierkenntnis ist Voraussetzung für den Pirscherfolg in der Nacht. Fotos: Andreas

Der wichtigste Punkt der Vorbereitung ist das „Abspecken“ der Ausrüstung auf das
wirklich Notwendige. Wer in seinem eigenen Jagdrucksack Dinge findet, die im letzten Jahr
nicht gebraucht wurden, weiß, was ich meine. Von „A“ wie Aufbrechsäge bis „Z“ wie
Zeckenzange sollte alles kritisch überdacht werden. Selbst der geliebte Handscheinwerfer
wird erst nach dem Schuss benötigt. Bei Bedarf kann er auch jederzeit geholt werden.
Eine leichte, leuchtstarke Taschenlampe erfüllt fürs Erste auch den Zweck und behindert
nicht.

Grundsätzlich sollte alles körpernah in der Bekleidung verstaut werden, um die Hände möglichst frei zu haben. Harte und vor allem metallische Gegenstände werden einzeln in den Taschen verstaut. Die Gefahr, dass diese beim Pirschen zusammenstoßen und klirrende Geräusche verursachen, ist sehr groß. Anglerwesten verfügen über genügend Taschen für den „Kleinkram“, ohne die Bewegungsfreiheit einzuschränken. Zu laute
Klettverschlüsse werden gegen Reißverschlüsse ersetzt. Bei größeren Gegenständen können Geräusche wirkungsvoll gedämpft werden, indem sie mit Stoff umwickelt werden. Derselbe Effekt ergibt sich auch durch das Aufkleben von Klettband (Flausch).

ANZEIGEAboangebot