Brandenburg: NABU stoppt Insektizideinsatz

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Über 2 500 ha Kiefernwald sind bei Beelitz durch Nonnenfraß vom Absterben bedroht, weil der dortige NABU-Landesverband durch eine Klage den Einsatz eines Insektizids gegen die gefräßige Raupe gestoppt hat. Das berichteten Ende Juni neben top agrar online weitere Medien. Förster und Waldbesitzer befürchten sowohl Einkommensverluste von circa 10 000 € pro ha als auch dass sich die Waldbrandgefahr durch die absterbenden Bäume dramatisch verschärft.

Revierförster Martin Schmitt weist auf den erheblichen Schädlingsbefall hin. Nicht nur Kiefern werden von den Nonnen befallen, sondern auch Laubholz.
Foto: Bildagentur Plan B Communication

„Bewohner in Angst – Ministerium versprüht Gift über unseren Dörfern“ titelte die Berliner Boulevardzeitung B.Z. am 4. Mai. Auch andere Medien schürten die Hysterie in der Bevölkerung, nachdem die Pläne des brandenburgischen Landesforstes bekannt wurden, die Massenvermehrung der Nonnenraupe mit dem Insektizid „Karate Forst“ zu bekämpfen. Dabei handelt es sich um den ­synthetischen Nachbau des natürlichen Insektenmittels ­Pyrethrum, das aus Chrysanthemen-Blüten gewonnen wird. Pyrethrine aus Chrysanthemen dürfen sogar im Öko-Landbau eingesetzt werden.

Der Landesforst plante Medienberichten zufolge, das Insektizid bei Windstille per Hubschrauber über den von Nonnenfraß bedrohten Kiefernwäldern auszubringen und dabei einen Sicherheitsabstand von 125 m zum besiedelten Bereich einzuhalten. Eine erste Klage des NABU gegen den Insektizid-Einsatz wies das Verwaltungsgericht Potsdam zurück: Der Verband sei nicht klageberechtigt.

Das Oberverwaltungsgericht (OVG) Berlin-Brandenburg entschied jedoch am 17. Mai zugunsten des NABU. Das OVG begründete dies laut Märkischer Allgemeine unter anderem damit, dass vor der Genehmigung des Insektizideinsatzes keine artenschutzrechtlichen Prüfungen durchgeführt worden seien. Der Forst musste nun die Raupen-Bekämpfung stoppen. Bis Mitte Mai waren jedoch schon rund 7 000 ha Kiefernwald mit dem Insektizid besprüht worden.

Das Nachsehen haben nun vor allem viele private Waldbesitzer, deren Flächen nicht mit „Karate Forst“ behandelt wurden. „Auf dem Boden liegen unzählige grüne Kiefernnadeln, die Baumkronen sind licht, die Baumrinde fällt ab“, schilderten die Potsdamer Neuesten Nachrichten am 27. Juni das Szenario. NABU-Landeschef Friedhelm Schmitz-Jersch tat hingegen in dem gleichen Blatt die Befürchtungen der Waldbesitzer „als empörendes Katastrophengeschrei“ ab. roe

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