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Zuchtvereine vor dem Scheideweg

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Nach den Querelen mit dem Verband für das Deutsche Hundewesen (VDH) haben die Zuchtvereine im Jagdgebrauchshundverband (JGHV) im März eine Arbeitsgruppe gebildet, um Ideen für das weitere gemeinsame Vorgehen auszuarbeiten (s. WuH 8/2007, S.14).

Der Sprecher der Gruppe, Drahthaar-Vorsitzender Dirk Freiherr v. Eller-Eberstein, unterbreitete den Vereinen jetzt drei Vorschläge, über die noch im Sommer abgestimmt wird:
 
Favorisiert wird dabei ein Kooperationsvertrag mit dem VDH, der den Jagdhundezuchtvereinen weitreichende Autonomie unter dem Dach des JGHV garantiert. Der JGHV wird direktes Mitglied im VDH, wodurch alle ihm angeschlossenen Klubs automatisch über den VDH der Fédération Cynologique Internationale (FCI) angehören. Eine Doppelmitgliedschaft in JGHV und VDH soll nicht zuletzt aus finanziellen Überlegungen heraus vermieden werden. Zuchtvereinen mit einem hohen Anteil von Nichtjägern soll nach dem Willen der Arbeitsgruppe aber nicht verwehrt bleiben, gewisse Leistungen aus dem Schauwesen des VDH gegen Gebühr in Anspruch zu nehmen.
 
Sollte keine Einigung mit dem VDH über die weitere Zusammenarbeit erzielt werden, regt die Arbeitsgruppe den ganz großen Wurf an. Neben der FCI soll auf Augenhöhe ein internationaler Verband für Jagdhunde ins Leben gerufen werden. Der Arbeitstitel lautet „Hunting Dogs International“ (HDI). Darin sollen sich alle nationalen Verbände, die eine vergleichbare Ausrichtung haben wie der JGHV, die Weltverbände der einzelnen Jagdhunderassen sowie kleinere Zuchtvereine ohne Weltverband zusammenschließen. Das wäre die Spaltung des Hundewesens – nicht nur in Deutschland – aber auch eine Fokussierung der Interessen auf die rein jagdliche Leistungszucht.
 
Der dritte Vorschlag sieht vor, direktes Mitglied in der FCI zu werden. Da diese bisher aber pro Land nur einen Verband aufnimmt und man den langen Weg durch die gerichtlichen Instanzen scheut, dürfte diese Variante kaum in Frage kommen. Von Anfang an wurde das Angebot des VDH verworfen, für die Jagdhunde eine Unterabteilung einzurichten. „Die Strukturen im JGHV sind für unsere Zwecke eindeutig besser und wichtiger“, ließ die Arbeitsgruppe verlauten. Besonders der Regelungswut des VDH und der damit verbundenen Eingriffe in die Zuchthoheit will man sich nicht aussetzen.
 
Am 24. August werden die Zuchtvereine im JGHV über die weitere Vorgehensweise beraten. Bis dahin will man Stimmen und Stimmungen sammeln, um einen möglichst großen Konsens zu erzielen. Sollte sich der Vorschlag für einen Verbleib im VDH durchsetzen, liegt es an VDH-Präsidenten Christofer Habig, seine offensichtlich angestrebte Machtfülle im deutschen Hundewesen zu beschneiden. Bleibt der VDH hart, wird die Trennung nach 100 Jahren Zusammenhalt kaum zu verhindern sein – und das vor der Hintergrund, dass unter den acht VDH-Gründungsmitgliedern von 1906 alleine fünf Jagdhundezuchtvereine (Griffon, Teckel, Kurzhaar, Foxterrier und Setter) zu finden sind.
 
 
 
-wm-

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