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Nachsuchen im Winter – Am langen Riemen

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Die Rotfährte birgt immer wieder Überraschungen für Hund und Führer. Hans Lux erlebte mit seiner Hannoverschen Schweißhündin am Ende der Drückjagdsaison Riemenarbeit der besonderen Art.

Nachsuche
Mein Stand befand sich auf einem Wegekreuz. Der anstellende Beamte erklärte, dass es sich um einen „Fürstenstand“ handele. Abwarten. Doch bald wusste ich, dass der Begriff zu Recht gebraucht wurde. Zumindest hatte ich einen so guten Anblick wie noch kaum zuvor auf einer Gesellschaftsjagd.
Im Verlauf des Vormittags erlebte ich in Abständen sieben Hirsche, außerdem einige Stück Rehwild und zum Abschluss einen Fuchs, der so schnell über eines der Gestelle flog, dass meine Büchse nicht nachkam. Kahlwild und Sauen, die als Jagdwild freigegeben waren, wollten diesmal von mir nichts wissen. Darum blieb der Lauf blank.
Auf den anderen Ständen ging es lebhafter zu. Ich zählte achtzehn Schüsse. Als um dreizehn Uhr die Jagd abgeblasen wurde, lagen fünf Stück Wild auf der Strecke. Drei weitere Stücke wurden außerdem beschossen und hatten auf den Anschüssen Pürschzeichen hinterlassen. In einem Falle, es handelte sich um ein Kalb, das nach dem Schuss zusammen mit dem Alttier flüchtete, lagen Röhrenknochensplitter. Bei den anderen beiden Stücken glaubte man an Weidewundschüsse.
Der Revierverwalter bat mich, den Hund zur Nachsuche zu holen. Er dachte dabei an das laufkranke Kalb. Die anderen Suchen sollten von einem schweiß erprobten Jagdterrier und einer erfahrenen Drahthaarhündin durchgeführt werden.
Noch wusste ich nicht, welche Ereignisse in den nächsten vierundzwanzig Stunden auf mich warteten. Schnell überrechnete ich die Zeit. Zwanzig Minuten brauchte ich, um nach Haus zu kommen, insgesamt also vierzig Minuten. Darum sagte ich, dass ich in einer Dreiviertelstunde am Anschuss des laufkranken Kalbes sein würde. Derweil setzte sich die Jagdgesellschaft in Bewegung, um in einer nahe gelegenen Gastwirtschaft die vorbestellte Erbsensuppe auszulöffeln.
Mathematisch genau konnte ich meine vorgeplante Zeit einhalten. Doch diese Pünktlichkeit brachte nichts ein. Denn noch fehlten alle Schützen, die ich zum Vorstellen nötig hätte. Das hatte die vorbestellte Erbsensuppe fertiggebracht! So verrann eine kostbare Stunde. Wie kostbar sie war, würde sich noch herausstellen. Viel zu spät legte ich „Kati“ zur kranken Fährte, obwohl vorerst noch alles wie am Schnürchen lief. Fünf Schützen wurden weit vorgestellt. Der Jagdleiter begleitete mich. Am Anfang lag soviel Schweiß, dass man keinen Schweißhund nötig gehabt hätte, um der Fährte zu folgen. Doch dieser Zustand änderte sich schnell.
Lange Zeit waren wir ohne Zeichen. Dann wurde es in einer Douglasiendickung laut. Stärkeres Wild brach vor uns weg. Zwar fand ich kein Wundbett; dennoch schnallte ich die Hündin, gegen alle Regel und scheinbar auch gegen alle Vernunft. Schnell verschwand das Hundemädchen im dichten Holz. Doch bald hörte ich ihren Hetzlaut.
„Kati“ hetzt sichtlaut. Daraus folgerte ich, dass sie dicht am Kalb war. Hoffentlich behielt ich mit meiner Annahme recht. Später stieß ich beim Vorwärtsstürmen auf ein Alttier. Mit hochgerecktem Haupt hielt es sich dicht vor mir und versuchte nicht, bei meinem Anblick zu flüchten. Vielleicht fand ich in diesem sonderbaren Wildverhalten eine Bestätigung dafür, dass sich das kranke Kalb in unmittelbarer Nähe des Mutterwildes herumdrückte.
Bald wurde meine Vermutung zur Gewissheit. Denn kaum hundert Meter vor mir hörte ich deutlich den Standlaut des Hundes. So schnell es mir das Buschholz erlaubte, versuchte ich, an den Bail zu kommen. Mein Begleiter folgte mir behänd.
Doch da, es fällt mir schwer, es mitzuteilen,
 geschah etwas Einmaliges und kaum Glaubhaftes:
Das Kalb flüchtete mit dem Messer hinterm Blatt!
Auf einem größeren Moosklecks im Bestand erspähte ich Hund und Kalb. Mein Puls flog. In dieser Verfassung konnte ich unmöglich stehend einen sicheren Schuss abgeben. Also kniete ich schnell hin, legte an, schoss. Vorbei! Ich repetierte, schoss. Vorbei! Nochmal dasselbe. Vorbei! Neben mir stand der Jagdleiter. Ich streckte meinen Arm aus. Er begriff schnell und reichte mir seine Büchse. Mit dem Knall lag das Kalb im Feuer. Jetzt hätte ich mich freuen können. Dass ich es nicht tat, lag an den drei Fehlschüssen, abgegeben auf eine Entfernung von höchstens vierzig Schritt.
Nachher aber tat Eile not. Zwar half ich noch schnell mit, das Kalb aufzubrechen. Aber in mir war eine unbeschreibliche Unruhe. Ich wusste, dass die beiden anderen beschossenen Stücke ebenfalls nachgesucht wurden. Aber die Erfolgsmeldungen standen noch aus oder hatten uns noch nicht erreicht. Ich stellte fest, dass auch der Jagdleiter sichtlich unruhig wurde.
Bald wussten wir es: Die beiden Stücke waren nicht gefunden worden. Der Drahthaar hatte gut angesucht, war dann aber auf eine frische Rehfährte gewechselt. Selbst mehrfaches Abtragen konnte den Rüden nicht mehr veranlassen, der kalten Rotfährte zu folgen. Das vom Jagdterrier verfolgte Stück, ebenfalls ein Kalb, schien schwer krank zu sein. Der Terrier hielt über weite Strecken die Krankfährte ausgezeichnet, kam dann aber während der weiteren Folge an Sauen. Hier wurde er so heftig, dass der anscheinend durch viele Nachsuchen brüchig gewordene Riemen riss und der Hund hinter den Schwarzkitteln im weiten Busch verschwand.
Zur Stunde war er noch nicht zurückgekehrt. Aber sein Führer und Besitzer Forstamtmann F. war zuversichtlich: „Der liegt spätestens morgen früh neben meinem Rucksack und heult mich herbei.“ Ich hatte es ja schon immer gewusst, dass sich ein Jagdterrier in jeder Lebenslage zu helfen weiß. Doch jetzt mussten auch wir uns zu helfen wissen.
Am Anschuss des Kalbes lag nur Schnitthaar, das von überall her stammen konnte. Ich meinte, dass es am ehesten von den Dünnungen herkommen könnte. Der Jäger mit dem abhanden gekommenen Terrier tippte auf einen Keulenschuss ohne Knochenverletzung. Wir stritten uns nicht darum. Gemeinsam zogen wir los.
Kati“ schnüffelte auf der Spur des „Vorarbeiters“ herum. Das wusste ich, ohne es genau zu sehen. Aber die Eifersucht war stärker als der Drang, dem kranken Wilde sofort zu folgen. Mindestens am Anfang ist es so. Diese Klippe muss überwunden werden. Nur machen sich manche Jäger keine Gedanken darüber und arbeiten jede Krankfährte ohne zu zögern und zu zaudern mit ihren Hunden selbst dann, wenn deren Schweißhundqualitäten in keinem Verhältnis zu der erkannten Schwierigkeit der Fährte stehen. Zwar war dies bei vorliegender Suche nicht der Fall. Denn der Jagdterrier war kein Anfänger und wusste zu finden. Dass ihm die aufgekommenen Sauen und der brüchige Riemen dies verwehrten, war nicht seine Schuld. Solch ein „Kampfhund“ wird von Sauen nur allzu leicht verführt. Die Spur des Terriers blieb in „Katis“ Nase. Aber sie war kein „Kampfhund“. Die Rotfährte, die geduldige, gewann die Oberhand.
Nach vierhundert Schritt fand sich abgestreifter Schweiß. Kurz darauf erspähte ich sogar den Sauenkessel. Erleichtert atmete ich auf, als sich die Hündin nur am Rande mit den Lagerstellen der Sauen beschäftigte und gleich wieder auf die Rotfährte überschwenkte. Die Dickung wurde unerträglich dicht. Kiefer, Fichte und Lärche standen wirr durcheinander, wobei die Fichte die unterste Etage dieser Drei einigkeit bildete.
„Kati“ nahm die Nase hoch. Ich konnte ihr dies nicht übelnehmen, wusste ich doch, dass dicht vor uns Wild stand. Im Stillen hoffte ich, dass es das Kalb sein möge. Nach weiteren zehn, zwanzig behutsamen Schritten sprang „Kati“ in den Riemen. Vor uns ein Rauschen. Für einen Augenblick erkannte ich abspringendes Wild. Es war das Kalb!
F. klappte seinen Drilling auf, um zu laden. Das Öffnen der Waffe gelang, das Schießen jedoch nicht. Verzweifelt fingerte er an dem Schießeisen herum. Ohne Erfolg. Meine eigene Waffe hatte ich abgeschrieben. Die drei Fehlschüsse von vorhin gaben mir noch immer Rätsel auf.
In diesem Durcheinander schnallte ich die Hündin. Schon wenig später erschallte vor uns ihr Standlaut. F. verwünschte, gleichsam als Sekundant der Hündin, lauthals seinen Drilling. Und ich verwünschte im Stillen meine kranke Büchse. Trotz dieser Verwünschungen standen wir urplötzlich vor Hund und Kalb. Ich erkannte, dass das Kalb am Ende war. In meiner Not zog ich das langklingige Messer, sprang vor und gab mit hartem Stoß den Fang.
Doch da, es fällt mir schwer, es mitzuteilen, geschah etwas Einmaliges und kaum Glaubhaftes: Das Kalb flüchtete mit dem Messer hinterm Blatt! Jetzt ging alles drunter und drüber. F. schimpfte noch immer auf seinen Drilling, der sich jedoch trotz aller Beleidigungen nicht schließen wollte. Ich selbst hetzte „Kati“ nach, die das Kalb nicht mehr ausließ. Dabei stürzte ich und fiel mit dem Brustkorb auf einen kopfgroßen Stein. Ich versuchte mühsam durchzuatmen. Nach einigen vergeblichen Versuchen gelang es. Doch dann kam alles zum guten Ende.

Das Kalb rührte sich nicht mehr vom Fleck. Aus zwei Schritt Entfernung gab ich aus der Hüfte den Fangschuss. Dann lag ich lang hingestreckt neben dem verendeten Kalb. Nicht aus Spaß, sondern weil ich mit meinen Kräften am Ende war. Auch F. erschien und hatte seinen Drilling endlich wieder intakt. Meinen Zustand ließ ich ihn nicht merken und benahm mich ganz munter, obwohl ich mir beim Sturz eine Rippe angebrochen hatte.


Nachsuche
Exklusiv illustriert für WILD UND HUND von Rudolf Freiherr von Ulmenstein
Danach holte ich mir aus dem Kalb mein Messer zurück und dachte dabei, dass ich diesen Vorfall keinem Menschen und schon gar keinem Jäger erzählen dürfte. Später habe ich doch darüber berichtet und auch über die drei Fehlschüsse. Warum sollen die Leute nicht wissen, dass wir alle nur Menschen sind, ständig ausgeliefert den Tücken von Technik, Natur und eigener Unzulänglichkeit.
Die drei Fehlschüsse haben sich bald aufgeklärt. Einige Tage vorher hatte mir mein Sohn Peter einen im Lauf stark gekürzten Karabiner mitgebracht. Er hatte ihn auf seinen „Erkundungsfahrten“ bei einem Waffenhändler gesehen und dabei sogleich an meine Vorliebe für kurzläufige Nachsuchengewehre gedacht. Darum erwarb er die Waffe und stellte auch gleich ihre Schussleistung fest.
Gern übernahm ich die führige Büchse, bemerkte allerdings nicht, dass neben dem Stand visier noch eine Klappe für dreihundert Meter Schussentfernung im Lauf eingelassen war. Und diese Klappe war es nun, die sich während der Suche im Gebüsch selbstständig hochgestellt hatte und damit die Fehlschüsse auf kürzeste Entfernung auslöste.
Um uns breitete sich die Dämmerung aus. Zwei schwierige Nachsuchen in verhältnismäßig kurzer Zeit bereiten eine gewisse Zufriedenheit. Doch eine Suche stand noch aus. Sie beschäftigte mich sehr, zumal sie ja bereits einmal ergebnislos verlaufen war. Wie gern hätte ich sie noch an diesem Tag erledigt. Als die Strecke vor dem Forsthaus verblasen wurde, war die Nacht unser Gast. Am anschließenden Schüsseltreiben nahm ich nicht teil. Ich hoffte, dass mir dies niemand übel nahm. Wer wusste, was mich morgen auf der Rotfährte erwartete. Besonders „Kati“ sollte jetzt ihre Ruhe haben.
Ich wusste nicht mehr weiter.
Gewiss war es auch meine körperliche Verfassung, die die Gedanken abstumpfen ließ.
Schüttelfrost stellte sich ein.
Als ich meinen Wagen bestieg, blickte ich noch schnell zum Nachthimmel. Der sah nicht gut aus. Stern um Stern verschwand hinter einer aufziehenden Wolkenwand. Während der Heimfahrt begann es zu regnen. Doch dies allein war noch nicht schlimm. Viel ärger, dass dieses Nass auf der unterkühlten Straße augenblicklich zu Eis erstarrte.
Bald konnte ich nur noch im Schritttempo fahren. Darum verließ ich bei passender Gelegenheit die ungastliche Fahrbahn und nahm einen Querfeldeinweg, der mich zwar schaukelnd und rumpelnd, dafür aber leidlich sicher zu meinem Haus tief drinnen in der Heide brachte.
Die Nacht war kalt. Spiegelblank lag eine Eisschicht über der Landschaft. Ich dachte an nichts anderes als an die bevorstehende Nachsuche. Darum blieb „Kati“ auch nicht im Zwinger, sondern behielt ihren Schlafplatz auf dem Schnuckenfell im Hause. Um Mitternacht schaute ich noch einmal vor die Tür. Jetzt schneite es. Wild wirbelten die Flocken durcheinander. Nun bedauerte ich aufrichtig, dass ich die letzte noch ausstehende Nachsuche gegen jede Regel und Vernunft nicht doch noch in die Nacht hinein gewagt hatte. Mit schweren Gedanken ging ich zu Bett.
Noch herrschte tiefe Dunkelheit, als ich mich zum Aufbruch rüstete. Der Schnee lag handhoch, darunter die verteufelte Eisschicht! Eine Dreiviertelstunde benötigte ich, um mit dem Wagen zum Anschuss zu kommen. Hier traf ich mit dem Revierbeamten und einem „Hirschmannanwärter“ zusammen. Dieser wollte mich und „Kati“ als Helfer begleiten.
Meine Stimmung war trostlos. Die Hündin scharrte auf dem Anschuss herum. Mit den Fingern sortierte ich den aufgekratzten Schnee. Endlich entdeckte ich einige Schnitthaare. Mühsamer kann eine Anschussuntersuchung nicht vor sich gehen. Dann zog die Hündin in eine stubenhohe Kieferndickung. Wir waren in Kenntnis gesetzt worden, dass das beschossene Stück nach dem Schuss diese Dickung angenommen hatte.
Tief hing der Schnee in den Zweigen, und bald klebte er in Augen, Ohren und Nase. Alle zehn, zwölf Schritt scharrte der Hund im Schnee. Und jedes Mal kniete ich nieder, um vielleicht doch noch ein Zeichen zu ergattern. Vergeblich.
Nach einer Stunde waren wir aus der Dickung heraus. Aus einer Dickung! Weitere warteten noch auf uns. Meine Handschuhe glichen zwei nassen Lappen. Ich streifte sie ab und suchte mit blanken Händen weiter, mit dem Erfolg, dass ich bald kein Gefühl mehr in den Fingern hatte.
Nach zwei Stunden unbeschreiblich harter Arbeit wußten wir genauso viel wie am Anfang. Mindestens ein Dutzend Mal hatte ich die Hündin abgetragen. Doch stets nahm sie den gleichen Weg. Ich war ziemlich sicher, dass wir uns auf der Krankfährte befanden. Diese Sicherheit nahm noch zu, als wir auf eine brandheiße Rudelfährte stießen, die der Hund zwar flüchtig untersuchte, dann aber behutsam darüber hinwegstieg, um auf der Leitlinie zu bleiben.
So durchwühlten wir Dickung um Dickung, durchforschten Stangen- und Althölzer, und in fast gleichbleibenden Abständen durchscharrte die Hündin den Schnee, um dann mit ihrer Nase Unsichtbares zu prüfen.
Mein Begleiter sah arg mitgenommen aus. Darum riet ich ihm freundschaftlich zum Rückzug. Doch er winkte ab. Gewiss erkannte er, dass es um mich auch nicht besser stand. Längst hatte ich auch die letzte Spur eines Gefühls aus den Händen verloren. Die Endschlaufe des Schweißriemens wurde allein durch das Handgelenk gehalten.
Als wir wieder einmal aus dem Schneewald auf eine Schneise traten, setzte ich meine Pfeife in Brand und hoffte, durch das warm werdende Pfeifenholz meine abgestorbenen Hände wieder zum Leben zu erwecken. Doch der Versuch misslang. Bald kroch die Kälte unter das Gummizeug auf die Haut. Auch „Kati“ wollte nicht länger verweilen und mahnte mit kurzem Laut zum Aufbruch.
Wir suchten weiter. Fast war es eine Verzweiflungshandlung. Am späten Nachmittag, es lässt sich nicht mehr nachrechnen, wie viele Kilometer wir durch Schnee und Kälte zurücklegten, standen wir an einer Bahnstrecke. Die Gleise lagen tief unter uns. Es erschien ausgeschlossen, dass das kranke Stück diesen Steilhang hinunter und auf der anderen Seite wieder hochgezogen war.
Ich wusste nicht mehr weiter. Gewiss war es auch meine körperliche Verfassung, die die Gedanken abstumpfen ließ. Schüttelfrost stellte sich ein. Mein Begleiter stand mit aschfahlem Gesicht neben mir. Ich sagte: „Schluss.“ „Kati“ drängte die Böschung hinunter. Nochmals: „Schluss!“ Nach zwei Stunden Fußmarsch standen wir vor unseren Fahrzeugen. Ich bedankte mich bei meinem Begleiter. Er streichelte „Kati“. Dann fuhren wir davon. Jeder in eine andere Richtung.
Zu Haus ein heißes Bad! Allmählich kehrten die Lebensgeister zurück. Dennoch: Wenn mich jetzt in dieser Stunde jemand um eine Nachsuche gebeten hätte, ich wäre nicht dazu in der Lage gewesen.  och es rief mich zum Glück niemand.
Ein Anruf kam am nächsten Tag, es war ein Sonntag. Der Revierbeamte aus dem Nachsuchengebiet berichtete mir, dass ein Forstarbeiter das Tier gefunden hatte. Es lag kaum zwanzig Schritt neben dem Bahnkörper. Darauf fuhr ich hinaus. Ich sagte nichts. Aber ich stellte fest, dass wir keine fünfzig Meter vor dem verendeten Tier am Vortag eine viele Stunden dauernde Nachsuche abgebrochen hatten. So sieht das Ende eines Nachsuchenjahres aus.

 


Buchtipp

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Von Hunden, Schweiß und roten Hirschen
Packend schildert Hans Lux seine Jagd erlebnisse und die faszinierende Arbeit mit seinen Hunden. Dabei versteht es der vor allem durch sein Standardwerk „Der Jagdteckel“ bekannt gewordene und 1984 verstorbene WILD UND HUND-Autor, passionierte Hundeführer und Forstoberamtmann, den Leser an spannenden Nachsuchen teilhaben zu lassen, aber auch Wissenswertes über die hohe Schule des Waidwerks zu vermitteln.
Neu erschienen im Jagd- und Kulturverlag, Sulzberg/Allgäu, 170 Seiten, sieben s/w-Abbildungen, fester Einband, ISBN 978-3-925456-84-8, 19,95 Euro.

 


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