Fit für die Drückjagd, Teil 2

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TRAINING IN DER 3. UND 4. WOCHE
In sechs Wochen fit für das bewegte Schießen auf der Drückjagd. Das ist das Ziel des von Andreas Bach entwickelten Trainigsplanes. Dieses Mal zeigt der Schießlehrer, wie Sie Fehler beim Üben vermeiden und worauf Sie im Schießkino achten müssen.

Die ersten beiden Trainingswochen liegen nun hinter uns. Bei einigen meiner Schüler traten erste Probleme auf. Die immer wiederkehrende Routine und hohe Zahl an Wiederholungen ließen zwar die Bewegungsabläufe flüssiger werden, jedoch schleichen sich im Laufe der Zeit einige Ungenauigkeiten ein. Bei entsprechender Wiederholungszahl werden diese ebenfalls in das Muskelerinnerungsvermögen übernommen. Ständige Beobachtung
und Korrekturen durch eine weitere Person (Schießlehrer) sind notwendig. Die Unterschiede in der Schießleistung zwischen der herkömmlichen und der intensiven Ausbildung mit vorgeschaltetem Trockentraining sind immens. Zunächst wird der Schüler erfahrungsgemäß schlechter schießen. Er konzentriert sich aktiv auf all die Dinge, die
er beim Trockentraining beachten muss: Fußstellung, Hüftausrichtung, Gewichtsverlagerung, Greifen der Waffe, Abzug, Schwingen. Ständige Korrekturen durch den Trainer verbessern die Situation zunächst auch nicht. Man muss sich aber vor Augen führen, dass es zu Beginn der Schießausbildung um Grundlagen geht. Wenn diese sitzen, ist der Kopf frei für das Ansprechen des Wildes, Schätzen des Vorhaltens und Setzen des Haltepunktes. Die Schussabgabe erfolgt automatisiert – quasi unbewusst nebenbei!
Die gängigsten Fehler möchte ich erläutern. Denn steht kein Schießlehrer zur Verfügung, sollten die Schießfehler von jedermann erkannt und behoben werden können.
Bei Problemfällen hilft aber nur ein Profi.

Ballpendel: Diese Übung schult das ruhige Schwingen. Dabei sollte aber jeweils nur in eine Richtung dem Tennisball gefolgt werden.

Mucken
Großkalibrige Gewehrschüsse belasten den Körper des Schützen. Selbst angenehm zu schießende Waffen und Kaliber klopfen irgendwann die Schulter „weich“. Rückstoß,
Mündungsknall, Mündungsdruck und Mündungsfeuer können zu Meidungsverhalten
führen. Stellt der Jäger das bei sich fest, muss das Schießtraining sofort unterbrochen werden. Die Gefahr, dass aus dem Meidungsverhalten eine tief sitzende  Schussempfindlichkeit oder gar Angst wird, ist groß. Dieses äußert sich oft durch:
• Schließen der Augen, da sie empfindlich auf Lichtblitz und Mündungsdruck reagieren.
• Nicken oder Wegdrehen des Kopfes etwa aufgrund einer vorangegangene Kollision mit dem Zielfernrohr
• Vordrücken der Schulter, um dem Rückstoß entgegenzuwirken. Das Mucken wird meist begleitet von einem Verreißen des Abzuges. Unbewusst versucht der Schütze, das Abziehen
und das Meidungsverhalten zu synchronisieren. Leider gehen die klaren Anzeichen für das Mucken in der Erschütterung der Waffe unter und können selbst von einem Profi nicht
zweifelsfrei erkannt werden. Hier hilft: Die Magazine von einer anderen Person laden zu lassen und bei fünf Schuss eine Pufferpatrone jeweils an einer zufälligen Stelle zu platzieren.
Abhilfe:
1. Die Schusszahl im Training muss reduziert werden.
2. Oft wird empfohlen, mit schwachen Kalibern (.22 Hornet) zu üben. Das ist jedoch Selbstbetrug! Wird auf der Jagd dann die gewohnte 9,3 x 62 mit 20 Gramm TMR geladen, fängt das Mucken wieder an.
3. Im schlimmsten Fall muss erneut mit der Grundausbildung des Schützen begonnen werden. Drückjagd ist aus Sicht des Tierschutzes dann eher als Fernziel zu betrachten.
4. Die Waffe wird satt in die Schulter gezogen. Der Körper wird zur Schwungmasse
und gibt dem Gewehr weniger Raum zum „Kicken“.

„Melken“
Statt des Abzugsfingers bewegen sich alle Finger. Die Bewegung des Schießfingers erfolgt nicht losgelöst von den anderen Fingern. Abhilfe: Daumen gestreckt lassen, Mittel-, Ring- und kleiner Finger ziehen die Waffe in die Schulter. Die Hand neigt dann weniger
zum Verkrampfen.

Verreißen des Abzuges
Das bewusste Durchreißen des Abzugs ist ein häufiger Fehler beim bewegten Schuss. Aufgrund mangelnder Schießtechnik ist der Schütze nur kurz auf  dem Haltepunkt und reißt den Abzug durch, bevor er wieder verwackelt. Abhilfe: Wer nach den Trockentrainingstipps
in dieser und der letzen Ausgabe trainiert, verbessert seine Schießtechnik. Mitziehen und Verreißen sind kein Problem mehr. Reißen der Waffe Wird der Vorderschaft zu fest gegriffen und die Unterstützungshand aktiv eingesetzt, verreißt man meist die Waffe.
Werden Schüsse nur „hingeworfen“, passiert dies regelmäßig. Die Treffer liegen beim Rechtschützen meist links tief. Abhilfe:
Trockentraining mit offener Hand. Dabei deutet man mit dem Zeigefinger in Richtung Ziel. Somit wird dieses intuitiver erfasst. Der Jäger lernt, dass ein Zupacken mit der  Unterstützungshand überflüssig ist. Die Schwungbewegung erfolgt aus der Körperdrehung.
Der Winkel der Waffe zur Schulter bleibt dabei immer derselbe.

Hinweise zum Trainieren im Schießkino
1. Höherer Trainingseffekt durch trockenes Mitrichten. In der Schießrotation übt der Jäger den Ablauf auf die Leinwand mit entladener Waffe, während ein anderer schießt. Danach
schießt er selbst, und eine andere Person beginnt mit dem Trockentraining.
2. Kinos verleiten zum „Herumballern“. Der Trainingseffekt ist am höchsten, wenn man sich an seinen Plan hält. Die einzelnen Filmequenzen sollten dreimal geschossen werden. Wer
nach jeder Sequenz den Film wechselt, kann seine Fehler nie abstellen.
3. Die Videos sollten so eingestellt sein, dass der Film nach dem Treffer weiterläuft. Stoppt die Szene, sieht der Schütze den Ablauf nach der Schussabgabe als beendet an. Er zielt nicht mehr nach und repetiert nicht im Anschlag. Das ist praxisfern.
4. Einsatz von Pufferpatronen. Laden durch eine andere Person (der Schütze weiß nicht wann eine Pufferpatrone abgeschlagen wird).
Im nächsten Artikel der Serie steht speziell die Schießpraxis während der Drückjagd im Vordergrund.