Welche Hunde ins Treiben? Alle, die was taugen

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Eigennütziges Rassedenken bringt Jagdhundwesen und Jagd nicht voran. Nicht die Länge der Läufe, sondern ihre Leistung qualifiziert Hunde für bestimmte Aufgaben bei der Jagd. Das gilt auch für Bewegungsjagden.

 

Von Werner Horstkötter

Besonders im Herbst vor den großen Jagden rauschen recht unterschiedliche Meinungen zum Thema Planung und Durchführung von Bewegungsjagden durch den jagd-fachlichen Blätterwald.

Es werden Ratschläge gegeben und Tips vermittelt, wie man es unter strikter Einhaltung der geschriebenen und ungeschriebenen Gesetze und mit Blick auf größtmögliche Effektivität (Jagderfolg) tatsächlich „richtig anpackt“. Spätestens beim Hundeeinsatz scheiden sich dann Geister und Meinungen.

Einige Autoren schrecken nicht davor zurück, dabei recht unverblümt allein „ihrer“ Jagdhundrasse das Wort zu reden. Das geht so weit, dass Hunde der eigenen Rasse als das einzig Wahre für Bewegungsjagden angepriesen werden und andere anerkannte Jagdgebrauchshunde abwertend ins „Aus“ müssen.

So einfach kann man es sich aber meines Erachtens nicht machen. Vielmehr ist es an der Zeit, das Thema zu versachlichen, die Scheuklappen abzulegen und mit ein wenig Toleranz und Objektivität die entscheidenden individuellen Unterschiede herauszufiltern.

Bewegungsjagd ist nicht gleich Bewegungsjagd. Die Fragen nach dem wo und wie sind vorher ebenso zu klären, wie die Wildart(en), die bevorzugt bejagt werden sollen. Nach meinem Verständnis „bewege“ ich Wild nur dort, wo ich mit hergebrachten Jagdmethoden wie Ansitz und Pürsch nicht weiterkomme.

Viele Bewegungsjagden sprießen aber auch aus anderen Gründen wie Pilze aus dem Boden. Häufig drängt sich der Eindruck auf, dass sie eine Art Ersatzhandlung für die nicht mehr stattfindenden klassischen Niederwildjagden sein sollen. In jedem Fall aber beinhalten Bewegungsjagden eine Reihe anderer Risiken, als „nur“ die vermeintlich falsch eingesetzter Hunde.

Klare Aufgabenstellung für die Hunde

Bewegungsjagden sind meist großflächige, fast immer im Wald durchgeführte Gesellschaftsjagden unter Zuhilfenahme freisuchender Jagdgebrauchshunde. Diese Hunde fungieren als Treiberersatz bzw. Treiberergänzung, stehen in ständigem Kontakt zum Führer, jagen hochgemachtes Wild laut an und kommen dann zurück.

Dieses Verhalten, bei dem das Wild den weiträumig abgestellten Schützen in der Regel nicht flüchtig kommt, erfüllt Sinn und Zweck der Bejagung und ist mit Sicherheit nicht nur durch vierläufige Jagdhelfer bestimmter, weniger Rassen machbar.

Notorisch überjagende Fernaufklärer gibt es sowohl bei großen, mittleren als kleinen Hunden, verbissene Hetzer genauso bei hoch- als auch bei niederläufigen Rassen. Es ist beispielsweise nicht rassetypisch für Vorstehhunde, sich regelmäßig im Treiben selbständig zu machen und ohne Bindung an den Führer Wild kilometerweit bis in die grüne Heide des nächsten Landkreises zu verfolgen.

Auch Ungehorsam ist kein Markenzeichen bestimmter Rassen. Ferner ist wichtig, auf welche Wildarten an diesem Tag gejagt wird. In der Regel handelt es sich um Schalenwild und Füchse. Bei Rot-, Dam- und Rehwild jagt man mit dem Ziel, die amtlichen Abschusspläne zu erfüllen, bei Schwarzwild und bei den Füchsen gilt es meist, Bestände und Besätze zu dezimieren.

Ohne Zweifel ist, um nur ein Beispiel anzuführen, ein guter Teckel für eine Anrührjagd auf Rehwild in einem kleinen Treiben mit vielen gegatterten Flächen besser geeignet als der schnelle Vorstehhund, der ihm allerdings unter Umständen anderswo zeigt, wie man gekonnt eine Rotte Sauen findet, bindet und sprengt.

Von der vorrangig zu bejagenden Wildart hängt die gesamte Organisationsstruktur einer Bewegungsjagd ab, auch was die Auswahl der Hunde angeht. Lange vorher muss sich der Ausrichter darüber im klaren sein, wann er auf welches Wild jagen will und was für ein Gelände beunruhigt oder gedrückt werden soll.

Dafür braucht er nicht zu viele aber auch nicht zu wenig erfahrene Jäger und firme
Jagdgebrauchshunde, sowohl für die Arbeit vor als auch für die nach dem Schuss.

Die Anforderungen sind rasseübergreifend

Grundsätzlich haben alle bei Arbeiten vor dem Schuss zum Einsatz kommenden Hunde die Kriterien der Verträglichkeit gegenüber Mensch und Artgenossen zu erfüllen. Sie müssen spur- bzw. fährtenlaut jagen, dornenfest und wesensstark sein, kurz, sie müssen Hunde der Folge sein.

Vierläufer mit Überpassion, übertriebener Wildschärfe und permanente Hetzer sind genauso ungeeignet wie die, die über keinen entsprechenden Orientierungssinn verfügen. Auch das sind alles Eigenschaften, die sich nicht nur an einer bestimmten Rasse festmachen lassen. So ist ein spur- und fährtenlauter Münsterländer eben geeigneter als eine stumm jagende Bracke.

Die Feststellung des Hundelauts erfolgt auf Prüfungen. Ein Prüfungs-Nachweis über die Eignung für Bewegungsjagden ist wünschenswert. Gezielte Anleitung und Ausbildung für den Einsatz in der Meute oder als Solojäger entscheidet darüber, ob der junge Hund später im Treiben seinen Mann steht, seine Aufgabe erfüllt und nicht zum wild kläffenden Renner wird. Orts- und Revierkenntnisse des Hundeführers sind von großer Bedeutung.

Es ist sinnvoll, einzelne Hundeführergruppen nach ihrem unterschiedlichen Leistungsvermögen ergänzend zusammenzustellen. Hunde können flächendeckend jeweils vom Schützenstand aus geschnallt werden oder mit den Führern zusammen durchgehen. Ersteres setzt voraus, dass die Vierläufer frei, selbständig und weiträumig jagen.

Einzeln jagende Hunde gehen meist nicht weit, was den Vorteil hat, dass das Wild sie besser kalkulieren und ihnen ausweichen kann. Mir persönlich sagt der Hundeeinsatz beim Durchgehen mehr zu, weil der Führer die Möglichkeit hat, jederzeit auf seinen Hund einzuwirken.

Man kann die Verhältnisse in den einzelnen Revieren nicht mit irgendwelchen Allgemeinregeln über einen Kamm scheren. Ebensowenig ist es fair, mit pauschalen Parolen Jagdgebrauchshunde in für Bewegungsjagden „tauglich“ und „untauglich“ einzuteilen.

Entscheidend ist, dass die eingesetzten Hunde, sachgerecht geführt, ihren Job tun. Und wenn das nicht der Fall ist, müssen sie es lernen oder zu Hause bleiben.

Das gilt für alle Jagdgebrauchshunde; denn bei jeder Rasse gibt es Könner und solche, die für eine Arbeit nicht taugen.