Bayern: Verbände versuchen Abschussplanung zu hintertreiben

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Die Thessenvitz-Affäre in Bayern treibt neue Blüten: Entgegen der Ankündigung von Landwirtschaftsministerin Michaela Kaniber wird ein Miteinander von Forst und Jagd weiter gezielt und offen hintertrieben – darunter auch von einer dekorierten Betriebsleiterin des Unternehmens Bayerische Staatsforsten (BaySF).

Der BJV mit seinem Präsidenten Prof. Jürgen Vocke richtet sich gegen die Pläne des Bündnisses.
Foto: Falk Haacker

Ein Bündnis aus Naturschutz und Forst hat am 13. Februar die Landräte und Oberbürgermeister sowie die Unteren Jagdbehörden in Bayern angeschrieben und aufgefordert, die Abschussplanung strenger als bisher durchzuführen.
Konkret forderten der Bund Naturschutz in Bayern (BN), der Bayerische Forstverein, die Arbeitsgruppe Naturgemäße Waldwirtschaft, Landesgruppe Bayern, und der Ökologische Jagdverein Bayern, dass Abschussvorgaben auch bei Hegegemeinschaften mit tragbarer oder günstiger Verbissbelastung nicht abgesenkt werden sollen. In Hegegemeinschaften mit hoher oder zu hoher Verbissbelastung sollten die Abschüsse nicht wie bisher um zehn bis 20 Prozent, sondern um 20 bis 40 Prozent angehoben werden. Wo die Verbissbelastung seit 2006 durchgehend zu hoch gewesen ist, seien diese Abschussvorgaben durchgängig umzusetzen, so die Ansage der Verbände an die Behörden. In ihrem Schreiben geben sie den Adressaten zudem Gerichtsurteile an die Hand, die klar herausgearbeitet hätten, „dass Jagd und Hege dem Aufbau und Erhalt der Wälder zu dienen haben“.
Unterschrieben haben den Brief die Vorsitzenden Richard Mergner, Gudula Lermer, Prof. Manfred Schölch und Dr. Wolfgang Kornder. Lermer leitet den Betrieb Neureichenau der BaySF und bekam 2018 von Ministerin Kaniber das Bundesverdienstkreuz am Bande überreicht. Der Bayerische Jagdverband wandte sich am 1. März mit einer E-Mail an die Behörden gegen den Brief. In dem „irreführenden Schreiben“ würden „Urteile zitiert, die es nicht gibt, und Forderungen erhoben, die weder den rechtlichen Vorgaben noch der notwendigen Zusammenarbeit aller an der Jagd Beteiligten gerecht werden“, so BJV-Präsident Prof. Jürgen Vocke in der Nachricht. Die Vereine hätten zudem kein Recht, auf die hoheitlichen Aufgaben einzuwirken. Dies bestätigte auch das Staatsministerium für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten auf WuH-Anfrage: „Hinweise von Verbänden können nicht die Vollzugstätigkeiten der nachgeordneten Behörden bestimmen“, heißt es da. Für die nachgeordneten Jagdbehörden seien die vom Ministerium erlassenen und mit dem Obersten Jagdbeirat abgestimmten Vollzugshinweise zur Abschussplanung maßgebend. Das Ministerium wollte zu dem Brief keine Stellung nehmen. vk

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