Wildschweine tragen Halsbänder

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Im Kampf gegen die sich rasant ausbreitende Afrikanische Schweinepest nehmen Wissenschaftler im Nationalpark Bayerischer Wald derzeit die Bewegungsökologie von Wildschweinen unter die Lupe.

Wie nutzen Wildschweine im Winter bei hohen Schneedecken ihren Lebensraum? Das ist nur eine der Fragen, die derzeit im Rahmen eines Forschungsprojekts zur Bewegungsökologie im Nationalpark untersucht wird. (Foto: Nationalpark Bayerischer Wald)

„Das Projekt soll wichtige Erkenntnisse zum Verhalten der Wildschweine liefern, die wiederum für die Entwicklung von Maßnahmen zur Prävention beziehungsweise Bekämpfung der Tierseuche Verwendung finden können“, sagt Projektleiter Prof. Dr. Marco Heurich.

Dafür sind unter anderem auch mit GPS-Sendern ausgestattete Halsbänder im Einsatz – für diese Tierart erstmals in Bayern“, so die Nationalparkverwaltung. Zehn Wildschweine würden bereits Daten liefern, 30 weitere sollen folgen.

Wie verhalten sich die Tiere zum Beispiel bei hohen Schneelagen?

In den kommenden Jahren sollen im Nationalpark detaillierte Daten über Streifgebietsgrößen, zurückgelegte Tagesstrecken und saisonale Migrationen von Wildschweinen gesammelt werden. Informationen, die vor allem für die Berechnung von Sperrzonen im Falle eines Ausbruchs der Schweinepest benötigt würden.

Wildschwein läuft 18 Kilometer an einem Tag

Eine weitere Frage, der sich die Forscher am Nationalpark widmen, befasst sich mit dem Einfluss der Jagd auf das Bewegungsverhalten der Wildschweine. Da das Wildschwein außerhalb der Nationalparks einer intensiven Bejagung unterliege, würden die großen, jagdfreien Gebiete der beiden angrenzenden Nationalparks Bayerischer Wald und Šumava ein europaweit einmaliges Beobachtungsgebiet als Vergleich für diese Untersuchung darstellen. So solle anhand der Bewegungsdaten unter anderem analysiert werden, wie die Tiere auf die Bejagung im Umfeld reagieren. Erste Erkenntnisse aus den Untersuchungen würden bereits vorliegen. So lägen die bisher mit Sendern bestückten Tiere teilweise weite Strecken zwischen den beiden Nationalparks und deren Umgebung zurück. In einem Fall seien die Tiere an einem Tag 18 Kilometer in den Nationalpark Šumava und darüber hinaus gewandert.

Jäger werden um Rücksichtnahme gebeten

Damit weitere Erkenntnisse gewonnen werden können, bittet der Nationalpark alle Jäger in der Region um Rücksichtnahme: Die Tiere, die im Projekt eine Schlüsselrolle tragen, sollten bei der Wildtierregulierung verschont werden. Diese Wildschweine tragen gelbe Halsbänder, die kaum zu übersehen sind. Für den Fall, dass dennoch einmal ein mit einem Sender ausgestattetes Tier erlegt werden sollte, bittet die Nationalparkverwaltung um Kontaktaufnahme via poststelle@npv-bw.bayern.de oder 08552/9600-0.

PM / fh

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